Naby Keita im Interview nach seinem Länderspieleinsatz

Naby Keita hatte mit seinen ersten beiden Länderspieltoren maßgeblichen Anteil am Aufstieg Guineas in die Gruppenphase der WM-Qualifikation. Unser Mittelfeld-Motor erzielte beim 2:0-Rückspiel-Erfolg über Namibia das Tor zum 2:0 und damit auch den zweiten Siegestreffer, denn auch beim 1:0-Sieg im Hinspiel hatte er für das Goldtor gesorgt.

Sein Nationalteam-Debüt feierte er im Frühjahr 2014 in einem Qualifikationsspiel zum Afrika-Cup gegen Mali. Unter den Zuschauern saßen zwei Herren, die dem jungen Guineer ganz besonders interessiert auf die Füße blickten. Ralf Rangnick, damals noch Sportdirektor beim FC Red Bull Salzburg, und Helmut Groß beobachteten das hoffnungsvolle Talent persönlich und holten ihn kurz darauf im Sommer 2014 nach Salzburg. 

Guinea im Aufwärtstrend

Die Elefanten, wie die guineische Nationalmannschaft liebevoll von ihren Fans genannt wird, qualifizierten sich als Außenseiter für den Afrika-Cup 2015, doch entgegen aller Erwartungen kam die Mannschaft unter Teamchef Luis Fernandez sogar bis ins Viertelfinale und musste sich nur dem Titelfavoriten Ghana geschlagen geben.

Vom TopTalent zum TopStar

Naby, der aufgrund des Afrika-Cups dem FC Red Bull Salzburg während der gesamten Vorbereitung auf die vergangene Frühjahrs-Saison fehlte, überzeugte trotz seiner Abwesenheit mit einer überragenden Topform. Im Frühjahr legte er einen Raketenstart hin und überzeugte anfängliche Kritiker im Sturm. Mittlerweile zählt er zu den wichtigsten Leistungsträgern bei den Roten Bullen und wurde nicht nur aufgrund seiner sportlichen Leistungen, sondern auch wegen seiner sympathischen, bescheidenen und liebeswerten Art zu einem der Publikumslieblinge bei den Salzburger Fans. 

sympathisch. bescheiden. liebenswert.

INTERVIEW MIT NABY KEITA

Zuallererst möchten wir dir zu deinen ersten beiden Länderspieltoren für Guinea gratulieren. Nicht nur, dass du nach deinem ersten Tor im Hinspiel, im Rückspiel noch einen Treffer draufgesetzt hast. Du hast obendrein auch noch beide Male das Siegestor erzielt und damit dein Nationalteam in die Gruppenphase der WM-Qualifikation geschossen. Wie fühlt sich das an?

Ich bin sehr, sehr froh darüber, dass ich endlich meine ersten beiden Tore in der Nationalmannschaft erzielen konnte, denn man hat in meiner Heimat immer meine Qualitäten als guter Assistgeber hervorgehoben, im Nachsatz kam dann aber, … „nur Tore schießt er noch keine“ (lacht). Jetzt konnte ich endlich beweisen, dass ich auch in der Nationalmannschaft torgefährlich sein kann.

Wie ist dein Verhältnis zu Teamchef Luis Fernandez?

Seit er Teamchef von unserer Nationalmannschaft ist, sind wir erfolgreicher als je zuvor. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihm, denn er gibt mir immer das Gefühl, dass er mich schätzt und großes Vertrauen in mich hat. Dieses Vertrauen möchte ich ihm zurückgeben, indem ich immer mein Bestes gebe.

Du hast bei Red Bull Salzburg eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht und bist innerhalb nur weniger Monaten vom Toptalent zu einem wichtigen Leistungsträger herangewachsen. Wie erklärst du dir diesen immensen Entwicklungssprung?

