Stefan Ilsanker im Interview

Stefan Ilsanker spricht über große Spiele wie gegen Celtic Glasgow und Ajax Amsterdam, seine sportliche Entwicklung, sein Selbstvertrauen und dass er sich lieber in den Dienst der Mannschaft stellt, als selbst Tore zu erzielen.

Der FC Red Bull Salzburg ist wieder Führender in der Bundesliga und bereits für das Sechzehntelfinale der Europa League qualifiziert. Das Fußballjahr 2014 scheint trotz der gescheiterten Champions League-Teilnahme, Stichwort "Malmö",  ein sehr gutes Ende zu nehmen.

Durchaus! Wir sind bombastisch in die Meisterschaft gestartet und haben dann trotz guter Leistungen leider unser großes gemeinsames Ziel nicht erreicht. Danach sind wir auch in ein kleines Loch gefallen, aus dem wir uns nach drei, vier Wochen aber selbst wieder herausgearbeitet haben. Danach ist es aber wieder richtig gut gelaufen, und die Mannschaft ist nun auf einem sehr guten und erfolgreichen Weg.

Bei wie viel Prozent ihrer Leistungsfähigkeit steht die Mannschaft derzeit?

Ich finde, das lässt sich nicht in Prozent angeben, weil man nie lange am höchsten Level sein kann. Man kann sich immer weiterentwickeln und muss auch ständig an sich arbeiten. Ich glaube aber, dass wir uns in den letzten Wochen kontinuierlich gesteigert haben. Man muss aber auch be­denken, dass wir erst seit wenigen Wochen ein neues System spielen, und da braucht es einfach Zeit, um dieses zu perfektionieren.

Dank des neuen Systems ist vor allem in der Defensive wieder mehr Sicherheit zu spüren. Wie hat sich dein Spiel im Speziellen verändert?

Es haben sich die Aufgaben jedes Einzelnen in der Mannschaft ein wenig geändert. Bei mir ist das relativ deutlich ausgefallen, weil ich jetzt der einzige Sechser direkt vor der Abwehr bin. Ich habe jetzt je einen Sechser rechts und links neben mir, die aber sehr offensiv ausgerichtet sind und eher wie Achter spielen. Dadurch ist die gesamte Mannschaft ei­gentlich noch offensiver aufgestellt, ich habe da­für noch mehr defensive Aufgaben zu erledigen.

Am Donnerstag bist du im Celtic Park in Glasgow eingelaufen, überhaupt hast du in den letzten beiden Jahren viele Spiele gegen berühmte Mannschaften in legendären Stadien gespielt. Verspürt man da noch Nervosität, wenn man den Platz betritt?

Man verspürt bei jedem internationalen Spiel ein gewisses Kribbeln, weil wir uns dabei aus unserem gewohnten Umfeld Bundesliga raus­bewegen. Aber es gibt dann halt Spiele wie in der Amsterdam Arena oder eben im Celtic Park, die dann ganz spezielle Highlights sind. Das merkt man dann auch der gesamten Mannschaft an, da verspürt man schon im Flugzeug die Vorfreude und so eine positive Aufregung. Für mich ist in Glasgow auch irgendwie ein Kind­heitstraum in Erfüllung gegangen, weil ich schon als kleiner Bub immer in England spielen wollte. Und im Celtic Park herrscht auch diese unglaub­liche Stimmung – es ist einfach irre, weil die Fans dort ihre Mannschaft sehr unterstützen.

Gibt es ein Spiel, das dir ewig in Erinnerung bleiben wird?
Auf Vereinsebene sicher die beiden Matches gegen Ajax Amsterdam. Eine Mannschaft mit einem solchen Nimbus mit einem Gesamtscore von 6:1 wegzuschießen, passiert einem sicherlich nicht oft im Leben. Ich glaube, davon werde ich noch meinen Enkelkindern erzählen.

Seit deiner Rückkehr nach Salzburg in der Saison 2012/13 hast du dein Spiel kontinuierlich verbessert, und auch dein Selbstvertrauen ist stetig gewachsen. Wie erklärst du dir diese Entwicklung?

Das war einfach konsequente harte Arbeit an mir. Als ich von Mattersburg kam, musste ich mich erst wieder an den Spielstil in Salzburg ge­wöhnen. Der ist nach dem Trainerwechsel dann erneut über den Haufen geworfen worden, und ich musste mich dann mit den Anforderungen Roger Schmidts vertraut machen. Aber unter ihm haben wir dann einen ganz neuen Weg eingeschlagen, der nun von Adi Hütter weiter­geführt und perfektioniert wurde bzw. wird.

Dein Selbstvertrauen und deine breite Brust sind dennoch bei jedem Spiel spürbar. Wie verschaffst du dir diesen Respekt bei starken Gegenspielern? Gibt’s da auch ab und zu eins auf den „Schlapfen“ für den Kontrahenten?

Nein, davon möchte ich mich ganz klar distan­zieren! Ich hasse es sogar, wenn man zu solchen Mitteln greift und absichtliche Fouls begeht. Ich bin immer bestrebt, meine Gegenspieler mit fairen Mitteln in Schach zu halten. Klar begeht man ab und zu taktische Fouls, aber ich würde nie jemanden absichtlich treten.

Was zählt für dich mehr? Ein wichtiges Tackling, mit dem du eine Torchance des Gegners verhinderst, oder wenn du selbst ein Tor erzielst?

Im Fußball geht es natürlich um die Tore, aber jeder, der mich besser kennt, weiß, dass ich mich über eine Niederlage viel mehr ärgere, als ich mich freue, wenn wir gewinnen. Darum ist es mir auch wichtiger, mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen, als selbst Tore zu erzielen.

Würdest du dich selbst als Führungsspieler der Mannschaft bezeichnen?

Wir haben sehr viele Führungsspieler im Team. Es gibt nicht den Spieler, der auf dem Platz rum­schreit und die anderen einteilt. Klar ist aber, dass ich einer der lauteren Spieler bei uns bin und auch versuche, in der Defensive Kommandos zu geben, um die Truppe zusammenzuhalten.