Konrad Laimer im Interview

Konrad Laimer hat sich bei den Roten Bullen zu einem echten Allrounder im zentralen, defensiven Mittelfeld entwickelt und wird von vielen oft als der Prototyp der Nachwuchs-Philosophie des FC Red Bull Salzburg bezeichnet. Von der U11 bis zu seinem Europa League-Debüt im vergangenen Jahr hat der junge Aberseer eine steile Karriere bei den Roten Bullen gemacht – und eine glänzende Zukunft steht dem 19-jährigen noch bevor.

In der kurzen Zeit unter Trainer Oscar Garcia hat Konny Laimer einen enormen Entwicklungsschub durchlebt, der von einer Adduktorenverletzung kurz unterbrochen wurde. Im gestrigen Cup-Semifinale gegen die Wiener Austria feierte er sein kleines Comeback in der Startelf und krönte dieses noch dazu mit einem Doppelpack bzw. seinen ersten beiden Pflichtspiel-Toren für den FC Red Bull Salzburg.

Im Interview verriet uns das Salzburger Supertalent, wie er seine Entwicklung im Nachwuchs des FC Red Bull Salzburg erlebt hat und welche Ziele er noch mit den Roten Bullen erreichen möchte.

DOPPELPACK! Seine ersten beiden Pflichtspieltore für die Roten Bullen

Erinnerst du dich noch an dein erstes Fußball-Match im Dress der Roten Bullen?
An mein erstes Spiel im Red Bull Salzburg-Trikot?

Nein, nicht mehr so wirklich, aber ich kann mich noch ganz genau an den Talente-Tag erinnern, der damals noch auf dem Kunstrasen in der Red Bull Arena stattfand, wie aufgeregt ich an diesem Tag war und wie glücklich, als ich aufgenommen wurde. Mein erstes Spiel für den FC Red Bull Salzburg war aber sicher in der U10 bei einem Freundschaftsspiel.

Vielleicht weißt du es nicht, aber uns liegt ein schriftliches Dokument aus deiner Volkschulzeit vor, in dem du deinen Berufswunsch aufgeschrieben hast. Weißt du noch, was du damals werden wolltest und bist du mit deiner heutigen Berufswahl zufrieden?

Echt? Ist ja lustig! Wenn es tatsächlich schriftlich vorliegt, dann hab ich sicher „Fußball-Spieler“ geschrieben. Ich bin natürlich mit meiner Berufswahl sehr zufrieden. Ich wusste eben damals schon, was ich werden wollte und hab hart gekämpft, um mein Ziel zu erreichen.

Dein Europa League-Debüt beim Spiel gegen Dinamo Zagreb 2014 ist dir sicher auch – so wie uns – in bester Erinnerung geblieben. Mit zarten 17 Jahren hast du dir, als einer der jüngsten EL-Debütanten bei den Roten Bullen, bei deiner Einwechslung gleich mal ordentlich Respekt verschafft.

Oh ja, das werde ich sicher niemals vergessen. Ich wurde 20 Minuten vor Schluss eingewechselt und wollte mich bestmöglich präsentieren. Wenn man so jung ist wie ich damals, ist das schon etwas ganz Besonderes, wenn man die Chance bekommt, in einem Europa League-Match zu spielen, da will man sich natürlich bestmöglich präsentieren. Als wir nach der Halbzeitpause an die Linie zum Aufwärmen geschickt wurden, hab ich schon auf eine Einwechslung gehofft und war überglücklich, als es dann tatsächlich so weit war. Ich denke, ich habe meine Sache ganz gut gemacht, denn im Europa League-Spiel gegen Astra Giurgiu kam ich sogar von Beginn an bis zum Schluss zum Einsatz.

Nochmal zurück zu deinem Europa League-Debüt. Erinnerst du dich noch, was du kurz vor deiner Einwechslung in der Kabine gesucht hast.

(Lacht) Ja! Ich habe für Kevin Kampl, der am Platz das falsche Schuhwerk anhatte, Schuhe zum Wechseln geholt. Da es schnell gehen musste, der Weg von der Coachingzone zur Kabine lang war und unser Zeugwart nicht so gut bei Fuß, bin ich stattdessen losgestartet und musste quasi über eine ganze Laufband-Länge sprinten, um die Schuhe zu holen.

Sein persönliches Bundesliga-Debüt

In der Kampfmannschaft hattest du bereits vier unterschiedliche Trainer. Wie ist es für dich, unter Trainer Oscar Garcia zu arbeiten, und was hat sich aus deiner Sicht verändert?

Natürlich hat jeder Trainer seine eigene Handschrift und deshalb ist es auch schwer, die verschiedenen Charaktere zu vergleichen. Es macht ja auch in Wahrheit als Spieler keinen Unterschied, denn man kann eh immer nur sein Bestes geben, um sich beim Trainer zu empfehlen. In denke, unter Trainer Oscar Garcia haben wir in kurzer Zeit viel dazugelernt. Sicher läuft noch nicht alles reibungslos, aber es ist schon jetzt sehr gut erkennbar, wohin die Reise gehen soll. Wir haben jetzt noch fünf Wochen in der Meisterschaft, und über die Sommerpause werden wir sicher sehr gut arbeiten, um wieder voll angreifen zu können. Es gefällt mir, unter ihm zu arbeiten, auch weil er mit uns jungen Spielern sehr gut umgehen kann.

