Der Beruf des Greenkeepers ist nichts für schwache Nerven. Warum? Das verraten wir euch in unserer Hintergrundserie zu diesem Thema.

In der Red Bull Arena – da sind wir uns sicher alle einig – darf nichts so ungestraft grün sein wie unser Rasen auf dem Spielfeld. Was einen Perfekten Fußball-Rasen ausmacht, und was alles daFür aufGEwendeT WERden mUss, damit es Im Winter oder bei extremen Temperaturen und Belastungen auch immer so bleibt, HAT UNS BEI EINEM GESPRÄCH JEMAND ERZÄHLT, der sich damit ganz Genau auskennt.

Einige von euch fragen sich bestimmt, warum wir euch für das Thema Greenkeeping in der Red Bull Arena begeistern wollen. Die Antwort darauf lautet: weil uns unsere Spieler darauf gebracht haben. Für unsere Jungs ist der Rasen im Trainingszentrum Taxham und in der Red Bull Arena ihr täglicher Arbeitsplatz und muss daher auch bestimmten Anforderungen gerecht werden, die eine gute Vorbereitung ermöglichen und kein Gesundheits- oder Verletzungsrisiko darstellen. Es ist aber auch der tägliche Arbeitsplatz von Chef-Greenkeeper Mario Scheibner und seinem Team, die dafür die Verantwortung tragen müssen.

Das Büro unseres Chef-Greenkeepers ist eigentlich eine Werkstatt in den Katakomben der Red Bull Arena und kein stylishes, gemütliches, klimatisiertes, lichtdurchflutetes Büro. Hier wird gearbeitet, und zwar 365 Tage im Jahr. Mario Scheibners Mitarbeiter sind zähe Burschen, die bei absolut jedem Wetter im Einsatz sind und nicht nur schwere Geräte bedienen, sondern oft selbst hart anpacken müssen. Aber trotz der anstrengenden und mühevollen Arbeit herrscht eine sehr positive und gute Stimmung in seiner Abteilung.

Bodenarbeit

Vor ein paar Wochen fuhr eine Horde schwerer Maschinen in Taxham auf – aber trotz Lärm und Staubbildung waren diese Störenfriede in unserem Trainingszentrum gern gesehen, denn der Zweck ihres Auftretens war aus der Sicht von Trainer und Mannschaft ein sehr erfreulicher. In unserem Trainingszentrum wurden nämlich mit viel Sorgfalt und Aufwand zwei Trainingsplätze erneuert. Den ganzen Sommer über trainierten unsere Jungs auf ihrem sogenannten „Lieblingsrasen“ an der Längsseite zur Autobahn, die beiden anderen Plätze wurden, weil sie mit der Zeit etwas zu weich und instabil waren, nur selten benutzt. Daher entschied man sich vor dem bevorstehenden Winter die zwei Plätze zu erneuern. Das Problem sind hauptsächlich auch Fremdgräser, die nicht für den Fußball geeignet sind, und sich in den bestehenden Rasen eingenistet haben und deshalb entfernt werden mussten - ein weitverbreitetes und unlösbares Problem. Mario Scheibner, Head-Greenkeeper beim FC Red Bull Salzburg, ist täglich in Kontakt mit dem Trainerstab und weiß daher genau, welche Probleme auftreten können, wenn ein Boden zu hart ist:

Wir bauen den Untergrund immer mit mehr Sand um ihn durchlässiger zu machen, was für das Wurzelwachstum und eine dichte Grasnarbe, die man damit erreichen möchte, wichtig ist. Für die perfekte Scherfestigkeit, also damit der Boden nicht holprig wird, rutscht oder reißt, somit also eine gute Haftung gegeben und der Boden kompakt, eben und weich ist – so wie unsere Spieler das gerne haben –, muss man also einen guten Mittelweg finden.

Im Nachwuchsbereich ist die Planung etwas leichter, weil man bei problematischen Wetterverhältnissen, wie etwa Frost oder Starkregen, schon mal leichter auf den Kunstrasen ausweichen kann. Bei den Profis ist das natürlich anders, denn die trainieren beinahe ausschließlich und bei jedem Wetter auf Naturrasen und nur in seltenen Fällen auf dem Kunstrasen.

Gegen die Kräfte der Natur

Das ist aber gar nicht so leicht, denn der angesprochene Mittelweg hängt zum Großteil auch von einem unplanbaren Faktor ab: dem Wetter!

In Salzburg regnet es sehr viel öfter als beispielsweise in Wien und daher muss der Boden bei uns durchlässiger gebaut werden, damit das viele Wasser besser abfließen kann. Um aber den Boden trotzdem für die Spieler weich zu machen, müssen wir sehr oft löchern. Außerdem wird in Taxham der Rasen im Sommer auch noch täglich gemäht. 

