Unser Neo-Kapitän im exklusiven Interview

Mit einem verschmitzten und spitzbübischen Lächeln betrat Alexander Walke vor dem gestrigen Mediengespräch den Pressekonferenzraum in der Red Bull Arena und tat, was man von einem ordnungsliebenden und pünktlichen Deutschen erwarten würde: Er verlor keine Zeit und eröffnete die Pressekonferenz mit dem Glockenschlag – noch in Abwesenheit von Trainer Oscar Garcia und unserem Medienbeauftragten Christian Kircher – gleich selbst.

Dass unserem Torhüter der Schalk im Nacken sitzt, ist ja kein Geheimnis, umso schöner, dass er uns immer wieder Grund für den einen oder anderen Lacher gibt. Doch angesprochen auf den Abschied von Jonatan Soriano und die große Lücke, die dieser beim FC Red Bull Salzburg hinterlassen wird, konnte der sonst so unverrückbare Alexander Walke seine Emotionen nicht ganz so leicht verbergen. Auch wenn Trainer Oscar Garcia ihn als neuen Kapitän zu benennen als logische Konsequenz bezeichnete, ist eines klar: diese Entscheidung war goldrichtig!

Eine Entscheidung, die auch unsere Fans sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Manch einer hätte sich vielleicht auch einen Salzburger als Kapitän vorstellen können, doch Alex „Atze-The-Rock“ Walke sehen ohnehin schon die meisten ehrenhalber als Salzburger. Er selbst hat immer wieder betont, wie sehr er sich mit seiner Familie in seiner Wahlheimat wohlfühlt und plant, durchaus auch noch längerfristig dem Klub erhalten zu bleiben. Seine Vertragsverlängerung im vergangenen Jahr war Balsam für die Seele vieler FC Red Bull Salzburg-Anhänger.

Schon lange bevor Alex der Kapitänstitel offiziell verliehen wurde, spielte er eine sehr wichtige Leader-Rolle bei den Roten Bullen und hat mit seinem authentischen Charakter dem Gesicht des FC Red Bull Salzburg seinen Stempel aufgedrückt. Unbeugsam, schonungslos ehrlich und notfalls auch mal laut … so kennen und lieben wir unsere Nummer 1 mit der Nummer 33.

Im Interview sprachen wir mit ihm über das „Erbe von Jonatan Soriano“, seine neue Rolle als Spielführer und die Bedeutung des oft strapazierten Begriffs des „Kollektivs“

INTERVIEW

Alex, du bist mit einer der wichtigsten Führungsspieler beim FC Red Bull Salzburg, Mitglied und Sprecher des Mannschaftsrats, Schatzmeister der Mannschaftskassa und ein absolutes Vorbild für unsere Youngsters. Viel ändert sich mit dem Kapitänstitel vermutlich daher für dich nicht, oder?

Nein, nicht wirklich (lacht). Zuerst einmal möchte ich aber sagen, dass Jonny ein überragender Kapitän für unsere Mannschaft war – auf dem Platz, in der Kabine und außerhalb des Platzes. Es ehrt mich natürlich, die Schleife zu tragen, aber ich denke, dass es wichtiger ist, dass wir mehrere Spieler mit Führungspersönlichkeit auf dem Spielfeld haben. Wer die Platzwahl macht, ist da nicht so wichtig. Ich werde mich sicher nicht großartig im Umgang mit der Mannschaft verändern, nur weil ich die Kapitänsschleife trage. Wichtig ist nur, dass auf dem Platz, und abseits davon, im Team eine gewisse Ordnung herrscht, aber es gibt viele Spieler bei uns, die diese Aufgabe erfüllen können.  

Stichwort: Ordnung! Man hört immer wieder, auch im Gespräch mit den Trainern und dem Betreuerstab, dass du hin und wieder auch mal genau diese Rolle übernimmst und für klare Verhältnisse im Team sorgst. Das ist auch für das Klima in der Mannschaft natürlich sehr gesund. Könnte man sagen, dass diese Rolle auf dich maßgeschneidert ist, oder ist es dir persönlich ein Bedürfnis, für ein harmonisches Gleichgewicht zu sorgen?

