Im ersten Teil unserer neuen Serie begleiten wir Takumi Minamino auf der „Sound of Music“-Tour durch Salzburg

Wer als Salzburger an der Seite von Takumi Minamino einen Bummel durch die Mozartstadt macht, erlebt sie von einer ganz anderen und fast schon magischen Seite. Dinge, die uns alltäglich, gewöhnlich oder einfach nur alt erscheinen, sind in den Augen des jungeN Japaners einzigartig, bezaubernd und wunderschön. TAkumis Begeisterung für seine Neue Heimat ist durchaus ansteckend.

In regelmäßigen Abständen wollen wir mit der neuen Serie „Salzburger Halbzeit“ die Entwicklung unserer jungen Talente auf dem Weg über den FC Red Bull Salzburg zur ganz großen internationalen Fußball-Karriere beschreiben und hätten mit Takumi Minamino keinen besseren Premierengast dafür finden können. Wir waren mit Oscar Garcias heißestem Eisen in der Offensive gemeinsam in Salzburg unterwegs und haben uns mit einer exklusiven „Sound of Music“-Tour die Originaldrehorte des Films angesehen. Für Takumi ein einzigartiges Erlebnis, denn er kannte den Film in- und auswendig und fühlte sich auf magische Art und Weise in seine Kindheit zurückversetzt.

TRÄUME UND ZIELE

Takumi fühlt sich sichtlich wohl in Salzburg! Er schlendert mit uns stundenlang durch die schmalen Gassen der Salzburger Altstadt und hat dabei stets ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Der FC Red Bull Salzburg-Youngster hat auch gut lachen, denn er weiß, dass er mittlerweile auf dem besten Weg ist, bei den Roten Bullen seine sportlichen Ziele zu verwirklichen bzw. voranzutreiben.

Ein Blick auf die Entwicklung seiner Leistungsdaten im Vergleich zu seinem letzten Verein Cerezo Osaka macht deutlich, dass Takumis Formkurve bei den Roten Bullen rasant nach oben geschnellt ist. Seit dem Herbst ist das sogar noch deutlicher zu erkennen, denn Trainer Oscar Garcia ließ den jungen Japaner immer häufiger auf der Bank und brachte ihn lediglich als Joker zum Einsatz. Doch Takumi nahm die Rolle, die der Trainer für ihn vorgesehen hatte, an und machte das Beste daraus. Mehr noch: Trotz weniger Einsatzminuten liegt er in der internen Torschützenliste bei den Roten Bullen nur ein Tor hinter Dimitri Oberlin und in der österreichischen Bundesliga mit insgesamt neun Toren auf Platz vier. Interessant ist aber, dass Takumi – gemessen an seiner Spielzeit – unglaubliche 2,04 Tore pro Spiel erzielt. Eine Quote, die bei den Roten Bullen in den letzten Jahren nur Jonatan Soriano vorzuweisen hatte.

Konkurrenz und Leistungsdruck

Trotzdem hat Trainer Oscar Garcia den 22-jährigen Japaner bisher sehr an der kurzen Leine gehalten. Takumi ist in den letzten zwei Jahren zum Mann gereift, viel offener und selbstsicherer geworden. Er selbst sieht die Entscheidung seines Trainers eher als Ansporn und Motivation zur Weiterentwicklung:

Natürlich möchte ich mehr spielen, aber unser Trainer hat für jeden von uns einen Plan. Auch für mich. Ich weiß z. B., dass er mich dann einsetzt, wenn wir im Spiel schnell Tore brauchen. Das spornt mich umso mehr an und gibt mir Selbstvertrauen. Aber ich verstehe auch, warum ich im Moment noch wenig Einsatzzeit bekomme. Er hat mir gesagt, was ich noch verbessern muss, und ich arbeite hart, um mir sein Vertrauen weiter zu erarbeiten.

Das wollten wir freilich genauer wissen. Als wäre es die natürlichste Sache der Welt, offen über die eigenen Schwächen zu sprechen, antwortete er nüchtern:

Ich muss noch lernen, wie Jonny, den Ball besser zu halten und zu verteidigen, und das werde ich auch schaffen.

Asiaten gelten im europäischen Fußball quasi als Exoten, sind bekannt für ihre Schnelligkeit und ihre taktische Disziplin. Aber es gibt noch eine andere Fähigkeit, die Spieler, wie Takumi, für den europäischen Spielermarkt interessant macht:

Im Vergleich beispielsweise zu den afrikanischen Spielern, die schnell und kräftig sind, sind wir Asiaten schnell und wendig. Beides hat Vor- und Nachteile. Unsere Gegner in der Liga haben meist sehr groß gewachsene, zweikampfstarke Defensivspieler, im direkten Duell bin ich mit meiner Wendigkeit manchmal vielleicht im Vorteil. Die größte Schwierigkeit am Anfang war für mich, zu lernen, vor dem Tor etwas kreativer zu werden. Das geht jetzt schon viel besser.

Idole und Vorbilder

Für Takumi war es sicherlich ein großer Schritt, als er vor zwei Jahren von Osaka zum ersten Mal nach Europa kam. Aber er konnte sich sehr schnell in die Mannschaft integrieren und hat auch rasch Freunde gefunden.

Ich unternehme natürlich viel mit Hee Chan, und wir verstehen uns schon alleine deshalb sehr gut, weil wir aus einer ähnlichen Kultur kommen. Alex, Andi und früher auch Jonny haben sich von Anfang an sehr um mich gekümmert und mir sehr geholfen, mich in die Mannschaft zu integrieren. Andi ist darüber hinaus nicht nur ein Freund, sondern auch ein großes Vorbild für mich. An seiner professionellen Einstellung zum Sport sieht man, was man als Profi erreichen kann, wenn man auf sich und seinen Körper achtet. Es steht uns jungen Spielern immer mit Rat und Tat zur Seite.

Abseits des Fußballs

Neben seiner Profikarriere im Fußball möchte Takumi weiterhin Sprachen lernen:

Mir gefällt die deutsche Sprache sehr. Es macht mir großen Spaß, neue Sprachen und eine neue Schrift zu lernen, auch wenn es zwischen zwei Trainingseinheiten schon mal anstrengend werden kann. Je besser ich die Sprache verstehe, desto besser verstehe ich auch die europäische Kultur, und das ist schon sehr interessant. Ich kann mir gut vorstellen, irgendwann auch noch eine andere Sprache zu lernen.

Und das war nicht nur so dahingesagt: Bei einem gemütlichen Kaffee im Schloss Leopoldskron schnappte er sich nebenbei ein Kinderbuch und las spontan daraus vor. Auch die hauseigene Bibliothek des Schlosses, benannt nach Max Reinhardt, beeindruckte ihn sehr und er ließ es sich nicht nehmen, einige der Fragen, die wir ihm stellten, bereits auf Deutsch zu beantworten.

Was könnte einen wunderschönen Nachmittag, der uns an Salzburgs schönste Orte und Winkel führte, besser beenden als ein Besuch im Hotel Sacher. Auf der Terrasse des altehrwürdigen Hotels feierte unser japanischer Topstürmer eine weitere Premiere, denn zum ersten Mal kam er in den Genuss von echten „Salzburger Nockerl“.

Obwohl er fasziniert war von der Form sowie von der Art und Weise, wie die traditionelle Salzburger Süßspeise im Hotel Sacher serviert wurde, war er anfangs doch etwas skeptisch. Umso bezaubernder war sein Lächeln nach der ersten Kostprobe. Nachschlag war gewünscht!