Statements von Sportdirektor Christoph Freund beim heutigen Media-Brunch

Sportdirektor Christoph Freund und Geschäftsführer Commercial Stephan Reiter luden heute Medienvertreter aus ganz Österreich zu einem „Media-Brunch“. In der gutbesuchten Skybox der Red Bull Arena hörten die anwesenden Journalisten von unserem Führungs-Duo durchaus auch emotionale und selbstkritische Töne. Vor allem Christoph Freund ließ mit einigen sehr interessanten Aussagen aufhorchen, die wir euch freilich nicht vorenthalten wollen. Daher haben wir die wichtigsten Kernaussagen unseres Sportdirektors in aller Kürze noch einmal zusammengefasst.

Besonders auf die Fragen rund um die viel diskutierte Transferpolitik, die rückläufigen Zuschauerzahlen und die Zukunft des FC Red Bull Salzburg sprach sich Freund in aller Deutlichkeit aus:

Wir haben in den letzten Jahren mit Transfereinnahmen die 100-Millionen-Euro-Marke sogar überschritten. Das war vor fünf, sechs Jahren unvorstellbar und hätte niemand für möglich gehalten – auch ich nicht. Aber wir haben es geschafft, und das ist ein außergewöhnlicher Erfolg. Wir sind aber auch sportlich so erfolgreich wie noch nie und haben – was zuvor im österreichischen Fußball noch nie der Fall war – dreimal hintereinander das Double geholt. 

Als einen nicht unwesentlichen Grund dafür, warum der FC Red Bull Salzburg der erfolgreichste österreichische Bundesligaverein der letzten zehn Jahre ist, nennt Christoph Freund auch den Philosophiewechsel, den die Roten Bullen vor knapp fünf Jahren eingeschlagen haben:

Früher haben wir ältere Spieler geholt, die am Ende der Karriere waren – große Namen waren – die es aber nie geschafft haben, das Double zu holen. Das geht mir derzeit in der medialen Berichterstattung einfach unter. Und noch etwas: Wir haben aktuell 49 Punkte in der Bundesliga. Wir hatten nur einmal in den letzten Jahren mehr Punkte – damals im zweiten Jahr unter Roger Schmidt. Das liest man nirgends, das wird nirgends kommuniziert. 49 Punkte – und das, obwohl wir einen schlechten Saisonstart hatten. Leider wird das aber gar nicht so richtig wahrgenommen. Es wird mehr geschrieben, dass unsere Fans WIEDER auf einen Star verzichten müssen. SCHON WIEDER ist ein Topstar weg! Salzburg kann seine Topspieler NICHT HALTEN! Das verwundert mich sehr! 

Dabei stellte der Sportdirektor des FC Red Bull Salzburg auch seine Verwunderung über die verzerrte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit als Diskussion in den Raum:

Wir sind erfolgreich wie nie und mussten uns noch nie so viel rechtfertigen. Obwohl wir wirtschaftlich erfolgreich arbeiten und Spielern eine Karriereplattform bieten, die bei uns eine Weltkarriere beginnen.

Christoph Freund nimmt daher – nicht ohne Grund – auch die mediale Öffentlichkeit in die Pflicht: 

Man hört nur, Salzburg ist am Weg nach unten, aber das ist nicht der Fall – und das wird auch in Zukunft nicht der Fall sein. Das verstehe ich nicht – und es würde mich freuen, wenn das wieder einen positiven Run aufnimmt. Weil wir super Spieler im Verein haben, die in der Zukunft wieder unsere erste Mannschaft verstärken und wieder mehr Zuschauer ins Stadion bringen werden. Aber dafür brauchen wir eine positive Grundstimmung und da sind wir alle verantwortlich. Dass Spieler dann im Ausland erfolgreich Karriere machen, macht mich stolz und ich würde mir wirklich wünschen, dass auch unsere Fans stolz darauf sind. Wir dürfen nicht vergessen, welche tollen Spieler schon bei uns gespielt haben und wie lange sie geblieben sind. Viele von ihnen erinnern sich gerne an die Zeit hier.

