Nicht alles ist im Fußball planbar, denn jedes Spiel schreibt seine eigene Geschichte. Manchmal hat aber auch das Schicksal seine Finger im Spiel und offenbart seine Helden auf wundersame Weise.

Vom Kafue Celtic FC zunächst an den FC Liefering verliehen, gelang es unserem Ghostwriter, sich in nur wenigen Monaten beim FC Red Bull Salzburg international in die Auslage zu spielen. Seinen kometenhaften Aufstieg krönte er zuletzt mit der wichtigsten Nachwuchsauszeichnung im afrikanischen Fußball. Hinter der außergewöhnlichen Erfolgsstory unseres CAF African Young Player of 2017 steckt aber auch eine sehr berührende, persönliche Geschichte.

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„Wenn ich so an das vergangene Jahr zurückdenke, war das schon eine sehr aufregende, spannende, aber auch sehr anstrengende Zeit für mich. Ich hätte mir im Leben vermutlich niemals träumen lassen, dass ich so viele persönliche Highlights auf einmal erleben würde. Sportlich gesehen gab es jedenfalls einige tolle Herausforderungen und Aufgaben für mich zu bewältigen. Die letzten Monate waren sicherlich sehr erfolgreich für mich persönlich, aber ich weiß natürlich auch, dass ich mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhen kann und mich ständig weiter verbessern muss, um mich weiterzuentwickeln.

Wenn man mich aber in zehn oder zwanzig Jahren einmal fragen wird, an welche Tore meiner Karriere ich mich immer noch gerne zurückerinnere, habe ich zumindest jetzt schon eine Ahnung, dass in dieser Aufzählung mein Tor in der Youth League gegen den FC Barcelona nicht fehlen wird. Mein bisheriger sportlicher Höhepunkt war aber, dass ich in meiner Heimat Sambia als „Bester Sportler des Jahres“ ausgezeichnet wurde und auch den diesjährigen „CAF Young Player of the Year“-Award gewinnen konnte. Das ist die höchste Auszeichnung für Nachwuchsspieler in Afrika und eine sehr große Ehre für mich.

Ich kann mich gar nicht erinnern, was genau ich in diesem Moment gedacht habe, als ich meinen Namen hörte. Ich war, glaube ich, einfach nur erleichtert. Nicht, weil ich diese Auszeichnung unbedingt gewinnen wollte, sondern weil ich bis zu diesem Moment extrem angespannt und nervös war. Auf dem Weg von meinem Sitzplatz zur Bühne fühlte ich mich erstaunlich ruhig und gefasst, doch auf der Bühne änderte sich das schlagartig wieder. Plötzlich waren alle Augen auf mich gerichtet, und mir blieb für einen Augenblick die Luft weg. Zum Glück konnte ich die Gesichter im Publikum nicht erkennen, denn die Scheinwerfer haben mich zu sehr geblendet. Sonst hätte ich vermutlich keinen Ton herausgebracht.

Ich musste in diesem Moment an meinen besten Freund Changwe Kalale denken, ohne den ich vermutlich nicht so weit gekommen wäre. Wir lernten uns vor einigen Jahren bei einem Lehrgang der U17-Nationalmannschaft kennen und spielten Seite an Seite. Jeder konnte sehen, was für ein unglaublich guter Fußballer in ihm steckte. Er war auf dem besten Weg, einer der größten Spieler unseres Landes zu werden. Aber es sollte ganz anders kommen: 2014 verunglückte er bei einem Verkehrsunfall mit dem Mannschaftsbus auf dem Weg zu einem Trainingscamp schwer. Von den Folgen des Unfalls erholte er sich nie, war seitdem an den Rollstuhl gefesselt und starb dann vor einem Monat.

Als ich den Award überreicht bekam, spürte ich plötzlich seine Gegenwart tief in meinem Herzen, und das war ein überwältigendes Gefühl. Deshalb wollte ich ihm diese Auszeichnung widmen. Er war eine Inspiration für alle jungen Spieler, die mit ihm spielen durften, und wie ein Bruder für mich. Ich vermisse ihn sehr, aber spätestens seit diesem Moment wusste ich, dass er immer an meiner Seite ist und meinen Weg weiter begleiten wird.

Ich widmete diesen Preis aber auch meinen Teamkollegen und meinen Trainern, denn jeder Fußballer weiß, dass wir unsere Titel, Siege und Erfolge nur gemeinsam erreichen können. Jeder für sich muss hart an sich arbeiten, um das Beste für das Team geben zu können, aber ohne das Kollektiv kann man nicht gewinnen. Manche Spieler sind vielleicht mit etwas mehr Talent gesegnet als andere, aber mit Talent alleine kommt man nicht weit. Es gibt unglaublich viele hochtalentierte Spieler in Afrika und einige schaffen auch den Sprung in die ganz großen Ligen der Welt, aber sehr viele schaffen es nicht. In Europa reicht es nicht, Talent zu haben. Wenn du erfolgreich bist, liegt die größte Herausforderung darin, deine Leistung immer wieder zu bestätigen und dich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ich habe das große Glück, für einen Klub zu spielen, der genau das verkörpert, was es braucht, um auf Dauer auf einem Topniveau spielen zu können.

Beim FC Red Bull Salzburg fühle ich mich zu Hause seit dem ersten Tag. Ich fand sehr schnell Freunde und habe hier Menschen um mich, die mich unterstützen, wenn ich Hilfe brauche. Meine Trainer geben mir das Gefühl, dass sie an mich glauben und mein Talent fördern wollen, indem sie mich immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Sie alle haben Anteil daran, dass ich Afrikas bester Nachwuchsspieler des Jahres geworden bin. Dafür bin ich dankbar.