Es ist klar, dass du bei so einer großen Mannschaft mit so vielen unterschiedlichen Nationalitäten und Generationen da und dort mal für Ordnung sorgen musst. Ich habe nicht um diese Aufgabe gebeten und niemand hat mir gesagt, dass ich diese Rolle übernehmen muss, somit – JA! es ist mir ein Bedürfnis, den Jungen ein Stück weit in ihrer persönlichen Entwicklung etwas auf dem Weg mitzugeben. Es ist meiner Meinung nach schon sehr wichtig, dass man in der täglichen Trainingsarbeit und in einem Spiel gut miteinander auskommt. Daher ist es gut, Regeln zu haben, an die sich jeder halten muss. Das gilt aber für die jungen Spieler genauso wie für die älteren.

Wie groß ist die Lücke, die Jonny in der Mannschaft hinterlässt, und gibt es vielleicht schon jemanden, der in seine Fußstapfen treten könnte?

Jonny war für uns nicht nur ein sehr guter Kapitän, sondern natürlich auch ein überragender Kicker. Ihn zu ersetzen wird schwer, aber wir haben in der Mannschaft viele junge Spieler, die das Zeug haben, viele Tore zu schießen. Das sind zwar vielleicht andere Typen, die einen anderen Spielstil haben, aber nichtsdestotrotz sind wir, was unsere Gefährlichkeit vor dem gegnerischen Tor anbelangt, sehr gut aufgestellt. Vielleicht ist es sogar nicht schlechter, wenn du fünf, sechs Spieler vorne hast, die zehn oder mehr Tore schießen. Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass wir die Qualität dafür haben. Natürlich blickt man mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Zeit mit Jonny zurück, aber ich bin stolz, dass ich mit so einem großartigen Menschen und Spieler auf dem Platz stehen durfte.

Unsere #33 - 10 Bilder

Manche Dinge sind immer leichter gesagt als getan: Wenn man beispielsweise davon spricht, dass das Kollektiv in einer Mannschaft das Wichtigste ist, könnte man den Eindruck haben, etwas so Selbstverständliches wäre auch so leicht umzusetzen, wie es über die Lippen kommt. Das ist wohl nicht der Fall, nicht wahr? Aber was macht nun das derzeit sehr gute Mannschaftsgefüge beim FC Red Bull Salzburg deiner Meinung nach aus?

Das ist wirklich alles andere als leicht. An einem guten Mannschaftsklima zu arbeiten ist sehr viel Arbeit, auch wenn es selbstverständlich ist. Unser Team besteht ja nicht nur aus uns Spielern und dem Trainerstab, sondern inkludiert auch alle Menschen, mit denen wir im Trainingszentrum jeden Tag zusammenarbeiten. Jeder bei uns macht einen fantastischen Job, und wir alle haben sehr großen Respekt vor der Arbeit von jedem Einzelnen, egal, ob das nun der Zeugwart, der Koch, der Busfahrer, unsere Physiotherapeuten, Videoanalysten oder Trainer sind. All diese Menschen sorgen tagtäglich dafür, dass WIR unseren Job gut machen können, und dafür sind wir dankbar.

Im Gegensatz zu vielen deiner Kollegen entziehst du dich der Öffentlichkeit in den sozialen Medien völlig. Trotzdem zählst du zu jenen Spielern, denen besonders viel Sympathie entgegengebracht wird, weil du immer sehr offen und greifbar auf unsere Fans zugehst. Täte ein bisschen „alte Schule“ unseren Jungen auch mal ganz gut?

Na ja, das muss man schon unterscheiden. Es ist meine Entscheidung, mich nicht auf Facebook usw. zu zeigen, aber ich finde, es ist jedem selbst überlassen, wie er mit der Öffentlichkeit in den sozialen Medien umgeht oder eben nicht umgeht. Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich ganz gerne mal für ein paar Stunden am Tag das Handy auf die Seite legen möchte. Trotzdem ersetzt die Präsenz in den sozialen Medien natürlich keine persönliche Nähe zu unseren Fans, das ist ganz klar. Aber auch das ist eine Sache der eigenen Persönlichkeit. Freilich erwartet man von uns, dass wir als Fußball-Profis mit Medien und Fans umgehen können müssen, aber manch einer braucht einfach ein bisschen Zeit. Unsere jungen Spieler sind manchmal einfach auch nur schüchtern. Das ist normal, aber freundlich, höflich und respektvoll mit Menschen zu kommunizieren, ist einfach und sollte nicht nur für Fußball-Profis selbstverständlich sein. Mein persönlicher Zugang zu „Fan-Nähe“ ist einfach gesagt: So wie ich behandelt werden möchte, so muss ich auch mein Gegenüber behandeln. 

