Unser neuer Topstürmer im Interview

TAkumi Minamino ist ein Zuverlässiger Arbeiter, Diszipliniert bis in die Haarspitzen, Fleissig, Bescheiden und auch ein bisschen Schüchtern. Aber gerade das macht den Jungen Japaner auch so Sympathisch.

Im Vorfeld des vergangenen Heimspiels gegen den SV Mattersburg haben wir Takumi zum Gespräch gebeten und ein bisschen mit ihm über sein Leben in Salzburg und seine weiteren Ziele geplaudert. Das ganze Interview könnt ihr HIER im letzten Heimspiel-Magazin nachlesen. 

INTERVIEW

Auch wenn es schon wieder ein Zeiterl her ist, nochmal an dieser Stelle herzliche Gratulation zu deiner tollen Leistung in Ried! Im Schnitt triffst du in dieser Saison alle 49 Minuten, da kommt nicht mal Jonny Soriano mit, der alle 129 Minuten getroffen hat.

Danke! Ich freue mich über die drei Tore und dass ich der Mannschaft helfen konnte. Aber ich will mich eigentlich nicht mit Jonny vergleichen, das wäre vermessen. Er hat so viel für diesen Verein geleistet, da habe ich noch viel vor mir.

Du hättest ja damals in Ried sogar noch einen vierten Treffer erzielen können. Wieso bist du nicht zum Elfmeter angetreten?

Drei Treffer sind doch toll! Darum ließ ich auch Hee Chan Hwang den Vortritt. Viele Spieler wollten schießen, auch Christoph Leitgeb, aber letztendlich wurde Hwang gefoult, also durfte er antreten und hat das Ding auch souverän verwertet.

Dir sind in Salzburg ja bereits fünf Doppelpacks gelungen! Der Triplepack war neu. Kanntest du das deutsche Wort dafür überhaupt?

Nein, aber ich musste nach dem Spiel ja zu den Fernsehinterviews, und der Moderator hat mir dann das Wort erklärt.

Wie sieht es sonst mit deinen Deutschkenntnissen aus?

Ich besuche nach wie vor einen Deutschkurs, und es wird immer besser. Aber natürlich bin ich noch weit davon entfernt, mich flüssig mit jemandem unterhalten zu können. Aber ich verstehe schon sehr viel, was mir auch die Kommunikation mit meinen Mitspielern erleichtert. Lustig hab ich es immer mit Hee Chan Hwang, wenn wir uns auf Deutsch unterhalten. Beziehungsweise ist es eher für unsere Kollegen sehr unterhaltsam.

Du lebst nun bereits seit zwei Jahren in Salzburg. Was hat sich in dieser Zeit getan?

Ich kann mir mein Essen in einem Restaurant schon selbst bestellen (lacht). Nein, ich bin mit meiner sportlichen Entwicklung schon recht zufrieden, obwohl ich weiß, dass da noch viel Luft nach oben ist. Ich habe mich hier aber sonst sehr gut eingelebt und genieße Salzburg in vollen Zügen. Die Stadt ist wunderschön, und auch das Essen schmeckt mir mittlerweile. Anfangs hatte ich ja noch meinen eigenen Reiskocher mitgebracht, aber nun bin ich auf Nudeln umgestiegen. Ich fahre mit meinem Übersetzer Yuki aber noch oft nach München, weil es dort sehr gute japanische Restaurants gibt.

Salzburg ist ja auch ein Hotspot für japanische Touristen. Wie oft wirst du in der Stadt erkannt?

Gar nicht so oft, weil die österreichische Liga im japanischen Fernsehen nicht gezeigt wird. Um mich zu erkennen, muss man schon ein ziemlicher Fußballexperte sein.

Deine Anzahl an Followern auf Twitter und Instagram zeigt aber, dass du in deiner Heimat durchaus bekannt, ja berühmt bist. Wie wichtig ist dir dein Auftritt in den sozialen Netzwerken?