Wenn man wie du nahezu alle Nachwuchsmannschaften beim FC Red Bull Salzburg bis zur Kampfmannschaft durchlaufen hat, hat man sicher vieles von der Entwicklung, die der Verein in den letzten Jahren genommen hat, durchlebt, bist quasi mit den Roten Bullen bis heute mitgewachsen. Wie beurteilst du den Wechsel von der damals holländisch geprägten Herangehensweise zur jetzigen Spielphilosophie?

Das stimmt! Es war schon eine sehr große Umstellung. Nach dem holländischen System hatten wir viel Technik-Training und uns sehr stark z. B. auf 1:1-Situationen konzentriert. Solche Trainings gab es bei uns oft, wo du nur solche Situationen trainiert hast, beispielsweise Mann im Rücken, Mann vorne, und Einheiten, wo du eine halbe Stunde nur Technik trainiert hast. Ich würde sagen, das hat mir sicher gutgetan, weil man diese Dinge natürlich genauso braucht. Mit der Umstellung auf das neue System sind wir jetzt viel offensiver und aggressiver im Spielverhalten: das schnelle Attackieren, das Spiel nach vorne. Grundsätzlich finde ich beide Spielphilosophien gut, aber natürlich spielen wir jetzt einen modernen Fußball, denn das ist ja auch viel attraktiver, wenn du als Mannschaft zu vielen Torchancen kommst und auch viele Tore erzielst. Ich kam mit beiden Philosophien gut zurecht, aber die jetzige Ausrichtung, spielt mir persönlich schon sehr gut in die Karten.

Deine bevorzugte Position? Zentrales Mittelfeld, defensives Mittelfeld, rechtes Mittelfeld!

Ich fühle mich am wohlsten im zentralen Mittelfeld, unabhängig davon, ob eher offensiv oder defensiv ausgerichtet.

Was möchtest du mit dem FC Red Bull Salzburg noch erreichen?

Alles, was möglich ist! Ich möchte so viele Titel wie möglich holen und international so erfolgreich sein, wie es geht. Das sind ja die Highlights für einen jeden Fußballer.

Du bist ja quasi im besten Fußball-Alter. Hast du dir schon Gedanken über deine Zukunft gemacht. Wo siehst du dich in den nächsten drei bis fünf Jahren?

Ich werde im Mai 19 Jahre alt und bin erst am Beginn meiner Fußball-Karriere, daher möchte ich mir meine Zukunft so weit es geht noch offenhalten. Ich denke, dass ich mich nur auf mich selbst konzentrieren kann und nur Einfluss auf meine eigene Weiterentwicklung habe, wenn ich weiter hart an mir arbeite. Die Wege werden sich dann für mich sicher öffnen, aber im Moment bin ich hier, und ich möchte auch nirgendwo anders sein.

Du hast vor einem Jahr auch die Lehrabschlussprüfung erfolgreich absolviert? Wie wichtig war das für dich und deine persönliche Entwicklung, eine Ausbildung abzuschließen.

Das ist sogar sehr wichtig! Es war eine harte Zeit, mit der Doppelbelastung Sport und Schule auf die Reihe zu kriegen. Du kommst nach dem Training nach Hause, musst dann noch für die Schule lernen und hast am Wochenende vielleicht noch ein wichtiges Spiel. In dieser Zeit habe ich aber auch gelernt, meine Kräfte einzuteilen und organisiert zu sein. Das wird mir sicher auch im weiteren Leben weiterhelfen.

Die Führungsrolle in der UEFA Youth League war eine verantwortungsvolle Aufgabe, die du sehr gut angenommen hast. Kam dir deine Erfahrung aus der EL und dem Nationalteam hier zugute?

Ich denke, ja. Ich war der Älteste im Team, kannte natürlich die meisten Spieler aus dem Nachwuchs, und diese Rolle war ja für mich auch nicht neu. Da ich darüber hinaus die meisten Bundesliga-Einsätze hatte und Erfahrung in der Europa League gesammelt hatte, wurde ich als Kapitän bestimmt.

Im vergangenen Jahr wurdest du im Rahmen der Leonidas-Sportgala mit dem Löwen ausgezeichnet, als „Rookie des Jahres“. 

Mein Löwe hat natürlich einen Ehrenplatz auf einem Regal im Wohnzimmer und wird gehegt und gepflegt, damit es sich bei den anderen Löwen herumspricht und sich noch der eine oder andere dazugesellen will (lacht). Aber im Ernst, es war eine wirklich große Ehre für mich, so einen Preis zu bekommen, denn immerhin ist die Leonidas-Gala über die Grenzen von Salzburg hinaus bekannt. Es war für mich schon ein tolles Erlebnis, bei einer Gala dabei sein und einen schönen Abend mit so vielen tollen Sportlern erleben zu dürfen.
 

Leonidas-Gala 2015 | Konny Laimer wurde als „Rookie of the Year“ ausgezeichnet