GENERAL MANAGER JOCHEN SAUER UND DER SPORTLICHE LEITER CHRISTOPH FREUND SPRECHEN ÜBER EINE HARTE SAISON UND DIE ENTWICKLUNG JUNGER TALENTE

Warum der sportliche Leiter des FC Red Bull Salzburg Christoph Freund extrem stolz auf die Entwicklung der jungen Spieler ist, die heuer in den Fokus gerückt sind, und warum Der General Manager Jochen Sauer alles tun will, um die Roten Bullen wieder in einem internationalen Bewerb spielen zu sehen, verraten die beiden in einem ausführlichen Interview.
 

Interview: Jochen Sauer und Christoph Freund

Die Salzburger Double-Maker

Sie haben in Ihrer ersten gemeinsamen Saison gleich den Meistertitel und den Cup geholt. Kann man von einem erfolgreichen ersten Jahr sprechen?

Christoph Freund Ich finde, wir können von einer absolut erfolgreichen Saison sprechen! Wir hatten zwar einen schwierigen Start, bei dem sehr viel zusammengekommen ist. Wir mussten zu Beginn viele Nackenschläge wegstecken. Im August war klar, dass wir eine Saison ohne internationale Beteiligung erleben werden, und auch in der Meisterschaft sind wir hinten nachgehinkt, und darum ist es umso höher einzustufen, dass wir am Ende doch noch so souverän den Meistertitel holen und den Cup gewinnen konnten.

Jochen Sauer Uns war von Anfang an bewusst, dass es heuer nicht einfach werden würde, weil es wieder ein Sommer mit einem großen Umbruch war. Wir hatten Trainerwechsel, viele Abgänge und viele neue, junge Spieler. Was aber überbleibt, ist, dass wir alle Probleme gut gemeistert haben und wir eine sehr lehrreiche Saison als Meister beenden konnten. Die letzte Saison mit so einem großen Umbruch war 2012/13, und auch da haben wir nach Düdelingen die Mannschaft extrem umgebaut. Am Ende waren wir aber nur Vize-Meister und sind im Cup-Halbfinale ausgeschieden.

Gab es nach dem verpatzten Start aus Ihrer Sicht einen besonderen Moment oder ein spezielles Spiel, wo die Mannschaft den Turnaround geschafft hat?

Christoph Freund Im Endeffekt war sicherlich der Trainerwechsel der Hauptgrund, weil wir dadurch spielerisch ein höheres Level erreicht haben. Aber der erste Schritt in die richtige Richtung ist uns bereits im Herbst nach dem internationalen Aus gegen Minsk geglückt. Da sind wir am Boden gelegen, haben uns selbst aus dem Dreck gezogen und in der Meisterschaft eine sehr erfolgreiche Serie hingelegt. Der große Turnaround war dann aber im Winter, wo wir konstant gute Leistungen gebracht haben, dadurch viele Punkte geholt haben und diesen Punkteschnitt auch bis zum Ende durchziehen konnten. Herausragend war, dass wir dies alles mit der jüngsten FC Red Bull Salzburg-Mannschaft der Geschichte geschafft haben, und das macht mich besonders stolz.

Welche positiven und negativen Momente dieser Saison werden Ihnen ewig in Erinnerung bleiben?

Jochen Sauer Negativer Höhepunkt für mich war das Ausscheiden gegen Minsk. Es war nicht nur bitter, dass wir uns nicht für die Europa League qualifizieren konnten, sondern die Tatsache, dass wir einfach als bessere Mannschaft extrem unglücklich im Elfmeterschießen scheiterten. Positiv in Erinnerung bleiben wird mir der Heimsieg kurz vor Weihnachten gegen Rapid. Damit sind wir auch als Leader in die Winterpause gegangen, und ich hatte das Gefühl, dass sich auch im Team etwas veränderte. Die Spieler glaubten wieder an sich, und dieses Selbstvertrauen und diese positive Stimmung haben sich auf jeden Einzelnen im Verein ausgewirkt.

Christoph Freund Ich war nach dem Spiel in Minsk sehr enttäuscht, weil die Leistung der Mannschaft unterirdisch war. Wichtig und positiv für mich war das 1:1 gegen Rapid im Frühjahr in Wien. Es war zwar eines unserer schlechteren Spiele, aber es hat gezeigt, dass wir auch an schwachen Tagen eine unglaubliche Mentalität auf das Spielfeld bringen können.

Ein historischer Kluberfolg!

Wie zufrieden sind Sie mit Trainer Oscar Garcia?

Jochen Sauer Wir sind mit seiner bisherigen Arbeit in Salzburg sehr zufrieden! Das lässt sich auch an seiner Bilanz leicht ablesen. Was uns unheimlich geholfen hat und zugleich eine seiner größten Stärken ist, ist die Ruhe, die er ausstrahlt und auch den Spielern vermitteln kann. Ich hatte nie das Gefühl, dass die Mannschaft die Nerven verliert oder unruhig wird. In diesem Punkt haben sich die Jungs unter Oscar im Vergleich zum Herbst toll weiterentwickelt.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen General Manager, sportlicher Leiter und Trainer vorstellen?

Jochen Sauer Die Zusammenarbeit zwischen Christoph und mir läuft völlig problemlos. Wir haben zwar nun unsere erste Saison in dieser Konstellation beendet, haben aber davor ja bereits seit vier Jahren sehr eng und als Team zusammengearbeitet. Jeder hat seine Stärken auf speziellen Gebieten, und die heißt es einfach zu bündeln. Fakt ist, dass wir jede Entscheidung im Konsens fällen. Und das schließt natürlich auch Oscar Garcia ein. Das Schöne ist, dass wir wirklich über alles offen reden können, und falls sich einer von uns dreien in irgendeiner Sache unsicher ist, kann er das problemlos mit den anderen beiden besprechen.

