Das Interview mit unserem kopfballstarken Innenverteidiger Paulo Miranda

Ein Interview Mit Paulo Miranda sind Wir Euch – vor allem aber ihm – schon lange Schuldig geblieben, denn nach seiner langen VerletzungSpause Feierte er im AuswärtsMatch gegen die AdMira sein ComeBack und Krönte dieses Gleich mit seinem dritten Tor Für die Roten Bullen – Sein drittes per Kopf. Im Interview Verrät er uns, wie Wichtig es ist, die Nähe der Fans auf dem Platz zu SPÜREN, wie sehr er sich mit seiner Familie in Salzburg wohlfühlt und wer ihm besonders anS Herz gewachsen ist.

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie es sich wohl für einen gegnerischen Spieler anfühlen muss, wenn ein Paulo Miranda in vollem Lauf und mit offenem Visier auf einen zu gerannt kommt? Alleine dieses Bild vor Augen lässt vielleicht den einen oder anderen innerlich erschaudern, aber man bekommt durch diese Vorstellung einen ziemlich realistischen Eindruck davon, dass eine Begegnung auf diese Weise meist nicht zum Vorteil für den Gegner ausgeht. Eine Mutprobe ist es aber allemal.

Apropos Mutprobe! Die nächsten, die dazu Gelegenheit bekommen werden im Duell mit Paulo Miranda und Co.  ihren Mut zu beweisen, sind unsere beiden Gegner, Cobras 09 und Wildboys 90, die im Finale der diesjährigen Stierwoscha TrophyDas Testspiel gemeinsam mit Raiffeisen Salzburg (Freitag, 07. Oktober 2016 – Ankick ist um 19:30 Uhr – freier Eintritt in die Red Bull Arena – für Verpflegung sorgt der geöffnete Kiosk auf der West-Tribüne) auf den FC Red Bull Salzburg treffen werden. An dieser Stelle wünschen wir euch noch mal viel Glück, Jungs!

Wer aber Paulo Miranda einmal kennengelernt hat, der weiß, dass hinter dem rauen Bad-Boy-Image ein liebevoller Familienvater, ein loyaler Teamkamerad – und was viele vielleicht noch nicht wussten – ein Spieler mit Mentoren- und Führungsqualitäten steckt. 

Stierwoscha Trophy – Nur was für die ganz Mutigen!

Interview

Paulo, es war längstens an der Zeit, dich mal wieder zu einem Interview zu bitten, aber nachdem du dich mit deinem dritten Kopfball-Tor kürzlich dafür ja regelrecht aufgedrängt hast, kamen wir natürlich nicht darum herum, dieses Versäumnis schnellstmöglich nachzuholen. Die erste Frage daher: Was macht dich im Moment so stark?

(Lacht!) Nicht mehr oder weniger als das, was uns alle im Moment so stark macht. Die Hingabe, für die Mannschaft alles zu geben, das harte Training und im Spiel das Beste aus uns herauszuholen – das treibt uns alle an und macht uns stark.

Unsere Fans schätzen deine Offenheit und dein Verständnis für ihr Bedürfnis nach Nähe. Ist dir das bewusst?

Ja, das bekommt man natürlich mit, aber so geht es nicht nur mir alleine. Es ist etwas, das wir alle als Mannschaft spüren, und das ist unglaublich wichtig für uns. Speziell im letzten Heimspiel gegen Sturm war diese Verbundenheit enorm stark zu spüren. Wir haben gekämpft bis zum Umfallen, und den Gegner – trotz zwei Mann weniger auf dem Platz – dominiert. Am Ende eines solchen Spiels weißt du, was dir alles wehtut, aber die Solidarität auf den Rängen hat uns da durchgetragen. Unbeschreiblich!

Auch auf Social Media lässt du viele von ihnen ein bisschen Teil an deinem Leben haben. Hast du damit auch schon schlechte Erfahrungen gemacht?

Nein, nicht ein einziges Mal! Im Gegenteil! Es gefällt mir, auf diese Weise mit unseren Fans in Kontakt zu sein, und ich teile gerne auch mal private Einblicke, um auch ein bisschen zu zeigen, wie dankbar ich bin hier zu sein und mit meiner Familie in einer so schönen Stadt wie Salzburg leben zu dürfen. So gut es geht versuche ich auf die Kommentare zu antworten, manchmal sogar in Deutsch, aber leider fehlt mir auch oft die Zeit.

Besonders vielen ging dein Foto unter die Haut, das dich mit deinem Gipsfuß vor dem Fernseher sitzend zeigt, als du deine Jungs beim Champions League-Qualifikationsspiel auswärts gegen FK Partizani Tirana angefeuert hast.

