Fränky Schiemer im Interview

Das letzte Spiel des Jahres ist eigentlich immer etwas Besonderes. Man ist Herbstmeister, überwintert als Gruppensieger in der Europa League und freut sich auf die Aufgaben nach der Winterpause. In diesem Jahr ist allerdings etwas Wehmut dabei, denn ein langjähriger Wegbegleiter der Roten Bullen hängt seine Schuhe an den Nagel. Franky Schiemer beendet nach dem Spiel gegen Rapid Wien seine aktive Karriere.

Du hast dich entschieden, deine Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Warum?
Für mich persönlich habe ich diese Entscheidung bereits vor ein paar Monaten gefällt. Ich habe schon gewusst, dass dies heuer meine letzte Saison sein wird, aber vor einem Monat, vor dem Spiel gegen Dinamo Zagreb, habe ich mich mit den Verantwortlichen des Vereins zusammengesetzt und ihnen meine Situation erklärt.

Was ist dabei rausgekommen?
Wir haben ein sehr gutes Gespräch gehabt und uns dann darauf geeinigt, dass ich nach der Herbstsaison in meine Fußballerpension gehen kann.

Wie hat man im Verein reagiert?
Für den Verein ist es sicherlich etwas unerwartet gekommen, da wir gerade auf der Position des Innenverteidigers in der ganzen Saison unsere Probleme hatten. Ich habe aber gemerkt, dass ich nicht mehr so belastbar bin, und mit ein paar Prozent weniger zu spielen, liegt nicht in meinem Naturell, und das könnte ich auch gar nicht. Das ist nicht der Anspruch, den ich an mich und den Profifußball habe. Auch deshalb möchte ich jetzt – mit meinen 28 Jahren relativ früh – den Schlussstrich ziehen.

Und was haben deine Mitspieler gesagt?
Die waren zum Teil natürlich überrascht, und einige haben gemeint, dass es ein mutiger Schritt ist. Ich finde es eigentlich gar nicht mutig. Ich sehe meinen Rücktritt eher als Chance für die jungen Spieler. Schließlich wird ein Platz in der Innenverteidigung frei!

Deine Verletzungen haben sicher auch zu der Entscheidung beigetragen, oder?
Na klar, in den letzten beiden Jahren hatte ich sehr viele blöde Verletzungen, derentwegen ich auch nicht mehr so eine große Freude am Fußball verspürte: Ich konnte nicht mehr so unbeschwert aufspielen wie früher. Dennoch blicke ich auf zwölf Saisonen als Profifußballer zurück, und nach einer so langen Zeit sehne ich mich nach einem selbstbestimmteren Leben.

Gibt es schon Pläne für die Zukunft? Du hast ja ein berufsbegleitendes Masterstudium für Projekt- und Sportmanagement absolviert.
Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht und will das jetzt auch noch gar nicht tun. Ich freue mich irrsinnig auf die Zeit mit meiner Frau und unserem gemeinsamen Sohn. Sie ist auch gerade in Karenz, und somit werden wir die nächsten Monate einfach zu dritt verbringen und diese Zeit auch in vollen Zügen genießen.

Aber ein Leben so ganz ohne Fußball …
Ich möchte jetzt einfach mal gar nicht an Fußball denken, was aber nicht ausschließt, dass ich irgendwann wieder etwas mit diesem Sport zu tun haben werde.

Werdet ihr in Salzburg bleiben?
Ja, wir werden vorerst mal in Plainfeld bleiben, weil wir uns dort sehr wohlfühlen und es auch ein sehr schöner Ort ist, um unseren Sohn aufwachsen zu sehen. Was uns aber hier in Salzburg fehlt, sind die Omas und Opas. Die leben alle in Oberösterreich, und darum kann es auch leicht sein, dass es uns in weiterer Zukunft zurück in unsere alte Heimat verschlägt.

Welche Erinnerungen kommen in dir auf, wenn du an deine letzten Jahre beim FC Red Bull Salzburg denkst?
Ich muss sagen, dass ich es sehr schön finde, meine Karriere hier beenden zu können. Ich hätte mit ganz viel Einsatz sicherlich noch ein, zwei Jahre weiterspielen können, aber diese Schinderei wollte ich mir ersparen. Ich habe hier in Salzburg meine erfolgreichste Zeit als Profifußballer erlebt, und darum möchte ich auch hier den Schlussstrich ziehen. Woran ich mich immer erinnern werde, sind die beiden Doubles und dass wir gleich zweimal 18 Punkte in der Gruppenphase der Europa League geholt haben. Natürlich darf ich auch meinen dritten Meistertitel mit Salzburg nicht vergessen und viele sehr schöne und erfolgreiche Spiele.

Was wirst du vermissen?
Das gemeinschaftliche Gefühl im Trainingszentrum in Taxham, den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und die netten Menschen in der Red Bull-Familie.

Und was wird dir überhaupt nicht fehlen?
Dass ich jeden Samstag oder Sonntag irgendwo hinfahren musste. Jetzt kann ich nach zwölf Jahren endlich mal das Wochenende mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. Ach ja, und ich hoffe, dass ich in Zukunft nicht so viele Cuts davontragen werde.