Wie hat sich Salzburgs Profi-Fussball im Laufe der Zeit verändert und wohin wird er sich entwickeln?

In unserer Neuen Serie „GHOSTWRITER“, Die An jedem 13. des Monats um 19:33 Uhr unter diesem Synonym als Blog-Eintrag veröffentlicht Wird, WiDMEN WIR UNS Diesmal DEM THEMA „Wandel und Generationen“ und Haben Jemanden Gefragt, der aus Erster Hand erzählen kann, wie sich das Profi-Geschäft Im Fussball im Laufe der Jahre Entwickelt haT.

Wie beschreibt ein ehemaliger Salzburger Fußball-Profi die Unterschiede zwischen seiner aktiven Karriere damals im Vergleich zu heute? Wie hat sich die Spielweise verändert, welche Spielertypen sind heute gefragt und was macht ein junges Fußball-Talent für den FC Red Bull Salzburg interessant?

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Der Fußball ist im ständigen Wandel, aber im nationalen Vergleich waren die Salzburger ihrer Zeit schon immer einen Schritt voraus. Zu meiner aktiven Zeit war es schon etwas Besonderes, dass wir die erste Mannschaft in Österreich waren, die mit einer Viererkette spielte. Damals waren die meisten Teams vorwiegend noch mit einem Libero und zwei Innenverteidigern aufgestellt. Aber mit der Zeit hat sich die Spielweise drastisch verändert. Der moderne Fußball ist enorm dynamisch, unglaublich schnell und sehr intensiv. Daher braucht ein Spieler heutzutage nicht nur die körperlichen Voraussetzungen, sondern auch überdurchschnittlich hohe kognitive Fähigkeiten. Wir waren auch die erste Mannschaft, die hierzulande seit ein paar Jahren mit dem aggressiven Kurzpassspiel den Gegner reihenweise schwindlig spielte und so die Zuschauer begeisterte.
 
Aber nicht nur die Spielweise hat sich verändert, sondern auch die Spielertypen. Heute ist alles – durch die Möglichkeiten, die Social Media bieten, um sich zu präsentieren – sehr viel gläserner geworden. Obwohl einige Spieler auch viel Privates zur Schau stellen, heißt das aber nicht zwangsläufig, dass sie so mehr Nähe zu ihren Fans aufbauen, denn der Salzburger Fußball-Fan ist meiner Erfahrung nach authentische Nähe gewohnt. Als ich 1996 mit meiner Familie nach Salzburg kam, war ich erstmal überrascht, dass wir alle nach einem Spiel immer sofort in den Pitterkeller gingen. Da gab es zwar für uns immer einen abgetrennten Bereich, wo die Spieler und ihre Familien essen und zusammensitzen konnten, aber wir haben uns dann unters Volk gemischt und uns mit unseren Fans unterhalten. Egal, ob du gewonnen oder verloren hast. Das kannte ich von meiner bisherigen Profikarriere zuvor so auch noch nicht, aber das war hier so üblich, und es war eine tolle Zeit. Doch obwohl sich das Naheverhältnis zwischen Spielern und Fans etwas geändert hat, feiern die Salzburger ihre Idole nach wie vor.
 
Aber auch das Geschäft rund um den Fußball hat sich verändert. Der Spielermarkt ist eine Art Wettkampf geworden und speziell in dieser Transferperiode fiel auf, dass die Summen exorbitant gestiegen sind. Grund dafür ist auch der TV-Deal der englischen Premier League mit Asien. Das hat auch Folgen für den gesamten europäischen Fußball, denn es wird immer schwieriger, gute Spieler zu verpflichten, zumal ja auch die Spielerberater bei jedem Deal mitschneiden und somit eine Art Selbstregulierung des Problems verlangsamen. Seit einigen Jahren gelingt es uns aber dennoch immer wieder auch junge Ausnahmetalente zum FC Red Bull Salzburg zu holen und auszubilden. Das größte Talent derzeit ist wohl der erst 17-jährige Dayot Upamecano, der schon nach kurzer Zeit Fans, Medienvertreter und Experten mit seinen enormen Fähigkeiten begeistern konnte und sogar gegnerische Trainer Lobeshymnen über ihn singen ließ – das kommt auch nicht alle Tage vor!
 
Aber auch ein anderer Markt ist in den letzten Jahren für uns sehr interessant geworden. In Japan und Südkorea konnten wir über einen längeren Zeitraum junge Talente beobachten, die noch nicht auf dem Schirm europäischer Großklubs waren, und haben mit Takumi Minamino, Hee Chan Hwang und Masaya Okugawa drei hoffnungsvolle Talente für die Zukunft gewinnen können. Alle drei haben ihr Potenzial bereits unter Beweis gestellt und werden uns hier noch viel Freude bereiten. 
 
Ja, der Fußball ist im Wandel, aber wohin er sich entwickeln wird, kann man noch nicht mit Sicherheit sagen. Besorgniserregend sind die Tendenzen auf dem Spielermarkt allemal, unser Weg jedoch ist nach wie vor der richtige.