Wir verneigen uns vor einem unserer verdientesten Spieler | Christian Schwegler im letzten Interview

Christian Schwegler verlässt nach acht Jahren den FC Red Bull Salzburg und wird im Sommer zu seinem Heimatverein, dem FC Luzern, zurückkehren. Ein Abschied, der für Fans, Trainerteam und Mannschaftskollegen mit sehr viel Wehmut verbunden ist. Aber auch für ihn waren die letzten Tage emotional sehr berührend.

Der FC Red Bull Salzburg nahm beim letzten Heimspiel der Saison Abschied von einem seiner längstgedientesten Spieler. Acht Jahre lang war der Schweizer Außenverteidiger „Denker und Lenker“ in der Defensive und hat so manche Höhen und Tiefen bei den Roten Bullen erlebt. Seinen Entschluss, den Verein im Sommer zu verlassen, hat sich der Routinier sehr gut überlegt. Ohne viel Aufhebens davon zu machen, gab er seine Entscheidung bereits vor einigen Wochen offiziell bekannt, um zu verhindern, dass Spekulationen über seinen möglichen Abgang unnötige Unruhe und Unsicherheit in die Mannschaft bringen.

Umso lauter wollten sich Fans und Klubverantwortliche von einem der verdientesten Spieler der letzten Jahre gebührend verabschieden. 

Tränenreich wurde es schon vor dem Anpfiff der 36. Runde in der Tipico Bundesliga. Vor seinem letzten Meisterschaftsspiel für den FC Red Bull Salzburg wurde Schwegi die Ehre zuteil, seine Mannschaft als Kapitän aufs Spielfeld zu führen. Was der Schweizer allerdings nicht wusste, war, dass neben seiner Familie auch seine engsten Freunde in der Red Bull Arena zu Besuch waren. Sie bildeten mit den Spielern des SCR Altach eine Seite des Spaliers für den Meister und klatschten unsere Mannschaft auf dem Spielfeld ein. Schwegi wusste nicht das Geringste von der großartigen Geste seiner Freunde und bemerkte erst im Vorbeigehen, wer da auf dem Platz zu seinen Ehren die Garde gab. Als er seine Freunde schließlich erkannte, stand er schon in der Reihe zur Aufstellung und war sichtlich zu Tränen gerührt. Alexander Walke klopfte seinem Freund und Kollegen auf die Schulter, hatte dabei aber selbst Wasserhochstand in den Augen.

In den Schlussminuten bescherte Oscar Garcia ihm dann auch einen würdigen Abschied von der Red Bull Arena und wechselte ihn kurz vor dem Spielende aus. Christian Schwegler wurde mit minutenlagen Standing Ovations von den Salzburger Fans verabschiedet. Er wird zwar nicht mehr als Spieler für die Roten Bullen in der Red Bull Arena auflaufen, aber wir hoffen doch, dass uns Schwegi im Herzen erhalten bleibt und wenn es seine Zeit zulässt, auch das eine oder andere Mal in Salzburg besuchen wird.

Wir sagen DANKE!

Danke Schwegi!

INTERVIEW

Nach acht Jahren beim FC Red Bull Salzburg wirst du im Sommer zu deinem Heimatverein FC Luzern zurückkehren. Kommt da nicht etwas Wehmut auf?

Klar werde ich da etwas sentimental. Vor allem in den letzten Wochen ist mir immer mehr bewusst geworden, dass der Abschied aus Salzburg immer näher rückt und mich das schon etwas traurig macht. Aber ich habe diese Entscheidung ja trotzdem bewusst gefällt und freue mich auch, wieder in meine Heimat zurückkehren zu können. Dennoch genieße ich nun meine letzten Tage in Salzburg und hoffe, dass wir hier gemeinsam noch das Double holen können.

Kein anderer Legionär in der Ära Red Bull hat so viele Pflichtspiele wie du für unseren Klub absolviert. Macht dich das stolz?

In einem Klub mit so hohen Ambitionen muss man immer seine Leistung bringen, und da macht es mich schon stolz, so viele Spiele bestritten zu haben.

Acht Jahre sind unmittelbar mit dem Wort „Vereinstreue“ verbunden, das ja heutzutage im Fußball nicht mehr allzu großgeschrieben wird …

Es gibt nicht mehr viele Fußballer, die einem Klub so lange die Treue halten. Umso mehr freut es mich, dass mir das hier gelungen ist. Schön ist vor allem, dass die Fans das honorieren.

