„Salzburger Halbzeit“ mit Stefan Lainer

Ja, die Rede ist tatsächlich vom UEFA Europa League-Achtelfinalhinspiel bei Borussia Dortmund. Im Zuge unserer Serie „Salzburger Halbzeit“ haben wir uns diesmal zu einem Gespräch mit Stefan Lainer getroffen und uns unter anderem natürlich über das Duell mit dem BVB wie auch über seinen Weg zur ProfiKarriere und seine Nominierung zum Spieler des Monats Februar UNTERHALTEN.

Hi Stefan! Zunächst einmal wollen wir natürlich über die aktuellen Ereignisse sprechen. Es ist gerade eine aufregende Zeit, oder?

Ja, kann man so sagen. Es ist natürlich spannend, weil große Aufgaben auf uns warten. Den ersten Schritt gegen Dortmund haben wir bewältigt, aber wir müssen uns vor Augen halten, dass wir erst Halbzeit haben und wir im Rückspiel genauso konzentriert agieren müssen. Es ist eine Euphorie entstanden, die wir unseren guten Leistungen zu verdanken haben. Vor allem international haben wir ein Ausrufezeichen setzen können. Jetzt gilt es, noch eins draufzusetzen.

War das Spiel in Dortmund eine Art Karriere-Highlight für dich?

Allein von der Kulisse her war das ein absolutes Highlight, klar. Wann spielst du schon vor 55.000 Leuten. Dann sind auch noch so viele Salzburger mitgefahren und haben uns unterstützt. Vor dem Stadion hat es sich sogar eher wie ein Heimspiel angefühlt. Die Fans waren sehr lautstark unterwegs, und das hat uns noch zusätzlichen Mut gegeben. Es war schon ein sehr cooler Abend. Aber es gab schon mehrere Highlights in dieser Saison. Gegen Real Sociedad oder Marseille waren es auch schon besondere Spiele. Ansonsten war mein Debüt im Nationalteam natürlich ein Höhepunkt für mich. Wenn du für Österreich spielen darfst, ist das schon etwas Besonderes.

Wie war für dich das Aufeinandertreffen mit international bekannten Namen, wie Andre Schürrle, Mario Götze & Co.? Wer war dein bisher stärkster Gegenspieler, auf den du getroffen bist?

Es ist natürlich spannend, wenn man sich mit den Topspielern aus der deutschen Liga messen kann. Man weiß, dass sie viel Qualität besitzen und dass man ihnen keinen Zentimeter schenken darf, sonst kann man gleich einmal schlecht aussehen. Mit dem Nationalteam bin ich im September auf Wales und Gareth Bale getroffen – das war sicherlich der mit dem größten Namen. Aber auch Spieler dieser Klasse kochen nur mit Wasser. Es ist nicht so, dass ein Spieler dabei war, der nicht zu verteidigen war.

Lass uns einen Sprung in deine Jugendzeit machen. Du bist mit 13 Jahren vom SV Seekirchen zu uns gekommen, wurdest also vor allem bei uns ausgebildet. Wie war die Zeit im Nachwuchs?

Damals war es ein bisschen anders als jetzt. Heute hast du das komplette Rundumprogramm und Weltklassebedingungen, die einmalig sind. Als ich in der Jugend war, war es doch ein bisschen anders. Wir haben immer wieder auf verschiedenen Anlagen trainiert und waren wohl nicht so „verwöhnt“. Trotzdem hatten wir Toptrainer und alle Möglichkeiten, um uns bestens zu entwickeln. Das ist bei uns in Salzburg einfach einzigartig. Das ist vor acht Jahren schon so gewesen und jetzt noch so. Dass das Früchte getragen hat, haben wir schon gesehen.

Warst du als kleiner Bursche eigentlich einer, der immer nur Fußball im Kopf hatte?

In gewisser Weise hatte ich Fußball schon immer in mir drin, ja. Bei mir war es so, dass ich nach zwei Stunden Training heimgekommen bin und dann sofort wieder raus auf den Platz gelaufen bin, um mit den Freunden Fußball zu spielen. So hat es angefangen. Wir hatten einen kleinen Platz am Weinberg, das war natürlich ideal. So habe ich ständig spielen können. Meine ganze Jugend war geprägt durch den Fußball.

