Unser Akademie- und Nachwuchs-Leiter im exklusiven Interview

Seit 2012 ist Ernst Tanner nun Akademie- und Nachwuchs-Leiter in der Red Bull-Akademie und leistet auf dem Gebiet der Entwicklung neuer Fußball-Talente mehr als überzeugende Pionierarbeit. Der beste Beweis für die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit in der Akademie ist der Erfolgslauf unserer U19 in der UEFA Youth League, aber nicht nur: 

In der Red Bull-Talenteschmiede in Liefering werden unter der Leitung von Ernst Tanner immer mehr Rohdiamanten geschliffen, die über den FC Liefering und die Kampfmannschaft des FC Red Bull Salzburg zu absoluten Topspielern heranwachsen.

In den letzten Jahren ist die Anzahl derer, die diesen Weg bereits erfolgreich bestritten haben, signifikant gestiegen, und der FC Liefering zählt mittlerweile sogar zu einem Talente-Hotspot für Scouts aus aller Welt.

Wir haben Ernst Tanner nach dem Geheimnis seines Erfolges gefragt und im exklusiven Interview erfahren, dass die Teilnahme an der UEFA Youth League selbst einen wichtigen Faktor bei der Weiterentwicklung junger Talente darstellt.
 

INTERVIEW

Unsere Jungbullen haben vergangene Woche im UEFA Youth League-Play-off nach einem bis zum Anschlag spannenden Match gegen Manchester City im Elfmeterschießen die Nerven behalten und sind somit verdient ins Achtelfinale der UEFA Youth League aufgestiegen. Wie hoch ist aus deiner Sicht dieser Erfolg auch hinsichtlich der Entwicklung dieser Mannschaft zu bewerten?

Für mich war es schon beeindruckend, zu sehen, wie wir den Gegner vor allem in der zweiten Halbzeit förmlich an die Wand gespielt haben, und wir hätten das Spiel eigentlich – so weit zumindest müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen –, gemessen an der Vielzahl wirklich hochkarätiger Torchancen, vorzeitig für uns entscheiden müssen.

Man muss die Entwicklung unseres Teams aber daran messen, dass wir in Österreich mit U18- und U16-Spielern eine Youth League-Mannschaft aufstellen müssen, während in anderen europäischen Topligen mit U17–U19 Spielern gespielt wird. Auf dieses System – mit zusätzlich drei U20-Spielern, die jedoch klubintern ausgebildet sein müssen – ist die Youth League konzipiert und ausgerichtet. Das stellt für uns schon eine Hürde dar, denn wir generieren unseren U19-Kader mehrheitlich aus der Mannschaft des FC Liefering, der aber zu einem Großteil aus U20-Spielern besteht, und einigen U18-Spielern, die sukzessive nachrücken.

Wir haben heuer eine sehr gute Runde gespielt, man darf aber auch nicht vergessen, dass in der Vorrunde das Leistungsniveau aller teilnehmenden Mannschaften noch sehr unausgeglichen war. Jetzt allerdings bewegen wir uns auf absolutem Youth Champions League-Level. Die verbleibenden 16 Mannschaften spielen alle auf Augenhöhe, jeder kann jeden schlagen, und wie knapp Sieg und Niederlage beieinander liegen können, haben wir ja zuletzt gesehen. Aber genau das wollen wir, und darauf haben wir hingearbeitet. Wir wollen uns in möglichst kompetitiven Wettkämpfen messen und auf diese Weise unsere Spieler auf einem noch besseren Niveau ausbilden bzw. weiterentwickeln. Daher freuen wir uns, dass wir in der Youth League noch dabei sein können und vor allem, dass wir in diesem Bewerb auch bestehen können.

Wie du bereits vorweggenommen hast, ist unser U19-Kader eigentlich ein ziemlich zusammengewürfelter Haufen. Trotzdem hat diese Mannschaft in der Youth League bisher einen nahezu makellosen Bewerb gespielt. Was war aus deiner Sicht die größte positive Überraschung?