Damals ging es mir wirklich gar nicht gut und ich hatte große Schmerzen, und hatte auch große Sehnsucht danach, mit ihnen am Platz zu stehen. Auf diese Weise habe ich mitgefiebert und mitgelitten.

Diese Sehnsucht hat man in diesem Bild auch deutlich gespürt. Auch in deiner Vergangenheit bei Sao Paulo warst du sehr stark in deiner Mannschaft verwurzelt und hast sogar das erste Angebot nach Salzburg zu kommen ausgeschlagen, weil du deine Mannschaft im Abstiegskampf nicht im Stich lassen wolltest.

Das stimmt! Wir waren damals mittendrin im Abstiegskampf und ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich in so einer Situation meine Mannschaft im Stich gelassen hätte. Ich war damals ein sehr wichtiger Schlüsselspieler für unser Team, und es wäre nicht nur sportlich, sondern auch moralisch für die Mannschaft ein unvermeidbarer Tiefschlag gewesen. Deshalb habe ich mich entschieden, zu bleiben. In der Saison darauf, als man mir noch einmal ein Angebot gemacht hat, war ich sehr froh! Auch weil man mir damit das Gefühl vermittelt hat, dass sie mich wirklich wollten. 

Alex Walke sagte kürzlich in einem Interview, dass es für absolut niemanden im Team eine Überraschung ist, dass du, trotz anfänglicher Schwierigkeiten, zu einer der wichtigsten Stützen in der Abwehr geworden bist. Er begründete diese Aussage auch damit, dass man vom ersten Tag an im Training gesehen hat, was du kannst und es überhaupt nie einen Zweifel daran gab, dass du für diese Position die Bestbesetzung bist. Wie ist es dir in dieser Zeit ergangen, einfach war das ja sicher nicht?

Der Anfang war wirklich alles andere, als leicht! Zum einen war es natürlich auch der Situation geschuldet, dass ich neu im Team war, und zum anderen musste ich mich erst an unsere Spielweise unter Matchbedingungen gewöhnen. Aber ich hatte ja schon viel Erfahrung und wusste, dass ich diese Phase überwinden würde. Natürlich habe ich mich geärgert, denn es waren Fehler dabei, die ich nicht mal im Traum machen würde – regelrechte Blackouts, aber ich bin froh, dass ich mich in der Innenverteidigung etabliert habe und auch nach meiner Verletzung wieder dort anknüpfen konnte, wo ich aufgehört habe. Ich wusste zwar nicht, dass meine Team-Kollegen das über mich gesagt haben, aber sie haben es mir von Anfang an gezeigt. Ich hatte immer das Gefühl, gut aufgenommen worden zu sein, aber das zu hören tut natürlich gut, motiviert mich umso mehr und macht mich sehr stolz.

An deiner Seite spielt hauptsächlich Youngster Duje Caleta-Car, der anfangs auch Schwierigkeiten hatte, mittlerweile aber zu einem echten Top-Verteidiger herangewachsen ist. Immer wieder beobachten wir, wie gut ihr beide miteinander harmoniert, aber wir fragen uns natürlich: Wie kommuniziert ihr eigentlich miteinander?

Duje ist tatsächlich ein großartiges Talent und hat sehr viel Potenzial. Ich bin sehr stolz auf ihn und die Entwicklung, die er bisher gemacht hat. Er ist wirklich ein echter Freund geworden und das ist vielleicht auch schon das ganze Geheimnis. Zum einen ist es blindes Vertrauen und Empathie. Ich weiß schon, wenn wir auf das Spielfeld kommen, wie es ihm gerade geht, und das macht es leichter, miteinander zu spielen, denn ich kann ihn mit meiner Erfahrung unterstützen. Zum anderen unterstützt er mich wiederum im Spiel mit seinem Elan. Manchmal verständigen wir uns nur mit einem Blickkontakt und wissen, was der eine vom anderen will – und wenn das nicht hilft, dann eben mit Worten. Ein bisschen Deutsch können wir ja (lacht)!

Hinter dem knallharten Kerl auf dem Platz bist du aber privat ein liebevoller Vater und sehr stolz auf deine Familie.

Es gibt nichts Schöneres für mich, als wenn du nach einem Spiel abgekämpft nach Hause kommst und deine Kinder dich anlächeln. Da vergisst du mit einem Mal jeden Ärger, jeden Schmerz und jede Niederlage sofort. Meine Familie ist einfach alles für mich!

Wir könnten noch stundenlang mit dir weiterplaudern, denn wir haben da noch eine Menge Fragen, aber du musst jetzt zum Training. Herzlich Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, und viel Glück für den weiteren Saisonverlauf. Bis zum nächsten Mal!