Mein Anfang bei Red Bull Salzburg war nicht leicht, aber ich hatte viele Menschen um mich, die mir geholfen haben, mich ins Team zu integieren. Ich fühle mich sehr wohl in Salzburg, innerhalb der Mannschaft ist die Stimmung sehr gut und wir haben ausgezeichnete Trainingsbedingungen und Betreuer. In der Summe sind das dann all die Dinge, die mich besser machen, und mein Ziel ist es, noch besser zu werden.

Du konntest wegen der Teilnahme Guineas am Afrika-Cup vergangenen Winter die gesamte Vorbereitung mit der Mannschaft nicht mitmachen, hast aber im Frühjahr einen unglaublichen Entwicklungssprung gemacht. Könnte man sagen, dass auch deine Zeit mit dem Nationalteam einen Anteil an deiner tollen Entwicklung im Frühjahr hatte?

Die Zeit beim Nationalteam im vergangenen Winter war schon sehr anstrengend. Im letzten Spiel gegen Ghana musste unser Teamchef an fünf Positionen rotieren. Als wir dann im Viertelfinale ausgeschieden sind, kam ich nach Salzburg zurück, wo dann gleich die Meisterschaft wieder anfing bzw. ein paar Tage darauf das Europa League-Spiel gegen Villarreal stattfand. Ich hatte also kaum Zeit, mich zu akklimatisieren, fühlte mich aber fit und wollte unbedingt spielen. Obwohl wir in der Europa League ausgeschieden sind, haben wir in der Bundesliga sehr gute Spiele gemacht. Ich denke, wir alle haben uns enorm weiterentwickelt und uns gegenseitig gepusht.

In Afrika herrscht in vielen Gebieten große Not aus Terror, Krankheit, Korruption und wirtschaftlichen Krisen. Du bist in Guinea aufgewachsen. Wie hast du deine Kindheit erlebt?

Ja, leider ist das auch in meiner Heimat Guinea so. Meine Eltern waren sehr arm, aber dort wo ich aufgewachsen bin, waren das alle, daher haben wir uns als Kinder nie arm gefühlt. Ich und mein Bruder konnten auch nicht lange eine Schule besuchen. Da meine Eltern kein Geld hatten, ging nur unsere ältere Schwester zur Schule und hat uns zu Hause alles beigebracht, was sie gelernt hat. Ich wollte immer Fußballer werden und hatte nie einen anderen Berufswunsch. Meine Mutter aber wollte immer, dass ich einen Beruf erlerne und hat sich sehr lange gewehrt, als die ersten Anfragen von Spielerberatern kamen. Jetzt ist sie sehr stolz auf mich. Letzten Endes hat mich das Leben gelehrt, was ich zum Überleben brauchte, und ich habe vieles nachgeholt, was ich als Kind in der Schule nicht lernen konnte. Ich habe großen Spaß daran, neue Dinge zu lernen und möchte jetzt auch noch besser Deutsch und Englisch lernen.

Inwiefern, glaubst du, kann der Sport in deiner Heimat einen positiven Beitrag in der Bevölkerung leisten?

Die Afrikaner sind ein fußballverrücktes Volk. Die Menschen sind sehr stolz auf ihre Idole und auf ihre Erfolge, nicht nur im Fußball. Wir haben ja bekanntlich sehr laute und euphorische Fans! Ich denke, die Menschen erleben durch den Sport so etwas wie Hoffnung, denn viele fühlen sich dem Terror und der Korruption in meinem Land oft hilflos ausgeliefert. Durch den Sport, glaube ich, haben die Menschen das Gefühl, etwas gemeinsam zu schaffen und verlieren dadurch auch nicht den Glauben daran, das Glück selbst in die Hand nehmen zu können. Auch wenn das im Fußball manchmal auch widersprüchlich ist, denn da spielt ja oft auch das Glück mit.

Das sind sehr weise Worte!

Ich hatte sehr großes Glück und bin dankbar, so ein gesegnetes Leben führen zu dürfen.