Es war für mich sehr schön, zu sehen, dass wir als Mannschaft wesentlich besser funktioniert haben als Manchester City. Wir haben gut verteidigt, haben viele Bälle gut erobert und es ist uns gelungen, die starken Individualisten, die der Gegner auf den Flügeln hatte, immer wieder „aufzudoppeln“. Auf diese Weise konnten wir ihnen sprichwörtlich „den Zahn ziehen“, und das hat mit zunehmender Spieldauer immer besser geklappt. In der zweiten Halbzeit haben wir den Gegner sogar regelrecht dominiert. Das war schon sehr auffällig und von daher auch eine sehr angenehme und positive Überraschung.

Nun haben wir mit Paris Saint-Germain erneut einen echten Topgegner gezogen. Wie muss die Mannschaft gegen die Franzosen auftreten bzw. was müssen wir besser machen, um auch das Achtelfinale in der Youth League zu überstehen?

Wie schon gesagt, haben wir gegenüber PSG mit unseren technischen und taktischen Fähigkeiten sicher ein Ass im Ärmel und müssen daher so auftreten, wie wir es im Spiel gegen Man City gezeigt haben. Was wir dringend verbessern müssen, ist die Chancenverwertung. Gegen einen Gegner wie Paris Saint-Germain kann sich das schnell rächen, wenn wir zu viele Chancen auslassen. Sie haben die Klasse, besser als Man City verteidigen zu können, und da werden wir wohl nicht so viele Tormöglichkeiten bekommen. In der Regel werden Spiele auf diesem Niveau anhand von Kleinigkeiten entschieden, und da muss man auch in der Lage sein, aus wenigen Chancen Tore zu erzielen.

Welchen Stellenwert hat die Youth League im internationalen Vergleich und wie wichtig ist so ein Wettbewerb für den Klub?

Für uns ist dieser Wettbewerb enorm wichtig, weil wir auf nationaler Ebene nicht die Möglichkeiten haben, uns auf diesem hohen Niveau mit anderen Mannschaften zu messen. Wir spielen in der Meisterschaft bis Herbst und dann wieder im Frühjahr. Daher sind wir froh, wenn wir in der spielfreien Zeit im Winter an einem so wichtigen Wettkampf teilnehmen können. Natürlich kann das zu einem Problem für den FC Liefering werden, denn in der Sky Go Ersten Liga fängt die Meisterschaft jetzt an. Wir nehmen aber die Herausforderung an und gehen das Risiko ein, denn die Youth League ist für die Weiterentwicklung unserer Akademiespieler von enormer Bedeutung.

Wenn du für das Match am Dienstag einen Wunsch frei hättest, der nichts mit der sportlichen Leistung unserer Mannschaft zu tun hat, was wäre das?

Ich kann mir nichts für unsere Mannschaft wünschen, das nicht auch etwas mit der sportlichen Leistung zu tun hat! Ich wünsche mir, dass wir am Dienstag ein faires und verletzungsfreies Match spielen und dass es ein unvergessliches Erlebnis für die Jungs wird. Ich hoffe, dass die bessere Mannschaft gewinnt.

Die letzte Partie war ja mit über 2.000 Zusehern schon sehr gut besucht. Warum sollte man als fußballbegeisterter Zuseher dieses Spiel auf gar keinen Fall verpassen?

Paris Saint-Germain ist eine Topmannschaft mit enormer Strahlkraft, und dazu ist die Stadt inklusive Umland wohl der beste Talente-Hotspot der Welt. Ich habe beim letzten Spiel in der Red Bull Arena viele Menschen sagen hören, wie begeistert sie von der Art und Weise waren, wie wir Fußball gespielt haben. Es freut mich, zu sehen, dass bei so vielen Menschen der Funke übergesprungen ist und sie die Begeisterung für unseren Nachwuchs teilen. Die Entwicklungsstufen unserer Spieler auf diese Weise mitzuerleben, ist ja etwas sehr Schönes und auch Verbindendes, auf das wir alle stolz sein können. Auch wenn uns allen bewusst ist, dass die Österreichische Fußball-Bundesliga für die Besten unter ihnen irgendwann zu klein wird und unsere „Stars von morgen“ dann ihren weiteren Karriereweg im Ausland machen werden. Es ist aber dennoch ein erhebendes Gefühl, immer zu wissen, dass wir es waren, die sie auf diesem Weg begleitet haben.