Marco Rose und Alex Walke über eine historische Saison

Trainer und Kapitän lassen die Saison im Interview noch einmal Revue passieren und sprechen u. a. über persönliche Auszeichnungen, „durchdrehen“ und ihre Urlaubspläne.

Hallo Marco, hallo Alex! Es liegt eine wirklich historische Saison hinter uns. Habt ihr die Erfolge schon sacken lassen können?

Marco Rose: „Historisch klingt für mich nach Museum, und wir spielen halt Fußball. Aber es war eine sehr gute Saison von uns, auf die wir alle sehr stolz sein können. Wenn wir in ein paar Monaten daran zurückdenken, werden wir noch mehr realisieren, dass es was Spezielles ist.“

Alex Walke: „Wir haben vor allem international mit richtig aufregenden Spielen für Furore gesorgt und konnten die Zuschauer zu Hause begeistern, und auch in der Meisterschaft haben wir unser Ziel erreicht. Also war die Saison schon sehr, sehr erfolgreich.“

In welchem Moment oder nach welchem Spiel habt ihr realisiert: In dieser Saison können wir Geschichte schreiben?

Alex Walke: „Immer nach dem Rückspiel in der Europa League (lacht). Unser Ziel war es, über die Gruppenphase hinauszukommen, und das haben wir geschafft. Danach haben wir uns auf den jeweiligen Gegner gut vorbereitet und haben einfach nur versucht, alles rauszuhauen und unsere Stärken auszuspielen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass wir nach der Gruppenphase realisiert haben, dass wir Dortmund raushauen. Richtig realisieren tut man alles wahrscheinlich erst im Laufe des Urlaubs.“

Marco Rose: „Ich glaube, wir hatten als Mannschaft schon relativ zeitig das Gefühl, dass wir in Europa ziemlich weit kommen können. Das Gespür dafür und die Lust darauf waren da, aber trotzdem ist es natürlich so, dass es auf dem Niveau sehr eng ist. Auch die Gruppenphase war kein Spaziergang. Und in der K.-o.-Phase kann alles passieren. Aber die Mannschaft hat immer an sich geglaubt und war bereit, viel zu investieren, um das zu schaffen, was wir geschafft haben.“

Ist diese Saison eigentlich noch zu toppen? Oder lässt sich so eine Saison wiederholen?

Alex Walke: „Wahrscheinlich wird es irgendwann wieder eine Mannschaft geben, die das schafft, aber ich denke, dass es noch eine Weile dauern wird. Außer, uns gelingt es nächste Saison mit der Mannschaft wieder (lacht). Das Jahr war sehr erfolgreich, aber im Endeffekt geht es nächste Saison wieder bei null los. Eines möchte ich aber noch dazu sagen, denn auch wenn es immer so dargestellt wird, Meister wird man auch nicht einfach so.“

Marco Rose: „Das Cup-Endspiel haben wir ja verloren, aber man hat auch in Deutschland gesehen, dass das Double keine Selbstverständlichkeit ist. Wir werden nächste Saison neue Ziele angreifen, das ist das Spannende am Profifußball. Man feiert Erfolge, muss sich dann aber wieder neu beweisen. Ich finde es gut, wenn man sich an dem misst, was man vorher geschafft hat, und dann versucht, die Dinge nochmal besser zu machen und nicht in Selbstzufriedenheit verharrt.“

Saison-Highlights 2017/18

Wie sehr wurmt euch das bittere Aus in der Verlängerung gegen Marseille noch?

Marco Rose: „Am Finaltag habe ich schon noch einmal daran gedacht und ein bisschen damit gehadert. Aus dem Grund habe ich das Finale auch nicht angeschaut. Aber insgesamt überwiegt der Stolz auf das, was wir als österreichische Mannschaft geschafft haben. Verdient so weit zu kommen und kurz vor dem Finale zu stehen, ist schon was Außergewöhnliches. Irgendwann sollte man dann aufhören, Dingen, die man nicht erreicht hat, hinterherzutrauern, sondern neue Ziele angreifen.

Alex Walke: „Ich habe das Finale geschaut, einfach als Fußballinteressierter, und habe nie daran gedacht, wie es uns ergangen wäre. Das Thema ist abgehakt.

Marco, letzte Saison UEFA Youth League-Sieger, heuer UEFA Europa League-Halbfinalist. Kann man die Erfolge miteinander vergleichen?

Marco Rose: „In beiden Teams haben alle Jungs und der ganze Staff drum herum Großartiges geleistet. In dieser Saison war das wirklich Außergewöhnliche, dass viele von den Jungs schon sehr viele Titel gesammelt haben, sich dann aber trotzdem motivierten. Und das spricht für eine Mentalität, die einem Champion gerecht wird.“

Alex, du wurdest zum wiederholten Male als bester Tormann der Liga ausgezeichnet und wurdest u. a. in der Sport1-Rangliste der besten deutschen Keeper auf Platz 8 genannt. Deine guten Leistungen wurden also auch in deiner Heimat registriert. Wie stolz machen dich solche Ehrungen?

