Paulo Miranda im Interview über seine schwierige Anfangsphase in Salzburg, seine fußballerischen Wurzeln und welche Tattoos in Zukunft seinen Körper schmücken sollen.

INTERVIEW MIT PAULO MIRANDA

Gratulation zu deinem ersten Treffer für die Roten Bullen. Bist du nun endgültig in Österreich angekommen?

Das Tor gegen die Austria war ein sehr wichtiger Moment für mich. Ich musste sehr lange darauf warten, und daher war es auch eine große Erleichterung für mich. Nun hoffe ich, dass es für mich weiter so gut läuft, dass ich auf dem Platz kontinuierlich gute Leistungen bringen und mich dem Trainerteam damit weiter empfehlen kann.

Du bist nun seit einem halben Jahr in Salzburg. Wie hast du dich eingelebt?

Ich wusste von Anfang an, dass es hier in Österreich schwierig für mich sein würde. Ich kannte die Sprache und die Kultur hier nicht, darum war mir klar, dass es ein Lernprozess für mich sein würde. Aber nach einem halben Jahr machen ich und meine Familie bereits große Fortschritte. Meine Frau und mein Sohn fühlen sich wohl in Salzburg, wir lernen gemeinsam Deutsch und haben sehr viel Spaß hier. Wir versuchen auch möglichst viel über die österreichische Kultur zu lernen, mischen uns unter die Leute und sind einfach neugierig. Es ist eine sehr schöne Zeit für uns!

Anfangs sind dir am Spielfeld ein paar blöde Fehler passiert. Hatten die auch mit der Eingewöhnung zu tun?

Ja, ich kam aus Brasilien, wo einfach eine andere Art von Fußball gespielt wird. Hier wird mit viel größerem Körpereinsatz und viel dynamischer gespielt, und darauf musste ich mich wohl erst einstellen. Es tut mir leid, dass mir solche Fehler passiert sind, aber ich befinde mich noch in einem Lernprozess, was das Fußballerische betrifft. Das Schöne am Fußball ist aber, dass du im nächsten Spiel alles gleich wieder besser machen kannst. Und ich glaube, dass ich mich bisher auch schon ganz gut entwickelt habe und mich auch hoffentlich noch weiter steigern kann.

Kraft, Mut und Kopfballstärke

Auch klimatechnisch dürfte der Wechsel nach Salzburg ein ziemlicher Schock für dich gewesen sein. Man sah dich zuletzt im Training immer mit Handschuhen und Haube …

Aus Brasilien bin ich natürlich das Meer, den Strand, Palmen und hohe Temperaturen gewohnt. Und vor allem haben wir keinen Winter in Brasilien. Hier habe ich an manchen Tagen schon so richtig gefroren, obwohl mir meine Mitspieler erzählt haben, dass vom Winter in Österreich bisher noch nichts zu spüren war. Ich brauchte dennoch meine Handschuhe und Haube. Aber ich wusste über die klimatischen Bedingungen in Österreich natürlich schon Bescheid, und ich sehe es als Herausforderung und nehme diese sehr gerne an. Also freue ich mich auf minus zehn Grad und Schneefall!

Du hast bereits die Dynamik in der österreichischen Liga angesprochen. Was sagst du zur Qualität?

Wir hatten heuer bisher kein einziges leichtes Spiel in der Liga. Das spricht auch für die Qualität der Mannschaften. Der Fußball ist wie gesagt viel schneller als der in meiner Heimat, und es wird viel körperbetonter, viel härter gespielt. Ein großer Unterschied zu Brasilien sind auch die Schiedsrichter. Sie lassen diesen Spielstil hier laufen, auch wenn du mal einen ordentlichen Schlag auf die Beine bekommst.

Die Roten Bullen wollten dich schon 2013 verpflichten. Was ist damals passiert, und wie froh bist du, dass es nun geklappt hat?

Ja, ich hätte damals schon nach Salzburg wechseln sollen, nur da lief es beim FC São Paulo gerade nicht besonders, und darum wollte man mich nicht gleich ziehen lassen. Zudem habe ich mir dann auch noch die Hand gebrochen. Ich bin sehr froh, dass der FC Red Bull Salzburg das Interesse an mir nicht verloren hat und ich schlussendlich doch noch in Österreich gelandet bin. Jetzt liegt es an mir, dem Verein und seinen Fans dieses Vertrauen zurückzugeben. Fußball ist alles, was ich kann, und meine Berufung, daher werde ich auch hier alles dafür geben, um mit dieser Mannschaft erfolgreich zu sein!

Wann ist dir klar geworden, dass du Fußballprofi werden willst?

Alle Jungs in unserer Familie wollten Fußballprofis werden. Egal ob mein Vater, meine Onkel oder meine Brüder. Fußball war immer ein ganz wichtiges Thema in unserer Familie, und seit ich denken kann, haben wir auf den Straßen oder in den Parks gekickt. Ich hatte nie Interesse an der Schule oder am Lernen. In meiner Schule gab es einen Lehrer, der mein Talent erkannte und der auch eine Schulmannschaft trainierte. Ich war dann bei jedem Training mit vollem Einsatz dabei. Ich kam sogar, wenn die anderen nicht da waren, und trainierte allein. Mein Coach war begeistert von mir und organisierte ein Probetraining in einer Fußballschule. Er bezahlte mir auch das Ticket, aber nur für die Hinfahrt. Er sagte mir, dass ich alles geben solle und sie mich dann schon nehmen würden. Wenn nicht, müsse ich halt schauen, wie ich wieder nach Hause komme. Ich konnte sie zum Glück überzeugen, und es war der Start in meine Profikarriere.

Deinen Körper schmücken zahlreiche Tattoos. Was hat es damit auf sich?

Ich liebe Tattoos, und jedes einzelne hat eine besondere Bedeutung für mich. Ich habe einige religiöse, wie einen Psalm, ein Kreuz oder auch Jesus, auf meiner Haut. Ich glaube an Gott und bin mir sicher, dass ich ohne ihn nicht so viel erreicht hätte in meinem Leben. Ich habe auch viele Wörter oder kleine Texte tätowiert, die verschiedenste Situationen in meinem Leben geprägt haben. Auf meinem Rücken habe ich einen ziemlich großen Phönix. Da hatte ich eine schwierige Zeit, es lief nicht so richtig, und ich wollte meinen Verein damals schon verlassen. Doch dann gelang mir ein Tor, die Fans liebten mich wieder und meinten, ich sei wie Phönix aus der Asche emporgestiegen. Ich habe natürlich auch die Namen meiner Frau und meines Sohnes auf der Haut, damit sie immer bei mir sind.

Hast du dir in Österreich auch schon eines stechen lassen?

Ja, schon einige, und ich hoffe, dass noch ein paar dazukommen werden. Ich glaube fest daran, dass wir zusammen Erfolge feiern können und die Meisterschaft holen. Das wäre dann doch ein guter Anlass für ein weiteres Tattoo.

PAULO MIRANDA wurde am 16. August 1988 in Castro in Südbrasilien geboren. In seiner Jugend spielte er für die Vereine Iraty und Desportivo Brasil, wo er 2008 auch seinen ersten Profivertrag unterschrieb. 2011 wechselte er zum FC São Paulo, mit dem er 2012 auch die Copa Sudamericana holte.