Ein Leben als Fußballprofi wünschen sich viele, aber nur sehr wenige der vielen Toptalente auf der ganzen Welt schaffen es tatsächlich, einen Profivertrag zu bekommen. In Relation zu einem langen Menschenleben ist zudem die Zeit, in der man als aktiver Spieler damit auch seinen Lebensunterhalt verdienen kann, sehr kurz. Wir haben unseren Ghostwriter gefragt, wann für ihn der Zeitpunkt gekommen war, sich über die „Karriere danach“ Gedanken zu machen, und welche Umstände ausschlaggebend waren, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen.

„Ich habe schon recht früh begonnen, mir Gedanken darüber zu machen, wie es nach meiner aktiven Zeit als Fußballprofi weitergehen soll. Damals war ich siebzehn Jahre alt, besuchte das Gymnasium und hatte gerade meinen ersten Profivertrag unterschrieben. Mir war schon damals klar – und das war auch der Wunsch meiner Eltern –, dass ich die Matura nebenher noch machen wollte, um später dann die Möglichkeit zu haben, studieren zu können. Das war alles andere als leicht, denn ich musste meinen schulischen Verpflichtungen genauso gewissenhaft nachgehen wie meinen Aufgaben als Profi. Deshalb war es für mich ein so unbeschreiblich gutes Gefühl, als ich die Matura endlich in der Tasche hatte. Während meiner Zeit in Salzburg habe ich mit 24 Jahren dann ein Masterstudium im Bereich Projekt- und Sportmanagement (MBA) begonnen.

Ich wurde oft gefragt, warum ich mir das „antue“, aber für mich war in dieser Zeit einfach der Punkt erreicht, wo ich meinem Leben abseits des Profifußballs wieder eine neue Richtung geben wollte. Wahrscheinlich auch, um meinem Kopf – dem ich ja zahlreiche Verletzungen und Kopfbälle zugemutet hatte – wieder mehr zu denken zu geben. Jetzt im Nachhinein bin ich unheimlich froh darüber, dass ich meine „Karriere danach“ schon relativ früh vorbereitet habe. Ich wusste ja aus Erfahrung, dass es in einem jungen Fußballerleben nicht immer nach Plan läuft und sich das Schicksal manchmal unerhört einmischt. Heute ist es mir daher natürlich ganz wichtig, dass auch unsere Nachwuchsspieler das von Anfang an lernen. Wenn die schulischen Leistungen nicht passen, muss die Ausbildung am Platz hintangestellt werden. Heutzutage, und das war auch zu meiner Zeit schon so, reicht es einfach nicht mehr, nur gut „kicken“ zu können.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass nicht die vielen Verletzungen letzten Endes ausschlaggebend dafür waren, warum ich die Fußballschuhe an den Nagel gehängt habe. Das alleine war es aber auch nicht. Irgendwann hatte ich den Moment einfach erreicht, wo ich nicht mehr das Gefühl hatte, noch 100 Prozent für das Team geben zu können, und mir war klar, dass ich nicht der Typ bin, der nur ein Prozent weniger gibt als alle anderen. Man muss sich einfach eingestehen, dass man gegenüber seinen Mannschaftkollegen, dem Klub und den Fans eine Verantwortung hat. Wenn du spürst, dass du diese nicht mehr mit allerletzter Konsequenz erfüllen kannst, darf man nicht zögern. Ich habe meine Karriere daher auch zur Winterpause hin beendet, weil es keinen Sinn gemacht und niemandem genutzt hätte, wenn ich bis zum Saisonende damit gewartet oder noch zwei, drei Jahre drangehängt hätte.

Habe ich die Entscheidung je bereut? Nein! Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mir in meiner Jugend von meinem Trainer immer wieder gesagt wurde: „Genießt eure Zeit als aktive Spieler, solange ihr noch könnt, denn etwas Schöneres werdet ihr im Leben nie wieder erleben.“ Das ist natürlich Blödsinn! Ganz im Gegenteil! Für mich gibt es aktuell nichts Schöneres, als das Hier und Jetzt. Ich habe meine Entscheidung nicht einen Tag bereut, aber ich möchte auch keinen Tag davor missen. Vielleicht hätte ich auf das eine oder andere Cut am Kopf verzichten können, aber meine Zeit als Profi habe ich sehr genossen.“