Unser Top-Youngster im exklusiven Interview

In unserer Serie „SALZBURGER HALBZEIT“ stellen wir euch regelmäßig junge Talente vor, die beim FC Red Bull Salzburg ihre Profi-Karrieren begonnen haben. Diesmal haben wir uns mit Xaver Schlager über seine Anfänge in der Red Bull Akademie unterhalten und dabei einige überraschende Details aus seiner jungen Profi-Karriere erfahren. Das Geheimnis seines Erfolges hat er uns zwar nicht verraten, aber wir haben den Verdacht, dass es etwas mit Mama Schlagers guter Küche zu tun hat.

Xaver Schlager ist endlich wieder zurück. Sechzehn lange Wochen kämpfte er mit einer hartnäckigen Knöchelverletzung, die sich länger hinauszog als erwartet – schwer zu verkraften für einen jungen Spieler mit großen Ambitionen und Träumen. Dementsprechend schwer war es für ihn, in dieser harten Zeit Geduld zu bewahren und über zwanzig Pflichtspiele seiner Mannschaft nur von den Rängen aus mitverfolgen zu können:

In den ersten Monaten hadert man zwar damit, dass man nicht spielen kann, doch je näher der Zeitpunkt kam, wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können, desto ungeduldiger wurde ich, und umso zäher wurde dann die Arbeit in der Rehabilitation für mich. Ich hatte das Gefühl, dass mein Körper bereit ist, aber das war er nicht, und daher bin ich froh, dass unsere medizinische Abteilung mich davor bewahrt hat, einen unnötigen Rückschlag zu erleiden.

Einen ersten Härtetest absolvierte er erst vergangene Woche beim U21-Nationalteam unter Trainer Werner Gregoritsch, wo er im EM-Qualifikationsmatch gegen Armenien erstmals über die volle Spielzeit zum Einsatz kam. Beim 5:0-Sieg der Österreicher erzielte unser torgefährlicher Mittelfeldspieler gleich zwei Treffer und meldete sich damit eindrucksvoll zurück.

Xaver Schlager hat beim FC Red Bull Salzburg einen sehr beeindruckenden Karriereweg beschritten und er erzählte uns unlängst, wie es dazu kam:

Ich hab im Nachwuchs bei meinem Heimatverein, dem SC St. Valentin, angefangen und war zuerst Goalie. Dazu gibt es eine lustige Geschichte, denn meine Mutter ist immer hinter mir gestanden und hat mir von außerhalb des Platzes die Richtung angesagt. Irgendwann haben wir dann mal 0:19 verloren, und ich hab bitterlich geweint. Im nächsten Jahr hab ich mich dann geweigert, wieder ins Tor zu müssen, und zum Glück waren meine Anlagen als Feldspieler vielversprechender. Später kam ich dann zum LAZ Steyr, hab aber weiterhin bei meinem Stammverein trainiert. Das war großartig, denn ich hatte mit vier Trainings pro Woche dann schon einen richtig guten Rhythmus. Bei irgendeinem Nachwuchsspiel war dann auch Leo Lainer unter den Zusehern. Kurz darauf absolvierten wir ein Testspiel gegen Red Bull Salzburg und haben 5:1 gewonnen. Percy van Lierop, der bei diesem Spiel zugesehen hatte, rief dann einige Tage später bei meinen Eltern an, als wir gerade auf einer Skihütte waren. Mein Vater fragte mich, ob ich mir die Nachwuchsakademie bei Red Bull Salzburg nicht mal ansehen wolle. Aber so richtig wollte ich anfangs gar nicht. An dem Tag, an dem wir nach Salzburg gefahren sind, war ich noch in der Schule und hab vor lauter Aufregung und Nervosität erbrochen. Als wir dann da waren, und ich alles gesehen hatte, wollte ich unbedingt bleiben.

Nach diesen Erzählungen möchte man meinen, dass die erste Zeit in der Akademie besonders schwer für ihn war, doch das war nicht der Fall, wie er uns glaubhaft versichert:

Im Gegenteil! Speziell die Anfangszeit fand ich großartig. Es war einfach, wie eine einzige durchgehende Woche. Anstrengend? Ja! Wir sind morgens um sechs aus dem Haus und abends um neun wieder nach Hause gekommen. Die Woche war von morgens bis abends durchgeplant, und das empfand ich eher als angenehm. Heute ist es manchmal so, dass ich völlig durcheinanderkomme, wenn ein Tag nicht wie gewohnt oder geplant abläuft. Später dann hab ich hin und wieder Heimweh bekommen und das Essen von der Mama zu Hause vermisst.

Der damals elfjährige Xaver stieg in der U13 ein, durchlief von da an alle Nachwuchsmannschaften und schaffte den ersten Schritt in den Profi-Fußball über den FC Liefering. Dann kam es, wie es kommen musste: Trainer Oscar Garcia warf ein Auge auf den damals 18-jährigen Blondschopf und äußerte Begehrlichkeiten – und das nachdrücklich. Selten ließ sich der spanische Trainer in die Karten blicken, aber angesprochen auf den jungen talentierten Mittelfeldspieler entglitt dem sonst eher stoischen Cheftrainer für seine Verhältnisse überschwängliches Lob. Xaver weiß aber ganz genau, dass die Liste der Menschen, die seinen Karriereweg maßgeblich beeinflusst haben, lang ist.

