Was es bedeutet, ein Fan mit besonderen Bedürfnissen zu sein | Der erste „Ghostwriter“ unserer neuen Blog-Serie lässt uns an seinen Gedanken zu seinem Herzensverein teilhaben

Wir haben unseren heutigen 83. Gründungstag zum Anlass genommen, eine neue Serie auf unserer Website und im FAN-PORTAL zu beginnen, mit der wir jenen besonderen Menschen im Umfeld des Vereins eine Stimme geben wollen, die uns ihre Geschichte erzählen, besondere Erlebnisse mit uns teilen oder uns manchmal auch einfach nur an ihren Gedanken teilhaben lassen wollen. An jedem 13. des Monats wird um 19:33 Uhr unter dem Synonym „GHOSTWRITER“ eine Eurer Geschichten als Blog-Eintrag veröffentlicht.

Wir hätten uns als ersten „Ghostwriter“ keinen Besseren wünschen können, als einen von euch, den viele, die dem Verein nahestehen, sehr gut kennen. Seine Worte haben uns bewegt und auch zu dieser Serie inspiriert. Vielleicht findet ihr euch ja in dem einen oder anderen seiner Gedanken wieder:

BLOG

Ich bin ein Mensch mit besonderen Bedürfnissen und wegen meiner Behinderung auf die Unterstützung von anderen Menschen und technischen Hilfsmitteln angewiesen, um mein Leben zu meistern. Aus diesem Grund kann ich mit Veränderungen – egal welcher Art – nur ganz schlecht umgehen, denn wenn nur ein Teilchen, Rädchen und Schräubchen nicht wie gewohnt ineinandergreift, bedeutet das für mich große Mühe und zum Teil auch schmerzhafte Konsequenzen. Ich kann nicht ohne die Mithilfe von anderen Menschen ins Stadion kommen, um unsere Mannschaft anzufeuern, und es ist mit enormem organisatorischen Aufwand verbunden, wenn ich sie zu den internationalen Spielen in ganz Europa begleite. Doch unsere Spieler haben mir das ermöglicht, und es gibt Menschen im Verein, die mir alle organisatorischen Dinge diesbezüglich abnehmen.

Mir wurde die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den ersten Blog-Eintrag auf unserer Website zu veröffentlichen, und ich fühle mich geehrt, dass der Verein mich dazu auserwählt hat, denn es ist ein wunderbares Geschenk und ein Zeichen der Wertschätzung, das mich mit Stolz erfüllt.

Viele von euch, die mich kennen, wissen, dass ich ein Mensch mit Herz und Verstand bin, nur kann ich mich nicht so ausdrücken, wie ihr es gewohnt seid. Aber wie heißt es so schön: Die Gedanken sind frei! Und in diesem Sinne darf ich heute auf diesem Weg meine Worte an euch richten.

Ich bin so oft es geht beim Training in Taxham und beobachte seit vielen Jahren die Fortschritte unserer Spieler. Jedes Mal, egal wie die Situation in der Mannschaft gerade ist, hat man mir das Gefühl gegeben, ein Teil von ihnen zu sein, und diese liebevolle Anteilnahme und Solidarität sind für mich wie Medizin.

Wie bereits gesagt, kann ich nicht gut mit Veränderungen umgehen, und leider musste ich in den letzten Jahren die Abgänge vieler mir lieb gewonnener Spieler miterleben. Aber Fußball bedeutet manchmal Veränderung! Leben bedeutet Veränderung! Ein ständiger Wechsel von Sieg und Niederlage, Höhen und Tiefen und ja … Kommen und Gehen! Als Roger Schmidt damals den Verein verlassen hat, war ich sehr traurig. Er ist ein großartiger Mensch und ich hätte gerne noch die Möglichkeit gehabt, ihn noch einmal zu treffen. Aber selbst wenn so wunderbare Menschen und so tolle Spieler, wie Kevin, Sadio, André und zuletzt auch Martin den Verein verlassen haben, trafen sie diese Entscheidung für sich selbst. Ich bin stolz darauf, diese Menschen kennengelernt und ihre Entwicklung beim FC Red Bull Salzburg miterlebt zu haben. Ich freue mich auch in Zukunft über jeden ihrer Erfolge, denn ich werde immer wissen, dass wir alle einen Teil dazu beigetragen haben, dass unsere Spieler so weit gekommen sind.

Aber die Ereignisse der letzten Tage haben auch mich nicht kaltgelassen! Ich verstehe die Motivation und Argumentation von Fans und Verein gleichermaßen, aber die Richtung, die diese Dynamik genommen hat, macht mich nachdenklich.

Wir müssen als Fans eine wichtige Sache unterscheiden: Um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können und es zu ermöglichen, dass sich unser Nachwuchs weiterentwickeln kann, braucht es Menschen, die etwas von diesem Geschäft verstehen, damit alle Teilchen, Rädchen und Schräubchen ineinandergreifen. Fragen wir uns doch mal selbst, wie leicht es ist, die Arbeit anderer zu kritisieren, wenn ihr nicht selbst die Verantwortung für die Entscheidungen tragen müsst.

Wenn wir als Fans im Verein Mitspracherecht haben wollen, dürfen wir diese Macht nicht über Dritte oder die Medien ausspielen, denn so haben wir uns auseinandertreiben lassen und das Wesentliche aus den Augen verloren: Es geht nicht um die Vergangenheit, die wir nicht mehr rückgängig machen können, sondern um die Gegenwart. Es geht um den Moment auf dem Spielfeld, von dem Augenblick an, wo unsere Spieler das Feld betreten, bis zu dem Moment, wo wir sie mit Applaus wieder verabschieden und ihnen entweder Lob und Anerkennung oder Trost und Aufmunterung mit auf den Weg in die Kabine geben. Unsere Macht liegt darin, Präsenz auf den Rängen zu zeigen. Es ist unsere Aufgabe, gemeinsam mit unserer Mannschaft für Tradition, Geschichte, Erfolge und neue Meilensteine zu sorgen. Zeigt Einigkeit, Solidarität, Loyalität, Entschlossenheit! Nur so sind wir stark! Nur so zeigen wir unseren Gegnern, dass wir unbesiegbar sind! Steht zusammen! Schwört euch ein! So wie unsere Jungs das auf dem Feld tun!

Zum Abschluss möchte ich noch Oscar Garcia danken, dass er die Arbeit mit unserer Mannschaft weiterhin fortsetzen möchte! Besonders hat mir gefallen, wie er nach dem unglücklich verloren gegangenen Spiel gegen Dinamo Zagreb die Spieler im Mittelkreis zusammenrief, sie einschwor und ihnen Mut machte. Es bleibt zu hoffen, dass er uns noch lange erhalten bleibt und seinen Weg konsequent weitergeht, dann können wir mit unserer Mannschaft sicher noch viele Erfolge feiern!