Das gilt aber freilich nicht nur für die Trainingsplätze, sondern natürlich insbesondere für das Spielfeld in der Red Bull Arena. Dort wurde der Rasen zuletzt 2014 ausgetauscht und der Untergrund erneuert:

Wir haben auch hier den Untergrund durchlässiger gebaut als zuvor und damit erreicht, dass das Wasser bei Starkregen schneller absinken kann. Seitdem mussten wir nie mehr ein Spiel absagen oder gar den Rasen großflächig aufgrund von witterungsbedingten Schäden nach einem Spiel austauschen.

Welche Folgen eine Spielabsage aufgrund von starken Regenfällen gehabt hätte, konnten wir zuletzt vor zwei Jahren im Heimspiel des Europa League-Gruppenspiels gegen Celtic Glasgow erleben. An diesem Tag regnete es so heftig, dass das Match kurz vor der Absage stand. Doch Mario Scheibner und sein Team konnten das Schlimmste verhindern und auch mit seiner Erfahrung, was die Wettersituation und die Bodenbeschaffenheit betraf, dafür sorgen, dass das Spiel dennoch stattfinden konnte.

... die Schlechten ins Kröpfchen

Sicher habt ihr schon mal gesehen, wie unmittelbar nach einem Match schon die ersten Ausbesserungsarbeiten auf dem Rasen durchgeführt wurden. Dort und da werden die Grasnarben zurechtgezogen und die Löcher gestopft. Am nächsten Tag werden die Schäden am Rasen aus dem Boden gestanzt und durch sogenannte runde „Stopfen“ ersetzt. Diese Stopfen werden aus einem Ersatzrasen, der in Taxham gelagert wird, entnommen und im Stadion wieder eingesetzt. Was zunächst mal aussieht wie „Schweizer Käse“ ist aber eine absolute Notwendigkeit, erklärt Mario Scheibner:

Nach einem normalen Spieltag setzen wir mindestens 500 neue Stopfen ein – 40 davon alleine im Torraum, aber im Winter können es schon mal auch 900–1.500 Stopfen sein. Das hängt davon ab, wie das Wetter ist und wie viel Spiele in der Woche auf dem Platz stattfinden.

Bis zu 3.000 Stopfen waren es auch schon mal, wenn wir drei Spiele in einer Woche in der Red Bull Arena absolvierten. Eine unglaubliche Anzahl und ein enormer Einsatz, der da von Mario und seinen Mitarbeitern und Helfern gefordert wird:

So erreichen wir aber, dass der Rasen immer auf einem Topniveau bleibt und über einen langen Zeitraum bespielbar ist. Seit wir 2014 den Rasen ausgetauscht haben, mussten wir nie mehr großflächige Teile, wie etwa im Torraum, austauschen. Im internationalen Vergleich versuchen wir mindestens das Niveau der deutschen Bundesliga zu halten, und das gelingt uns sehr, sehr gut. 

Der Rasenflüsterer

Warum entscheidet man sich, Greenkeeper zu werden? Wir wissen es nicht. Fakt ist aber, dass diesen Job nicht jeder machen kann, denn man braucht viel Begeisterungsfähigkeit, ein hohes und breit gefächertes Fachwissen, Muskelkraft, Ausdauer und starke Nerven.

Unterhält man sich mit Chef-Greenkeeper Mario Scheibner über seinen Job, wird einem schon nach wenigen Minuten klar: Ein Sportrasen ist ein hochsensibles Wesen, das mehr Zeit zur Pflege benötigt als ein normaler Mensch in die tägliche Körperpflege investiert.

Natürlich geht es bei unserem Beruf nicht nur um die reine Rasenpflege, sondern auch um eine Reihe anderer Dinge wie Unterboden, Maschinentechnik etc. und in diesen Bereichen muss man sich auch laufend fortbilden, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Speziell im mechanischen Bereich muss man sich immer wieder fortbilden, denn die Geräte werden im ausgeklügelter und damit leider auch sensibler bzw. auch schwerer zu warten. Die Geräte, mit denen wir arbeiten, sind zum Großteil computergesteuert, daher brauchen wir für die Fehler- und Wartungsdiagnostik natürlich auch die dementsprechende Steuerungselektronik.

Die Ausbildungsstufen gehen vom staatlich geprüften Platzwart über den staatlich geprüften Greenkeeper bzw. Chef-Greenkeeper. In den USA geht der Ausbildungsgrad sogar noch weiter bis hin zum Superintendent. Eine Qualifikation, die man benötigt, um zum Beispiel Golfplatz-Manager zu werden.