Christoph Freund Ich finde es sehr wichtig, dass man diskutieren kann und manchmal auch eine andere Meinung vertritt. Oscar hat ja auch einen anderen fußballerischen Background als wir und kann uns daher immer wieder sehr wichtige Inputs geben. Am Ende zählt aber, dass wir die Entscheidungen gemeinsam und im Sinne des FC Red Bull Salzburg treffen.

Naby Keita wurde als bester Spieler der Liga ausgezeichnet, Alex Walke als bester Torhüter und Jonny Soriano wurde wieder Torschützenkönig. Wie stolz machen Sie solche Ehrungen?

Christoph Freund Mich macht das sogar sehr stolz, das rundet unseren Erfolg nochmal gebührend ab. Ich finde es auch toll, weil hier Spieler unterschiedlicher Generationen geehrt wurden. Naby ist einer unserer jüngeren Protagonisten, und Alex und Jonny haben ja doch schon ein paar Fußballjahre auf dem Buckel. Naby ist einer unserer talentiertesten Spieler und hat noch eine sehr große Karriere vor sich, und für Alex freut es mich ganz besonders, weil es ja nicht zu erwarten war, dass er nochmals so durchstartet. Er ist ein wichtiger Teil unserer Mannschaft, weil er auch abseits des Platzes ein toller Typ ist und die anderen Jungs immer zu motivieren weiß. Und Jonny ist mittlerweile sowieso eine Legende, ein toller Kapitän und einfach das Gesicht des Vereins.

Für die Vielfältigkeit im Kader sprechen auch die tollen Leistungen vieler junger Spieler.

Christoph Freund Unsere Akademie und die Entwicklung junger Talente sind die Basis unseres Vereins. Unsere zweite Mannschaft hat ein Durchschnittsalter von 18,5 Jahren und ist sicherlich eine der besten zweiten Mannschaften in Europa. Aber bei allen Erfolgen im Nachwuchs ist unser großes Ziel, möglichst viele junge Spieler auch in die Kampfmannschaft zu integrieren, und da sind wir auch auf einem sehr guten Weg.

Jochen Sauer Wir gehen den Weg mit jungen Spielern ja schon länger, aber für mich war diese Saison besonders herausragend, weil sich sehr viele Spieler extrem gut entwickelt haben. Obwohl es eine schwere Saison war und es immer wieder Widerstände gab, sind so viele junge Spieler in den Fokus gerückt. Neben dem Meistertitel und dem Cup-Sieg ist diese Entwicklung unserer jungen Spieler für mich der größte Erfolg der Saison, und dazu möchte ich allen Beteiligten auch herzlich gratulieren und ihnen auch meinen Dank für ihren Einsatz aussprechen.

Es steht nun wieder eine Qualifikation für die Champions League an. Ist das Ihr großes Ziel für die kommende Spielzeit?

Jochen Sauer Unser Ziel ist es wie jedes Jahr, in einem internationalen Bewerb vertreten zu sein. Als General Manager, der ja auch für das Budget zuständig ist, wäre es vermessen, mit der Champions League zu planen. Und wir haben in den letzten Jahren ja gesehen, dass es sehr schwierig ist, in die Königsklasse zu kommen. Dennoch ist es natürlich unser sportlicher Traum, endlich mal im Konzert der ganz Großen mitzuspielen. Das will auch jeder einzelne unserer Spieler, und wir werden alles tun, um ihnen diesen Wunsch zu erfüllen.

Christoph Freund Wir wollen ein Umfeld schaffen und einen Kader zusammenstellen, mit dem wir unsere internationalen Ziele erreichen können. Aber wir haben schon so oft über die Champions League gesprochen, und das hat eher nur zu unnötigem Druck auf die Mannschaft geführt. Das Team wird gut aufgestellt sein, und wir werden alles dafür tun, um auch international erfolgreich zu sein.

In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft noch steigern?

Christoph Freund Wir wollen noch Spieler verpflichten, mit denen wir noch mehr Torgefährlichkeit ausstrahlen können. Wir müssen in der Offensive einfach noch unberechenbarer werden. Und ich bin mir sicher, dass sich die Mannschaft in einer vollen Vorbereitung mit Oscar Garcia nochmal gehörig steigern wird.

Waren Meistertitel und Cup-Sieg für Sie Belohnung genug, oder gönnen Sie sich etwas Spezielles nach so einer erfolgreichen Saison?

Jochen Sauer Eigentlich ist es für mich die größte Belohnung, wenn ich sehe, wie sich die Spieler und Betreuer freuen, wenn sie den Meisterteller oder den Pokal überreicht bekommen. Mit anderen Belohnungen wie einem netten Urlaub schaut es derzeit nicht so gut aus, weil wir ja bereits wieder mit der Kaderplanung und den Vorbereitungen für die nächste Saison beschäftigt sind. Es geht ja bereits Anfang Juli mit der Qualifikation für die Champions League los, und da müssen wir die Mannschaft optimal darauf vorbereiten.

Christoph Freund Die Wochen nach der Saison sind sehr intensiv für uns, und die Vorbereitung auf die nächste Saison ist sehr kurz. Für mich ist die Freude über das Double auch die größte Belohnung, und vielleicht finde ich doch ein paar wenige freie Tage, die ich mit meiner Familie verbringen kann.