OSCAR GARCIA FÜHRTE DIE ROTEN BULLEN ZUM MEISTERTITEL UND CUPSIEG. IM INTERVIEW SPRICHT DER SPANIER ÜBER SEIN HALBES JAHR IN ÖSTERREICH UND SEINE NÄCHSTEN ZIELE.

Oscar Garcia
im Sommergespräch

Er führte die Roten Bullen in der Frühjahrs-Saison zu einem historischen Kluberfolg! Noch nie zuvor war es einer österreichischen Fußballmannschaft gelungen, drei Mal in Folge das Double zu gewinnen. Oscar Garcia, der mit einem Punktedurchschnitt von 2,42 Pkt. pro Spiel, der bis dato erfolgreichste Trainer beim FC Red Bull Salzburg ist, bleibt im Saisonabschluss-Interview allerdings gewohnt bescheiden: 

Herzlichen Glückwunsch zum Double! Wie fühlt man sich als österreichischer Meister?

Sehr gut. Ich bin sehr glücklich, weil man sieht, dass sich der Einsatz auszahlt. Mich freut es vor allem für die Spieler, die das ganze Jahr hart dafür gearbeitet haben.

Beschreiben Sie uns das Gefühl doch etwas genauer. Wie war es etwa beim Aufstehen am Tag nach der Meisterfeier?

(Lacht.) Ein bisschen müder als sonst. Nach all den Matches und den Feierlichkeiten war natürlich auch ich ein bisschen fertig. Aber nach all der Arbeit ist das eine schöne Müdigkeit.

Für Sie als Trainer war es der zweite Titel (nach der Meisterschaft 2013 in Israel mit Maccabi Tel Aviv, Anm.). Kann man die Erfolge miteinander vergleichen?

Es lassen sich tatsächlich ein paar kleine Parallelen finden. In Israel wartete die Mannschaft zehn Jahre lang auf einen Titel. Hier in Salzburg war man bei meiner Ankunft nicht wirklich von den Chancen auf den Gewinn der Meisterschaft überzeugt. Beide Male gab es Zweifel in der Mannschaft. Aber beide Male hat es schließlich geklappt.

Und wie gelang es, diese Zweifel auszuräumen?

Mein Team und ich haben versucht, die Spieler von unserer Spielidee, der Art und Weise, wie wir Fußball praktizieren wollen, und vom Wert der täglichen Arbeit, die dafür nötig ist, zu überzeugen. Wir haben Seriosität, Organisation und Professionalität vorgelebt, und dafür haben die Spieler in jedem Training und Spiel alles gegeben. Das muss man hoch anrechnen.

Sie loben Ihr Team, Sie loben Ihre Spieler. Wie groß ist Ihr Anteil am Titel?

Ich glaube nicht, dass es richtig wäre, hier auszurechnen, wer wie viel Anteil hat. Alles ist ein Verdienst des ganzen Teams. Jeder Einzelne hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir unsere Ziele erreicht und uns gemeinsam belohnt haben.

Wie sieht nach dem Titel nun ein erstes sportliches Resümee Ihres ersten Halbjahres aus? Was war gut, was weniger?

Positiv waren sicher die Entwicklung der Mannschaft, die viel Vertrauen in sich gewonnen hat, sowie die Fähigkeit der Spieler, zu verstehen, worauf es ankommt. Während einer Saison zu einem Verein zu stoßen ist nie einfach. Das heißt im Normalfall, dass irgendetwas nicht funktioniert. Und wenn etwas nicht funktioniert, braucht es eben manchmal etwas Zeit, um das zu verändern

Gibt es immer noch Dinge zu verändern, zu verbessern?

Selbstverständlich. Das ist aber auch gut so, weil es zugleich ein Ziel ist. Wir haben schon einiges verbessert, anderes muss noch verbessert werden. Und das ist unsere Aufgabe.

Meister zu werden heißt, der Beste zu sein. Also gilt es, das Beste zu verbessern. Nicht einfach, oder?