Auf Twitter und Instagram kann ich mit meinen Fans kommunizieren. Ich bekomme sehr viele Nachrichten und Fanpost, und so kann ich den Menschen etwas zurückgeben und ihnen Ausschnitte meines Lebens hier in Österreich zeigen.

Und japanische Fußballfans scheint es auf der ganzen Welt zu geben. Selbst im Trainingslager in Dubai wurdest du um Fotos und Autogramme gebeten.

Ja, das ist wirklich unglaublich. Egal, wo wir spielen, stehen nach dem Match immer irgendwo japanische Familien, die mit mir sprechen wollen. Ich schätze das sehr und bin auch glücklich darüber, dass ich so viele Fans habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Japaner so gerne reisen.

Hast du noch Heimweh?

Es ist schon viel besser geworden. In den ersten Monaten habe ich mich sehr nach meiner Heimat gesehnt und meine Familie, die Kultur, das Essen und den Lebensstil in Japan vermisst. Aber man hat es mir dann doch sehr leicht gemacht beim FC Red Bull Salzburg. Meine Mitspieler und die Mitarbeiter im Verein haben mich so toll aufgenommen und sich so herzlich um mich gekümmert, dass es mir nicht schwergefallen ist, mich in Salzburg einzuleben.

Wie oft fliegst du eigentlich nach Hause?

Öfter als zwei- bis dreimal pro Jahr geht es sich leider nicht aus, weil unser Terminkalender ja sehr dicht ist. Ich kann also nur in den Urlauben im Sommer und im Winter nach Hause fliegen. Aber das ist in Ordnung, weil sich meine Familie mittlerweile auch in Salzburg verliebt hat und daher öfter selber rüberfliegt und mich besucht. Und sie bleiben von Mal zu Mal länger.

Wie wird die österreichische Bundesliga in Japan wahrgenommen?

Wie schon gesagt, wird unsere Liga in Japan nicht im TV gezeigt. Man sieht dort nur Deutschland, England, Spanien und Italien. Die japanischen Legionäre, die in diesen Ländern kicken, sind in meiner Heimat deshalb auch Superstars. Mich, als einzigen Legionär in Österreich, kennen hingegen nur Insider oder Leute, die sich für das Nationalteam interessieren.

Wie sieht deine Karriereplanung aus?

Ich bin sehr glücklich hier in Salzburg, und ich habe ja noch viel zu lernen. Ich arbeite in jedem Training sehr hart, damit ich noch mehr Einsatzminuten erreichen kann. Ich glaube, dass ich mich gut präsentiere und mich dem Trainer mit meinen Leistungen und Toren auch empfehle.

Und wohin soll deine Reise noch gehen?

Ich würde schon sehr gern irgendwann einmal in der deutschen Bundesliga spielen. Mich beeindrucken die Stadien, die Fans und natürlich auch die Art und Weise, wie dort Fußball gespielt wird. Ich glaube, dass ich mich dort auch durchsetzen könnte, wenn ich weiter hart an mir arbeite und ich mich weiter so gut entwickeln kann. Wenn ich mir eine der europäischen Top-Ligen aussuchen dürfte, wäre es auf jeden Fall die deutsche Bundesliga.

UNSERE Nummer 18

WAS MAN SONST NOCH WISSEN SOLLTE

  • Takumi Minamino wurde am 16. Januar 1995 in  Izumisano, Osaka geboren.
  • Bevor er 2015 zum FC Red Bull Salzburg kam, spielte er bei Cerezo Osaka, die aktuell in der J1 League spielen.
  • Bei den „Kirschblüten“, wie der Klub liebevoll von seinen Fans genannt wird, begann er seine Fußballkarriere in der Nachwuchsmannschaft.
  • Sein Debüt in der japanischen Nationalmannschaft feierte er am 13.10.2015.
  • Für die Roten Bullen absolvierte er bisher 77 Pflichtspiele, in denen er bereits 26 Tore erzielte.