Zwischen dem Fußball und den Medien herrscht ein ambivalentes Verhältnis, doch solange beide Seiten dem höheren Ziel dienen, die gesellschaftliche Verantwortung und die positiven Aspekte des Fußballs in den Vordergrund zu stellen, ist diese Diskrepanz durchaus gesund.

Aber was ist überhaupt das gemeinsame höhere Ziel, dem sich Fußball und Medien gleichermaßen verschreiben sollten? Ganz einfach: Alles was dazu beiträgt, ein gutes Gleichgewicht zwischen Objektivität und Wahrheit auf der einen bzw. Leidenschaft und Begeisterung auf der anderen Seite darzustellen, trägt zur Glaubwürdigkeit unseres Sports bei. Ohne diese Glaubwürdigkeit wäre der Fußball keine Inspiration für unser Leben und seine Idole keine Vorbilder für unsere Jugend! Das ist doch ein Ziel, das es sich zu erhalten lohnt, nicht wahr?

 

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„Erinnert Ihr euch an die EURO 2016? Als Weltfußballer Cristiano Ronaldo einem Reporter das Mikrofon entriss und kommentarlos im nahe liegenden Teich versenkte? Möglicherweise war das von einem Marketingstrategen nur inszeniert, um Aufmerksamkeit zu erregen, die Botschaft dahinter ist aber auch so unmissverständlich angekommen. Die Beziehung zwischen Profifußballern und Journalisten ist eine ambivalente.

Was darf ein Journalist? Was der Fußballer? Und wo haben Kumpanei und Kritik ihre Grenzen? Einerseits büßt der Journalist durch allzu gut gemeinte Hofberichterstattung seine Glaubwürdigkeit ein, er macht sich zum Teil des Systems, des Vereins. Andererseits: Legt man den Finger allzu oft in die Wunde, deckt als Hardliner Skandale auf und übt Kritik, verbaut man sich seine Informationsquellen. Konflikte erschweren die Arbeit. Wo also ist der goldene Mittelweg? Oder gibt es den gar nicht mehr in der heutigen, aufgeblasenen Medienwelt mit ihren marktschreierischen Onlinekanälen?

Interessant ist das Phänomen, dass die Glaubwürdigkeitskrise der Medien inzwischen auch den Fußball erreicht hat. Es geschieht nur unter umgekehrten Vorzeichen. Sportjournalisten sind immer öfter den Vereinen als Informationsquelle ausgeliefert. Während die Spieler selbst immer weniger sagen, aus Angst vor einer öffentlichen Vorverurteilung oft auch keine klaren Standpunkte beziehen und damit lieber auf Distanz gehen, feuern die Clubs selbst aus allen möglichen Kanälen. Längst haben die Vereine die Vermarktung und die externe Kommunikation selbst übernommen. Auch Red Bull Salzburg berichtet großflächig im Internet. Pressekonferenzen werden via Livestream übertragen, von Trainings und Testspielen gibt es Audio- und Videomitschnitte, und selbst die Interviewführung mit dem Betreuerstab hat ein Vereinsmitarbeiter übernommen. Information ohne Ende.

Aber wenn alle gleichzeitig reden, hört dann überhaupt noch jemand zu? Ich behaupte deshalb: Mehr denn je werden unabhängige, kritische Journalisten benötigt. Wenn die Grenze zur PR verschwimmt, wird Fußball in den Medien irgendwann zur reinen Unterhaltungsware. Zu einem Produkt, das – durch seine auf die eigenen Interessen zurechtgeschliffenen Themen – irgendwann nicht mehr polarisiert, keine Ecken und Kanten mehr bietet und damit ungreifbar wird.

Die Diskrepanz zwischen Inszenierung und Wahrhaftigkeit dürfte nirgends so groß sein wie im Fußball. Die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ fand dafür ein plakatives Beispiel: Viele Fans können sich nicht vorstellen, dass jemand ein Fußballspiel nicht nach Gefühl und Vorliebe bewertet, sondern dies kühl und analytisch tut. Jede Äußerung schreiben sie einem Lager zu. So galt der langjährige deutsche Sky-Kommentator Marcel Reif unter Bayern-Fans als Bayern-Hasser und Dortmund-Fan, Dortmund-Fans hingegen halten ihn für einen Dortmund-Hasser und Bayern-Fan. Des Weiteren schrieb „Die Zeit“: Reif mag eitel sein, und manchmal verliebt er sich zu früh in sein Fazit. Doch der wahre Grund, warum er provoziert, ist: Er ist kritisch.“