Alex Walke: „Es müssen ja nur fünf ausfallen, dann fahre ich zur WM (lacht). Es freut mich natürlich, aber wichtiger ist trotzdem der Erfolg der Mannschaft. Alles, was zusätzlich noch anfällt, nehme ich gerne mit. Danke an dieser Stelle an alle, die mich gewählt haben. Es ehrt mich, freut mich und macht mich ein Stück weit stolz.“

Wie stolz machen Einzelauszeichnungen der Spieler den Trainer?

Marco Rose: „Es sind zwar Einzelauszeichnungen, aber gleichzeitig Auszeichnungen für die gesamte Mannschaft für die geleistete Arbeit. Ich freue mich, wenn die Jungs den nötigen Respekt erhalten, den sie sich verdient haben.“

Im Laufe der Meisterschaft wurde von vielen Seiten immer wieder die Mentalität der Mannschaft gelobt. Was machte unsere Mannschaft diese Saison für dich als Kapitän genau aus, Alex?

Alex Walke: „Jeder kommt mit jedem super aus. Wir haben alle sehr viel Spaß und Freude an der Arbeit. Ich komme immer mit einem Lächeln nach Taxham zum Training, weil man sich freut, mit jedem Einzelnen zu arbeiten. Außerdem glaubt bei uns jeder daran, dass wir immer in der Lage sind, ein Tor zu schießen und Spiele zu drehen. Das haben wir diese Saison auch immer wieder unter Beweis gestellt. Das ist schon etwas Besonderes.“

Warum passt es so gut zwischen Trainer und Mannschaft?

Alex WalkeEs ist jetzt nicht so, dass wir jeden Tag im Training gemeinsam ‚Friede, Freude, Eierkuchen‘ singen. Es gibt auch bestimmte Momente, in denen der Trainer auch mal ein bisschen lauter werden muss. Ich glaube, das Trainerteam hat das in den richtigen Momenten ganz gut hingekriegt.“

Marco, nach außen strahlst du stets eine gewisse Coolness aus. Ist Marco Rose immer so cool?

Marco Rose: Früher war ich noch cooler (lacht). Ich weiß nicht, ob das cool ist, was ich bin. Ich bin, wie ich bin, und glaube zu wissen, was in gewissen Situationen einfach dazugehört. Es bringt, glaube ich, nichts, ständig wie ein Rumpelstilzchen herumzulaufen und Hektik zu verbreiten. Aber wie Atze schon gesagt hat, gab es in dieser Saison sicher auch Momente, in denen wir es als Team ein bisschen schwieriger hatten. Wir haben es aber alle gemeinsam geschafft, den richtigen Faden aufzunehmen und am selben Strang zu ziehen. Und das ist das Entscheidende.“

Nach dem Auswärtssieg in Dortmund hast du, Marco, dich relativ unbeeindruckt gezeigt, gleichzeitig aber versichert: „Glaubt mir, wenn ich irgendwann wirklich etwas gewinne, dann drehe ich durch.“ War es bereits so weit?

Alex Walke: Es kommt darauf an, was der Trainer unter durchdrehen versteht (lacht). Ich glaube, dass er sich über die Saison gefreut hat und stolz auf sein Team ist. Im Urlaub wird er dann mal durchdrehen.“

Marco RoseAtze und ich haben schon dieselbe Messlatte, was das Durchdrehen betrifft. Das geht heutzutage nicht mehr so, wie ich das früher als Spieler gemacht habe (lacht).“

Jetzt heißt es, den wohlverdienten Urlaub zu genießen. Wo geht es hin und was habt ihr vor?

Alex Walke: Da meine Kinder noch Schule haben, werde ich größtenteils in Salzburg bleiben. Aber ich mache mit zwei Freunden für vier Tage eine Motorrad-Tour in die Steiermark. Ansonsten werde ich den ganzen Tag bei mir im Garten chillen.“

Marco Rose: Klingt gut. Ich werde viel zu Hause sein und für ein paar Tage in die Sonne fahren.“

Könnt ihr in dieser Zeit vom Fußball abschalten? Die WM ist schließlich auch noch …

Marco Rose: Ich schaue gerne Fußball. Eine WM ist eine ganz coole Nummer. Ich werde sie aber nicht als Trainer verfolgen. Ich werde mich hinsetzen, ein Bierchen trinken und einfach nur Fußball gucken.“

Alex Walke: Alle Spiele werde ich mir nicht anschauen, aber das eine oder andere sicher.“

Vielen Dank für eure Zeit! Gute Erholung im Urlaub und bis bald!