In der vergangenen Saison wurdest du als bester Tormann der Liga ausgezeichnet und bist maßgeblich am Erfolg der Roten Bullen in den letzten beiden Jahren beteiligt. Risikofreudig, mutig, energisch … so kennt man dich auf dem Platz! Was macht dich derzeit so stark?

Natürlich ehrt mich so eine Auszeichnung, aber das ist schon wieder Vergangenheit. Viel wichtiger für uns waren die zwei Titel. Wenn du am Ende der Saison so eine Trophäe überreicht bekommst, dann gilt die Anerkennung nicht nur mir alleine, sondern steht stellvertretend auch für die ausgezeichnete Arbeit, die wir gemeinsam im Training leisten. 

Im Doppelinterview mit Christian Schwegler im vergangenen Sommer hast du gesagt, dass es in der Mannschaft Typen braucht, die auf dem Platz auch mal die Kommunikation übernehmen. Hat sich mittlerweile herauskristallisiert, wer diese Rolle im Team übernehmen kann bzw. wie kannst du als verlängerter Arm des Trainers auf dem Platz diesbezüglich deine Team-Kameraden in die Pflicht nehmen?

Es liegt, wie ich auch schon damals gesagt habe, immer bei jedem Einzelnen selbst, Verantwortung im Team zu übernehmen. Und ich sehe das wie unser Trainer – es ist gut, mehrere Spieler auf dem Platz zu haben, die diesen Part übernehmen können. Ich rede ja nicht nur, um zu reden, sondern um meinen Mitspielern auf dem Feld zu helfen. Wir üben das kontinuierlich im Training, damit jeder Spieler die Kommandos auf dem Feld verinnerlichen kann und gegebenenfalls in eine solche Rolle hineinwächst. Wir sind aber, was die Kommando-Brücke im Spiel betrifft, mit Schwegi, Paulo, Andre, Andi, Koni und Valon aktuell mehr als gut versorgt. 

ÜBER SEIN LEBEN IN SALZBURG

Seit 2008 ist Alex mit Ehefrau Inga verheiratet. Die beiden haben zwei gemeinsame Kinder, Joulina und Luan. In Salzburg hat die junge Familie ein echtes Zuhause gefunden.

Meine Kinder und meine Frau fühlen sich hier sehr wohl, und wir haben hier ein Haus gekauft. Wir haben entschieden, dass unser Lebensmittelpunkt Salzburg ist und auch in Zukunft sein wird. Wir Piefke fühlen uns mittlerweile schon als richtige Österreicher!

Sein größter Fan ist Sohn Luan, der selbst begeisterter Fußballspieler ist und im Nachwuchs beim SV Grödig spielt.

Mir ist wichtig, dass er Spaß am Fußball hat, regelmäßig zum Training geht, und alles andere wird die Zukunft weisen. Ich bin sicherlich kein Vater, der sein Kind zu irgendetwas zwingen will. Wenn er Freude am Fußball hat, reicht mir das schon.

UNSERE Nummer 33

WAS MAN SONST NOCH WISSEN SOLLTE

  • Alexander Walke wurde am 06. Juni 1983 in Oranienburg in der ehemaligen DDR geboren.
  • Seine bisherigen Stationen waren Werder Bremen II, SC Freiburg, SV Wehen Wiesbaden, Hansa Rostock und Greuther Fürth.
  • Seit 2010 ist er ein Roter Bulle und mit 144 Spielen der Rekord-Torhüter der Salzburger.
  • Seine geheime Leidenschaft ist seine Harley-Davidson Forty-Eight.
  • Alex braucht in einer Saison durchschnittlich 60 (!) Paar Tormann-Handschuhe und zwei Paar Fußballschuhe. Der Verschleiß dürfte sich allerdings in diesem Jahr deutlich erhöhen.
  • Alex verdankt seinen Spitznamen „Atze“ seinem Ex-Teamkollegen Fränky Schiemer.