Christoph Leitgeb im Interview

Christoph Leitgeb spielt bereits seit 2007 für die Roten Bullen und hat noch lange nicht genug. Er spricht über ein mögliches Auslandsengagement, ein Angebot von Franco Foda und seine ungewohnte Rolle neulich im Nationalteam:

Kannst du dich erinnern, was am 4. August 2009 passiert ist?

Das wird wohl eines der beiden Duelle gegen Dinamo Zagreb gewesen sein. Entweder haben wir zu Hause 1:1 gespielt oder auswärts in Zagreb 2:1 gewonnen.

Es war das Rückspiel in Zagreb.

Ja, genau – Dušan Švento hatte uns in Führung gebracht, und Robin Nelisse erzielte dann in der 83. Minute den wunderschönen Siegestreffer. Das war ein geiles Match!

Robin Nelisse spricht von einem der schönsten Momente seiner Karriere. Speichert man solch spezielle Spiele für die Ewigkeit?

Es gibt schon so besondere Spiele, an die man sich ewig erinnern wird. Abende, an denen einfach alles perfekt gelaufen ist. Ich denke da an die beiden Duelle gegen Ajax Amsterdam. Die beiden Siege im Frühjahr waren schon außergewöhnlich, weil niemand erwartet hatte, dass wir die Niederländer derart dominieren. Aber auch die Matches gegen den FC Villarreal 2009 werde ich nicht vergessen, weil wir zweimal gegen eine spanische Spitzenmannschaft gewonnen haben.

Was erwartest du dir heute gegen Dinamo?

Es wird sicherlich ein heißer Tanz, auch weil ich mir vorstellen kann, dass einige Zagreber Fans den Weg nach Salzburg finden werden. Die Burschen ja bekannt für ihre Stimmung. Ich habe mir ihr Spiel auswärts gegen Celtic Glasgow angesehen, und ich muss sagen, dass sie da echt guten Fußball gezeigt haben. Wir müssen heute aufpassen, denn sie werden uns sicherlich das Spiel machen lassen und auf Konter lauern. Wir müssen zu Hause natürlich druckvoll spielen,aber auch voll konzentriert sein, um ihnen nicht ins Messer zu laufen.

Du bist seit dem Sommer 2007 in Salzburg und damit der längstdienende Spieler der Roten Bullen. Genießt man da mannschaftsintern eine Art Ehrenstatus?

Das ist jetzt echt schon eine lange Zeit! Aber Sonderstatus genieße ich sicherlich keinen. Ich bin ein Spieler wie jeder andere, nur bin ich eben schon länger hier als die meisten anderen. Fakt ist, dass ich mich in dieser Mannschaft sehr wohl fühle und jeden Tag gerne zum Training gehe.

Gibst du deine Erfahrungen an junge Spieler weiter?

Ich bin nicht der Typ, der seine Weisheiten an die große Glocke hängen muss und anderen seine Meinung aufdrängen will. Klar hab ich schon einiges in meiner Karriere erlebt, und wenn ein junger Spieler Fragen hat, kann er damit gerne zu mir kommen.

Was sagt dann der Sturm-Eigenbauspieler Christoph Leitgeb einem GAK-Gewächs wie Valentino Lazaro?

(Lacht.) Das ist ein hoffnungsloser Fall. Nein, die Vergangenheit ist eigentlich kein Thema bei uns, außerdem hat er mit Marcel Sabitzer jetzt eh einen zweiten Roten zur Unterstützung.

Dein Vertrag läuft 2015 aus. Wie stellst du dir deine sportliche Zukunft vor?

Es gibt eine Klausel in meinem Vertrag. Wenn ich einen gewissen Prozentsatz der Spiele absolviere, verlängert sich der Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr. Sonst hat es mit dem Verein noch keine Gespräche gegeben. Ich habe mir aber auch noch nicht groß den Kopf darüber zerbrochen. Denn ich fühle mich noch immer sehr wohl in Salzburg und habe Spaß am Fußball.

Du wirst nächsten April dreißig Jahre alt. Da muss man dich nach einem möglichen Auslandsengagement fragen …

Klar wäre ich jetzt im perfekten Alter, um den Schritt in eine andere Liga zu wagen. Fakt ist aber, dass ich wirklich sehr glücklich bei den Roten Bullen bin und somit das Angebot aus dem Ausland schon wirklich gut sein muss. Und bisher habe ich noch nichts Derartiges gehört.

Dein Freund und Förderer Franco Foda ist zu Sturm Graz zurückgekehrt.

Ja, das freut mich für ihn und auch für den Verein. Franco Foda ist ein sehr guter Trainer, der Sturm immer helfen kann. Er hat auch angefragt, ob ich nicht wieder nach Graz kommen will, aber ich habe ihm absagen müssen, weil ich in Salzburg noch einen laufenden Vertrag habe.

Aber man kann davon ausgehen, dass du in Österreich nur zurück zu Sturm wechseln würdest?

Graz ist meine Heimat, meine Familie und viele Freunde leben dort. Außerdem bin ich bei Sturm groß geworden, habe wunderschöne Erinnerungen und daher auch so etwas wie eine sentimentale Verpflichtung dem Klub gegenüber. Sollte ich in Österreich noch mal wechseln, würde ich zu keinem anderen Verein als Sturm Graz gehen.

Du warst in den letzten zwei Wochen auch mit dem Nationalteam unterwegs. Wie ist da die Stimmung?

Das waren zwei perfekte Wochen für uns. Wir hatten uns vorgenommen, aus den beiden Spielen sechs Punkte mitzunehmen, und das ist uns zum Glück auch gelungen. Die Stimmung war dementsprechend gut, denn immerhin stehen wir an der Tabellenspitze, und das ist die beste Position für unseren großen Traum von der Qualifikation für die Europameisterschaft in Frankreich.

Du bist im Spiel gegen Moldawien erstmals als Stürmer eingesetzt worden. Eine Rolle für die Zukunft?

(Lacht.) Nicht wirklich, das ist eher aus der Situation entstanden, weil Marc Janko die Rote Karte gesehen hatte und der Teamchef mich eben für ihn in den Sturm beordert hat. Wirklich wohl fühle ich mich ganz vorne natürlich nicht, darum bin ich ein wenig herumgesprintet, habe allein Offensivpressing betrieben und damit die Verteidiger beschäftigt.

Noch ein Wort zu deinem bevorstehenden 30. Geburtstag. Was wünschst du dir?

Dass ich gesund und verletzungsfrei bleibe, um im Fußball noch ein paar gute Jahre erleben zu dürfen. Und natürlich dass meine Familie und meine Freunde gesund bleiben! Und ein paar Titel wären auch noch nett!