im Fünften Teil unserer Serie „Ghostwriter“ widmen wir uns dem Thema „Integration“ bzw. unter anderem den Fragen: Welche Gedanken sollte sich ein FußballVerein zu diesem Thema Machen und Welche Störfaktoren im Umfeld eines Jungen FussballSpielers gibt es, die Integration Verlangsamen können.

BLOG

„Das Thema Integration in einer Fußballmannschaft zu beschreiben, ist sehr schwierig und komplex, wird aber im internationalen Profi-Business immer wichtiger bzw. immer ernster genommen. Da wir uns beim FC Red Bull Salzburg dazu entschlossen haben, mit jungen Spielern aus aller Welt zusammenzuarbeiten, sehen wir uns dazu verpflichtet, diesen als Verein auch so zu begegnen, dass der Wechsel des Umfeldes und der Lebensumstände möglichst keine Probleme mit sich bringt und sie sich bestmöglich einbringen und ihre individuelle Art und Persönlichkeit entfalten können. Dahinter stecken zwar auch wirtschaftliche Aspekte, denn mit der Verpflichtung eines jungen hoffnungsvollen Fußball-Talentes sind mit dessen Ausbildung und Weiterentwicklung zum Profi hohe Kosten verbunden, die somit ein Risiko darstellen würden, wenn der Spieler seine Qualität nicht entfalten kann, weil er sich nicht in das Team einfügen kann. Aber für uns spielt gerade daher die soziale Verantwortung, die wir gegenüber unseren Spielern haben, eine deutlich übergeordnetere Rolle.

Jeder 10-Jährige, der heute irgendwo in Afrika gegen den Ball tritt, wünscht sich nichts mehr, als ins gelobte Land nach Europa zu kommen, um dort Profi-Fußballer zu werden. Aber nicht für jeden kann dieser Traum wahr werden und die Folgen sind – dargestellt in ihrer schrecklichsten Form – ganze Straßenzüge voller obdachloser Fußballspieler in Paris, die auf diesem Weg gescheitert sind. Es gibt leider zu viele traurige Beispiele dafür, wie viel in der Biografie eines hoffnungsvollen Fußballtalentes schiefgehen kann. Es passiert sehr oft, dass junge Talente mit Beratern, Anwälten und anderen Zuflüsterern nach Europa gelockt werden, dann meist aus banalen Gründen fallen gelassen werden und plötzlich ganz alleine dastehen.

Spieler, die aus dem Ausland zu uns kommen, werden zuerst mit den ganz offensichtlichen unterschiedlichen Lebensumständen konfrontiert: die Sprache, das Klima etc. Dazu kommen kulturelle Unterschiede, die sich häufig in anderen Verhaltensweisen, auch im Alltag einer Fußballmannschaft, äußern.

Sehr wichtig für einen Spieler, der aus dem Ausland zu uns kommt, ist natürlich der Spracherwerb und generell die Bereitschaft. sich mit anderen Menschen verständigen zu wollen. Integration ist aber kein Prozess, der messbar, bewertbar oder irgendwann abgeschlossen ist. Es ist vielmehr ein dynamischer Prozess, der sich am ehesten im Mannschaftsgefüge äußert.

Spieler mit unterschiedlicher Herkunft und ganz eigenen Stärken und besonderen Qualitäten bereichern das gesamte Team, aber nur dann, wenn jeder seinen Teil dazu beträgt. Genau da setzt unserer Meinung nach die Integration an. Wir wollen, dass die Spieler – egal welcher geografischer und kultureller Herkunft bei uns ihre individuellen Stärken weiterentwickeln können. Deshalb ist es auch so wichtig, dass sich die Jungs so schnell wie möglich und so gut wie möglich wohlfühlen.

Wenn also in einer Nachwuchsmannschaft ein Japaner, ein Kroate und die restlichen Österreicher nur zum Spaß den ghanaischen Slang Twi" ihrer afrikanischen Mitspieler erlernen, dann ist das ein anschauliches Beispiel dafür, wie unvorhersehbar sich Integration entwickeln kann.

Die Quintessenz von Integration ist nach unserem Verständnis und dem Kommittment dessen, wozu wir uns als Verein verpflichtet haben, auf einen gemeinsamen Nenner gebracht nicht nur die Eingliederung eines Spielers in die Mannschaft, sondern für uns dann als Erfolg zu werten, wenn das Mannschaftsgefüge mit all seinen unterschiedlichen Typen, Kulturen, Religionen und Herkünften harmonisch ineinandergreift. Ist dieses Ziel erreicht, können wir das auch als erfolgreiche Integration bewerten, und das gelingt uns immer besser.“