Es gibt sehr viele Menschen, die mich unterstützt haben. Ich konnte von jedem Trainer etwas Wichtiges mitnehmen, und auch unter meinen Mitspielern gibt es Menschen, denen ich vertraue und die ich um Rat fragen würde, wenn ich ihn brauchen würde. Ganz besonders Atze, Valon, Stevie und Andi, aber auch wir Jungen tauschen uns untereinander aus und helfen einander.

Ähnlich wie Konrad Laimer gehört auch Xaver Schlager zu jener Nachwuchsgeneration, die beide Fußballphilosophien in der Ära Red Bull miterlebt hat.

Ich habe in der Zeit, als wir noch nach dem holländischen System ausgebildet wurden, sehr viel Technik gelernt, und ab der U16 dann, mit dem Wechsel zur deutschen Philosophie, trainierten wir hauptsächlich verschiedene Spielformen. Von diesem Systemwandel habe ich, wie viele andere, sicher enorm profitiert.

Seine Teamkameraden kennen die Ticks und Macken von Xaver sicher ganz genau, aber wirklich etwas aus seinen Kollegen herauszubekommen, ist unmöglich. Alexander Zickler sagte neulich über seinen Schützling, dessen Karriereweg er ja vom Nachwuchs bis zum FC Liefering direkt begleitet hat:

Xaver ist unglaublich ehrgeizig und nie mit sich selbst zufrieden. Er könnte drei Tore in einer Partie schießen und sich trotzdem noch über die eine Chance ärgern, die er ausgelassen hat. Wir haben im Team gelernt, ihn dann einfach in seinem Saft schmoren zu lassen und zu ignorieren. Mittlerweile ist er aber viel lockerer geworden, sehr viel reifer und reflektierter.

Angesprochen auf die Analyse von Red Bull Salzburg-Legende „Zico“ lächelt er kurz, zuckt mit den Schultern und antwortet:

Ja, das stimmt, aber ich weiß ja auch, woher das kommt. Früher gab ich mir immer die Schuld, wenn wir verloren haben, oder ein anderer einen Fehler gemacht hat, ich habe mich dafür verurteilt. Ich habe dann regelmäßig mit einer Mentaltrainerin gearbeitet und musste jeden Tag eine Stunde mit ihr reden. Das war schwer für mich, denn ich bin kein großer Redner und ich brauche keine große Bühne. Ich hasste es in der Schule, wenn ich ein Referat halten musste (lacht). Aber es hat mir tatsächlich geholfen, meine anfängliche Verbissenheit in gesunden Ehrgeiz zu ändern.

Aber eine Sache bringt ihn heute immer noch auf die Palme, und diese kleine Macke finden wir fast schon wieder entzückend, denn sie erinnert uns daran, dass in Xaver – bei aller Selbstständigkeit und Professionalität – immer noch ein kleiner Junge steckt:

Ich hasse es, in FIFA zu verlieren. Wir mussten jeden Tag einen Satz schreiben, um den Tag zu beschreiben, und ich schrieb nicht selten: „Hab in FIFA gewonnen“ oder „Hab in FIFA verloren und mich nicht geärgert“. Das hat sich bis heute kaum geändert (lacht).

Andererseits überrascht uns der Youngster immer wieder mit durchaus erwachsenen Einsichten, wie etwa, wenn es darum geht, wie er sich selbst als Person beschreiben würde, und was er von seiner Rolle als Supertalent hält:

Um ehrlich zu sein, es bedeutet mir nicht das Geringste, wenn ich als Talent bezeichnet werde. Ich will lieber an meinem Kampfgeist und daran gemessen werden, was ich bereit bin, für den Sport zu leisten. Ich bewundere die unglaubliche Trainingsdisziplin von Kobe Bryant. Lionel Messi hat vor ein paar Jahren seine Ernährung umgestellt, nur, um noch besser zu werden als er ohnehin schon ist, und Cristiano Ronaldo ist bei allem noch mal um eine Klasse höher zu bewerten.

Dass der junge Niederösterreicher große Ambitionen hat, ist klar. Sein Karriereweg hat steil begonnen und seine Möglichkeiten sind mehr oder weniger grenzenlos. Trotzdem bleibt er auf dem Boden und lässt uns, angesprochen auf seinen größten Traum, sprachlos zurück:

Ich komme aus einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt. Mir gefällt es, dass sich mein Vater seit Jahren regelmäßig mit seiner Stammtischrunde trifft, und ich wünsche mir für meine Zukunft einfach nur ein ruhiges Platzerl mit viel Zeit für meine Familie und Freunde.

Im Nachsatz …

Ach ja, und ich möchte mit dem FC Arsenal englischer Meister werden (lacht).

Wir würden es ihm von ganzem Herzen gönnen und wären stolz, ihn seinem Ziel ein wenig näher zu bringen!