Du hast dich danach über den FC Liefering und Leihen an Grödig und Ried an die Profis herangetastet, wo du heute ein absoluter Stammspieler bist. Einfach war es aber nicht immer für dich. So musstest du während deiner Zeit beim SV Grödig in der Saison 2011/12 parallel zum Bundesheer. Wie hast du diese Doppelbelastung gemeistert?

Grödig war für mich der erste Schritt im Profifußball. Es erwarteten mich andere Bedingungen und ein anderes Umfeld. Das war wichtig für meine Entwicklung. Der Herbst lief sehr gut, dann habe ich aber eben ins Bundesheer einrücken müssen, was mich etwas zurückgeworfen hat. Ich habe die komplette Vorbereitung versäumt, und als die Meisterschaft wieder angegangen ist, hatte ich gerade einmal ein Training absolviert. Den Rückstand habe ich dann nicht mehr aufholen können. Ich war in der Frühschicht von 5 bis 14 Uhr und bin danach ins Training gegangen. Rückblickend kann ich sagen, ich habe meine Lehren daraus gezogen. Wenn es mir mal nicht so gut geht, denke ich an die Zeit im Bundesheer zurück, dann geht es mir wieder besser.

Mittlerweile bist du aus unserer Mannschaft nicht mehr wegzudenken und als waschechter Salzburger eine Identifikationsfigur unseres Vereins. Wie würdest du deine Bindung zum FC Red Bull Salzburg beschreiben?

Ich habe dem FC Red Bull Salzburg sehr viel zu verdanken. Ich habe hier die komplette Ausbildung genossen und diese Entwicklung nehmen können – und sie ist, denke ich, noch nicht abgeschlossen. Insgesamt liegt mir der Verein am Herzen. Ich bin Salzburger, war die meiste Zeit hier im Verein und dadurch habe ich natürlich eine besondere Bindung. Ich habe immer wieder Mannschaften miterlebt, die schwer in Ordnung waren. Trotz Umbrüchen im Sommer ist immer eine intakte Mannschaft zusammengestellt worden, und das ist sehr wichtig gewesen. Deswegen waren wir auch so erfolgreich in den letzten Jahren.

Du bist aktuell in einer Topverfassung und bestichst dabei insbesondere durch enorme Laufleistung. Woher kommt deine Ausdauer?

Das Training ist immer sehr gut auf die Belastung abgestimmt. Es ist wichtig, dass man auch im Training die Intensität hochhält. Wenn man im Spiel jedes Mal an die Grenzen geht, dann wird man von Spiel zu Spiel körperlich automatisch besser und dann fällt es dir auch leichter. Aber ein großer Teil ist sicher in die Wiege gelegt. Insgesamt hat das aber auch etwas mit Mentalität zu tun, dass man jedes Mal an die Grenzen geht und das Optimum rausholt.

Stichwort Mentalität. Ist die eine Art persönliches Erfolgsrezept von dir?

Die Mentalität spielt eine große Rolle im Fußball. Man darf sich nicht zu schade sein für jeden Meter. Auch wenn es in der 94. Minute und scheinbar sinnlos ist. Oft sind die Wege aber nicht sinnlos, weil man den Raum für jemanden anderen aufmacht und der dadurch zur Geltung kommt. Es ist wichtig, eine Mentalität an den Tag zu legen, die mannschaftsdienlich ist – und das macht uns so stark. Wichtig ist, dass man immer versucht, 100 Prozent abzuliefern, dann wirst du auch belohnt.

Im Februar haben dich unsere Fans zum Spieler des Monats gewählt. Gratulation! Was bedeuten dir solche Auszeichnungen?

Es sind sehr positive Dinge, die man aufnimmt und woraus man versucht, positive Gedanken zu ziehen. Das sollte für die nächsten Aufgaben stärken. Deshalb ist es schon wichtig, dass man Rückmeldungen bekommt, vor allem wenn sie von Fans kommen. Es ist natürlich eine große Auszeichnung, weil es sich andere Spieler auch verdient hätten. So bin ich froh, dass ich einen guten Eindruck hinterlassen konnte.

Abschließend noch eine Frage: Du wirkst immer sehr abgebrüht und am Boden geblieben. Was erdet dich?

Ich habe eine sehr gute Erziehung genossen. Meine Eltern sind auch sehr bodenständig. Ich denke mir jetzt nicht „Jetzt haben wir Dortmund geschlagen, jetzt sind wir die Größten“. Es ist wichtig, dass man nicht abhebt. Das habe ich einfach in mir.