Zu guter Letzt erinnert Sportdirektor Christoph Freund alle Anwesenden auch noch an das eigentlich übergeordnete Ziel des FC Red Bull Salzburg:

In erster Linie wollen wir in Österreich die beste Mannschaft bleiben und die Titel verteidigen. Da sind wir auf einem guten Weg.

Gemeinsam mit Stephan Reiter, der seit dem 1. Februar die kaufmännische Gesamtverantwortung beim FC Red Bull Salzburg übernommen hat, bilden die beiden nun eine klassische Doppel-Führungsspitze. Der Vorstand des FC Red Bull Salzburg hat nach dem Ausscheiden von Jochen Sauer als ehemaligen General Manager entschieden, den sportlichen und kaufmännischen Bereich deutlicher voneinander zu trennen, die Entscheidungen jedoch werden gemeinsam getroffen. In versammelter Runde sprach Stephan Reiter über seine ersten gewonnenen Erfahrungen beim FC Red Bull Salzburg:

Ich bin nun seit einem Monat – genauer gesagt seit 28 Tagen – im Amt und hab mich in dieser Zeit sehr intensiv mit den Abläufen und Strukturen vertraut gemacht. Ich habe auch die Chance genützt, mit allen Mitarbeitern im Verein zu sprechen. Das darf man nicht unterschätzen, denn es arbeiten hier 160 Mitarbeiter, die bei uns beschäftigt sind, und bis zu 800 Menschen, die an einem Spieltag für uns tätig sind. Ich habe im Zuge der letzten Heimspiele auch das ganze Umfeld des Vereins kennengelernt, sprich: mich auch bei unseren Partnern und Sponsoren vorgestellt. Ich war auch kurz beim Trainingslager in Dubai mit dabei, um die Mannschaft etwas näher kennenzulernen. Ich bin aber nach wie vor noch in dieser sogenannten „Onboarding-Phase“, wurde aber bisher vom gesamten Mitarbeiterstab, dem Team und unseren Kooperationspartnern sehr gut aufgenommen und unterstützt.

Auf die Frage, ob er schon Verbesserungspotenzial entdeckt und konkrete Ideen für Veränderungen beim FC Red Bull Salzburg analysieren konnte, antwortete Stephan Reiter gelassen: 

Es gibt eine alte Weisheit, die besagt, dass man in den ersten 90 Tagen keine großen Entscheidungen treffen soll. Natürlich ist es nach vier Wochen im Amt noch etwas zu früh, um große Veränderungen herbeizuführen, aber natürlich ist das nicht so einfach. Es gibt immerhin ein operatives Geschäft – wie man ja in den letzten Tagen gesehen hat – das nicht stillstehen darf, und daher musste ich die eine oder andere Entscheidung schon treffen.

Auch Christoph Freund freut sich über den neuen Mitspieler an seiner Seite:

Im Grunde ändert sich im Vergleich zu früher im täglichen Ablauf nicht viel, denn auch wenn die Aufgabenbereiche im kaufmännischen und der sportliche Bereich stärker getrennt wurden, kann man im Profi-Fußball diese beiden Bereiche ohnehin voneinander trennen. Wir treffen alle wichtigen Entscheidungen immer gemeinsam. Es gibt bei uns eine offene „Tür-an-Tür-Kultur“, sprich: eine sehr offene Kommunikation – und wir haben uns schon in den letzten Tagen immer wieder sehr intensiv ausgetauscht – und daher freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Stephan.

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die unser neues Führungs-Duo treffen musste, war natürlich der Transfer von Star-Stürmer Jonatan Soriano nach China. Für Stephan Reiter eine erste Feuertaufe:

Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es ein lachendes oder weinendes Auge. Als Jonny uns um die Freigabe gebeten hat, mit dem Verein verhandeln zu dürfen, haben wir unter Abwägung aller Interessen entschieden, ihm keine Steine in den Weg zu legen, denn er hat den Verein in den letzten Jahren, wie kein anderer Spieler, geprägt.

Der gestrige Medientermin war nicht nur für unser neues Führungsgespann enorm wichtig, sondern auch für die Außendarstellung des Vereins. Besonders positiv ist, dass sich sowohl Christoph Freund als auch Stephan Reiter sehr offen, authentisch und emotional, aber auch selbstkritisch, den Fragen der Journalisten stellten.