Für viele junge Spieler warst – und bist – du auch ein Vorbild. Wie hast du dir in dieser Rolle gefallen?

Das sollten besser die Jungen beurteilen, ob ich ein gutes Vorbild war. Ich habe natürlich immer versucht, junge Spieler zu unterstützen und zu führen, aber nicht, ohne auch auf meine eigenen Leistungen zu achten.

In den letzten acht Jahren hast du dich auch immer wieder beweisen müssen und auf deiner Position auch starke Konkurrenz gehabt. Was war das Geheimnis deines Erfolges, dass du dich Saison für Saison durchsetzen konntest?

Ich habe einfach jeden Tag alles gegeben und mich auf meine Qualitäten konzentriert. Um dich durchsetzen zu können, brauchst du auch einen starken Willen und darfst natürlich den Spaß am Fußball nie verlieren. Außerdem hat es mich immer zusätzlich motiviert, wenn man einen neuen Spieler auf meiner Position verpflichtet hat oder sich einer aus dem Nachwuchs empfohlen hat. Was mich stolz macht, ist, dass ich mich auch gegen sehr viele Nationalspieler durchsetzen konnte – zumal ich im Schweizer Team ja nie berücksichtigt wurde.

Kannst du dich eigentlich noch an dein erstes Spiel für den FC Red Bull Salzburg erinnern?

Ich dachte immer, es sei irgendeine Cup-Partie gewesen, doch ich wurde vor Kurzem darauf aufmerksam gemacht, dass es die Champions League-Qualifikation gegen Bohemians Dublin war. Und zwar das Heimspiel, das 1:1 ausging. Das Rückspiel blieb mir besser in Erinnerung. Da haben wir lange gezittert und sind durch einen 1:0-Sieg dann aufgestiegen. Das Tor machte das „Kopfballungeheuer“ Patrik Jezek.

Und von welchem Spiel mit den Roten Bullen wirst du noch deinen Enkelkindern erzählen?

Vom 3:0-Sieg auswärts gegen Ajax Amsterdam. Das Spiel war ein Highlight in meiner Karriere. Es war kurz nach der Winterpause, und wir wussten eigentlich gar nicht so recht, wo wir stehen. Und dann gelang uns in der Amsterdam Arena so ein Traumresultat! Das Schöne war, dass sehr viele Salzburger Fans in Holland dabei waren und wir mit dem Spiel auch über die österreichischen Grenzen hinaus Aufsehen erregten.

Und welches Spiel war komplett zum Vergessen?

Eigentlich all die, in denen wir in der Qualifikation zur Champions League gescheitert sind. Man muss aber auch sagen, dass wir daran nie zerbrochen sind und dann national immer so richtig Gas gegeben haben.

Du hast in Salzburg auch sieben verschiedene Trainer erlebt. Welcher wird dir in Erinnerung bleiben?

Jeder einzelne hat seine Anerkennung verdient. Ich bin mit allen sehr gut ausgekommen, habe von jedem etwas gelernt, und jeder hat dem Verein auch Erfolge gebracht. Ganz speziell war sicher die Zeit mit Roger Schmidt, weil wir da sehr spektakulär gespielt haben, aber auch unter Oscar Garcia hat sich das Team stark entwickelt.

Wie war deine Zeit abseits des Fußballs? Wie wirst du Salzburg in Erinnerung behalten?

Mir werden die Freundlichkeit und die Mentalität der Österreicher sicher fehlen. Meine Familie und ich wurden hier sehr gut behandelt, und wir haben in Österreich auch viele Freunde gefunden. Weiters hat uns die Stadt Salzburg mit ihrem Umland sehr gut gefallen. Wir waren fast jeden Tag mit unseren Kindern in der Natur unterwegs, und daher werden wir immer gern und auch sehr positiv an Salzburg zurückdenken.

Mit welchen Spielern konntest du besonders enge Freundschaften knüpfen? Und mit wem wirst du auch in Zukunft in Kontakt bleiben?

Sicherlich mit Christoph Leitgeb und Andi Ulmer. Leiti war ja jahrelang mein Zimmerkollege, und wir hatten sehr viel Spaß gemeinsam. Leiti, Andi und ich sind auch jene Spieler, die am längsten beim Verein sind, und das verbindet mit Sicherheit zusätzlich.