Passend zur Adventszeit haben wir uns im vierten Teil unserer Serie „Ghostwriter“ folgenden Fragen gewidmet: Welche Lehren für unser Dasein in der Welt ziehen wir aus dem Fußball? Wie und Woran glauben unsere Spieler und inwieweit verbindet der Glaube an ein gemeinsames Ziel die Mannschaft mit ihren Fans? Wir haben einen unserer Spieler gefragt, der uns an seinen ganz persönlichen Gedanken dazu Teilhaben hat lassen. 

BLOG

„Manche Worte sind so stark, dass sie uns, müsste man sie laut aussprechen, fast erdrücken. Für mich sind es die Worte der Bibel, die ich versuche zu verstehen, weil sie mich tief in meinem Innersten berühren.

Als Profi-Fußballer leben wir sehr in der Öffentlichkeit und in unserer modernen Zeit sogar in mehreren Öffentlichkeiten gleichzeitig. Daher müssen wir oft – wenn wir nicht wollen, dass unsere Persönlichkeit und unser Glaube unter die Räder kommen – mit einer starken Stimme und mit fester Überzeugung vermitteln, wer wir sind. Ist aber etwas so Universelles wie der Glaube an Gott mit etwas so zutiefst Irdischem wie Fußball überhaupt vereinbar?
 
Ja … in der lauten, manchmal oberflächlichen und kommerziellen Welt des Fußballs ist der Glaube allgegenwärtig! Der Fußball hat schon einen sehr hohen Stellenwert in unserem täglichen Leben, und das merkt man schon alleine daran, wie viel unsere Fans auf sich nehmen, um uns bei unseren Spielen zu unterstützen – sogar ihr letztes Hemd geben, um das Gefühl zu haben, Teil unserer Mannschaft zu sein. Der Begriff „zwölfter Mann“ ist etwas, das diese Verbundenheit zwischen Mannschaft und Fans meiner Meinung nach am ehesten beschreibt. Wir sind mit den Zuschauern auf den Rängen genauso verbunden wie untereinander als Mannschaft, und diese Dynamik, diese Energie, spüren wir ganz deutlich und ohne sie würde etwas ganz Essenzielles fehlen.

Es ist also gar nicht so abwegig, Parallelen zu ziehen zwischen dem Spiel an sich und unserem Dasein in der Welt. Durch die Symbolik des Spiels erfahren wir immer wieder die Zusammenhänge zwischen der Macht der Verbundenheit, der Macht der Gegensätze und der Macht der Anziehung und der inneren Mächte.  Im Fußball wie im Leben lernen wir, dass wir unterschiedliche Fähigkeiten besitzen, und nur wenn wir zusammenhalten, zusammenstehen und zusammen kämpfen, können wir etwas gemeinsam erreichen. Im Fußball wie auch im wahren Leben kommt es vor, dass du dich nicht mit jedem gleich gut verstehst und trotzdem eint uns das gemeinsame Ziel über die Differenzen oder persönlichen Unterschiede hinweg. 
 
Viele Fußballer finden über den Glauben an eine göttliche Macht den Glauben an sich selbst und das meist auf ganz unbewusste und natürliche Weise. Die Welt sieht uns dabei zu wie wir scheitern, fallen, uns wieder aufraffen, bis zum Umfallen kämpfen, Siege feiern, nur um nach Niederlagen wieder aufzustehen und weiterzugehen … ein ewiger Kreislauf und im Prinzip sinnbildlich für unser ganzes Leben. Der Fußball ist in Wahrheit nicht anderes als die Darstellung und Verkörperung der Quintessenz unseres Daseins. Oft sehen wir, dass Spieler bei einem wichtigen Spiel, sobald sie den Rasen betreten, den Boden berühren, sich bekreuzigen oder den Blick in den Himmel richten. Nicht jeder tut das, weil er einen tiefen Glauben hat oder sich mit der Transzendenz verbinden möchte. Für manche ist es ein Ritual. Du verbindest dich auf diese Weise mit einer höheren Macht, einer göttlichen Kraft, die dich für einen Moment durchströmt, dich erhebt und gleichzeitig erdet.
 
Ich habe meinen Weg zu Gott nicht über einen Schicksalsschlag gefunden, sondern über den Höhepunkt meines bisherigen Lebens – der U17-Europameisterschaft 2009.  Dieser Prozess hat sich aber erst entwickelt und wurde von vielen Menschen u. a. Kollegen, Wegbegleitern, Familie und Freunden begleitet. Durch meine Verletzung im letzten Jahr wurde mein Glaube sehr auf die Probe gestellt. Ich habe diese Feuertaufe aber überstanden, auch wenn das nicht immer leicht war und meine theologischen Strukturen schon sehr ins Wanken gebracht hat. Heute weiß ich, dass der Leidensweg, den wir alle im Laufe unseres Lebens auf unterschiedliche Weise erfahren, ein wichtiger Bestandteil des Glaubens an sich ist.

Ich wünsche euch frohe Weihnachten, eine friedliche, besinnliche Zeit mit eurer Familie und für euch und eure Lieben Glück und Gesundheit!"