Einfach wird es sicher nicht. Das weiß der Klub auch. In den letzten Jahren ließ man viele Stammspieler ziehen, die nicht adäquat ersetzt werden konnten. Man hat auf die Jugend gesetzt. Doch mit den Jungen kann es etwas länger dauern, weil sie noch lernen und sich entwickeln müssen. Wenn man sich ansieht, wo Mane, Kampl, Alan und Co jetzt spielen, ist schnell klar, dass sie nicht leicht zu ersetzen sind. Was nicht bedeutet, dass die jungen Spieler dieses Niveau nicht erreichen können.

Wenn wir schon über Spieler sprechen. Welche Spieler wünscht sich Oscar Garcia? Wie steht es um die Planungen für die neue Saison?

Im Verein weiß man um meine Wünsche, welche Positionen verstärkt werden müssen. Jetzt heißt es abzuwarten, was möglich wird. Wir haben aber nicht über eine gewisse Anzahl an Spielern gesprochen. Wichtig ist, dass die Neuzugänge Qualität haben und das Kaderniveau noch einmal anheben. Ungeachtet des finalen Kaders sind die Planungen zur Vorbereitungsphase aber abgeschlossen.

Was lässt sich rückblickend zu den ersten Monaten in Österreich sagen?

Es ist eigentlich so wie erwartet. Ich habe die österreichische Liga, den FC Red Bull Salzburg und auch die anderen Vereine ja zuvor schon gekannt und regelmäßig beobachtet.

Gab es auch einen Spieler, der Sie heuer besonders überrascht hat?

Na ja. Es macht logischerweise einen Unterschied, ob du Spieler im Fernsehen oder live im Stadion siehst. Einige haben mich dahingehend schon überrascht. Im Positiven wie im Negativen. Wer genau, werde ich aber nicht erzählen (schmunzelt).

Welche Ziele setzen Sie sich fürs nächste Jahr?

Das Hauptziel ist es, die Spieler und unser Spiel ständig zu verbessern. Je besser unsere Leistung ist, desto näher kommen wir auch den Zielen, die wir uns realistisch gesetzt haben.

Ist das Erreichen der Champions League realistisch?

Das hängt von sehr vielen Faktoren ab: Wie haben wir uns verstärkt? Wie sieht die Auslosung aus? Der FC Red Bull Salzburg hat es noch nie geschafft, und das trotz Spielern wie Kampl, Mane oder Ilsanker. Man muss also realistisch bleiben. Innerhalb dieses Realismus werden wir aber versuchen, jede Möglichkeit, die sich ergeben sollte, zu nutzen.

Also lässt sich zusammenfassen. Es wird wieder nicht einfach, aber die Chance ist gegeben.

Dass es nicht leicht wird, steht zweifellos fest. Aber wir werden dennoch alles geben, um die Champions League zu erreichen, ja.

Welche Belohnung sind Titel für Sie persönlich?

Ein Titel macht mir sehr viel Freude. In erster Linie aber für die Spieler, die mehr davon haben. Meine Belohnung ist die Entwicklung der Mannschaft und das Eingeständnis der Spieler, dass sie bei mir etwas gelernt und sich verbessert haben. Das ist mir mehr wert als die Titel.

Fühlen Sie sich in Salzburg nach einem halben Jahr eigentlich schon heimisch?

Salzburg ist eine ruhige Stadt, die du schnell kennenlernst. Ich verbringe quasi den ganzen Tag in Taxham (im Trainingszentrum, Anm.). Eine kleine Stadtführung könnte ich aber schon geben, dennoch wissen viele meiner Freunde, die mich besuchen kommen, besser über die Stadt Bescheid als ich. Zumindest kann ich ihnen das Stadion zeigen (lacht).

Wie verbringen Sie die freien Wochen nach Ende der Meisterschaft. Schalten Sie vom Fußball ab?

Nein, das ist unmöglich. Und darüber hinaus gefällt er mir auch zu gut (lacht). Wenn du im Urlaub bist, wartest du am Telefon auf Infos über mögliche Verstärkungen oder gehst die Vorbereitung noch einmal durch. Für die Familie ist das natürlich nicht einfach. Aber ich versuche so gut es geht, mich ein paar Tage nur ihr zu widmen.