Wir haben mit unserem Abwehrchef einen „Platz an der Sonne“ gesucht und gefunden.

Wusstet ihr, dass es in Salzburg einen Ort gibt, an dem jeden Tag die Sonne scheint? Versteckt in einem kleinen Winkel in der Augustinergasse im Schatten des Mönchsbergs liegt das „BRASA“, ein brasilianisches Restaurant, spezialisiert auf herzhafte und traditionelle Fleischgerichte. Gefunden haben wir diesen Ort mitHilfe von Paulo Miranda, der uns im ersten Teil der Serie „Lieblingsplatz“ mal kurz nach „Brasilien im Herzen Salzburgs“ entführt hat.

Churrasqueiro „Nelson“, gebürtiger Brasilianer und seit vielen Jahren Grillmeister im „BRASA“, begrüßte Paulo, Igor und seine Freunde bereits an der Türschwelle, als hätte er sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Dabei war Paulo gerade vor ein paar Tagen mit einer anderen Runde hier gewesen. „Das ist eine typisch brasilianische Begrüßung“, erklärt unser Abwehrchef mit einem breiten Lächeln auf den Lippen.

Paulo und Churrasqueiro Nelson

Manchmal aber einfach nur, um das brasilianische Flair zu genießen, nachzudenken und die Seele baumeln zu lassen. - Paulo Miranda

Paulo ist eigentlich immer gut drauf und sorgt für gute Stimmung. Wenn man aus den geheimen Hallen im Trainingszentrum in Taxham irgendwo jemanden singen oder lachen hört, ist Paulo jedenfalls nicht weit. Dieses Bild von unserem sympathischen „Raubein vom Dienst“ kennen nur seine Gegenspieler nicht, die vermutlich schon die eine oder andere unliebsame Begegnung mit unserem Abwehrchef gemacht haben. Aber zurück ins „BRASA“, wo uns Paulo jenen Ort vorstellte, wo er sich in Salzburg am wohlsten fühlt. Warum, wollten wir natürlich genauer wissen: 

„Ganz einfach, weil ich mich hier ein bisschen wie zu Hause fühle. Ich mag Salzburg sehr gerne. Es ist eine tolle und sehr schöne Stadt, aber ich bin auch sehr heimatverbunden und finde es großartig, dass es hier auch einen Ort gibt, an dem ich mich so wohlfühle wie in meiner Heimat. Ich komme sehr gerne mit meinen Freunden, Teamkollegen und meiner Familie hierher. Manchmal aber einfach nur, um das brasilianische Flair zu genießen, nachzudenken und die Seele baumeln zu lassen.“

Auch, um – wie wir später erfahren sollten – einfach mal laut auf der Trommel und dem Tamburin zu spielen. „Das macht er übrigens sehr gut, und unsere Gäste lieben es, wenn sie auf diese authentische und spontane Weise unterhalten werden“, verriet uns Nelson.

Eigentlich eine nachvollziehbare Sache: Wer lange ohne seine Familie und Freunde in einem fremden Land lebt, wo am Anfang noch alles toll und neu ist, der sehnt sich mit der Zeit sicher auch hin und wieder nach ein bisschen „Heimat-Feeling“.

Man kommt etwas schwerer mit den Leuten ins Gespräch, aber wenn dich die Leute erstmal näher kennengelernt haben, dann ist man oft sehr überwältigt von der Wärme und Empathie. - Paulo Miranda

„Mit Heimweh hat das aber nichts zu tun“, versicherte uns Paulo. Was aber unterscheidet die Salzburger Mentalität von der brasilianischen, fragten wir ihn, als er sich gerade ein Stück vom Fleischspieß servieren ließ, und bekamen eine sehr ehrliche Antwort:

Ich weiß nicht, ob das nur auf die Salzburger zutrifft, aber hier sind die Menschen sehr herzlich und hilfsbereit, jedoch im ersten Moment etwas verschlossener und ernster, als ich es von meiner Heimat gewohnt bin. Man kommt etwas schwerer mit den Leuten ins Gespräch, aber wenn dich die Leute erstmal näher kennengelernt haben, dann ist man oft sehr überwältigt von der Wärme und Empathie. So empfinde ich zum Beispiel auch die Begegnungen mit unseren Fans.

Paulo versteht die deutsche Sprache mittlerweile schon sehr gut. Mit dem Sprechen tut er sich aber noch etwas schwer. Da gab es doch sicher schon mal sehr lustige Missverständnisse, richtig?

„Ja! Die gibt es tatsächlich. Zum Beispiel das deutsche Wort ‚locker’ hört sich an, wie das brasilianische Wort für ‚Loca’, was in meiner Heimat umgangssprachlich so viel heißt wie ‚Transvestit’. Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich ganz schön blöd dreingeschaut habe, als unsere Physiotherapeutin Conny mir bei meiner ersten Behandlung gesagt hat, ich solle den Oberschenkel ‚Loca’ halten. Darüber muss ich heute immer noch lachen.“

Nach einem genussvollen Bissen klatschte er begeistert in die Hände, als wäre ihm gerade ein Geistesblitz gekommen, und lachte laut auf:

„Ach ja! Und irgendwie hat sich bei uns im Team herumgesprochen, dass sich Brasilianer damit schwertun, das Wort F U E N F’ auszusprechen. Was soll ich sagen? … es stimmt! Ich kann es immer noch nicht, aber die Jungs finden es nach wie vor toll, mich damit aufzuziehen. Ist ja auch irgendwie witzig … zugegeben. F U E N FFF, schrecklich!(lacht)

Was man dem bis obenhin tätowierten Großstädter aus Sao Paulo auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde, ist, dass er auch ein sehr naturverbundener Mensch ist. Augenzeugen zu Folge wurde er hin und wieder am Salzachsee beim Fischen gesichtet. Kann das wirklich wahr sein?

„Ich habe leider nicht viel Zeit für ein Hobby, aber ja, ich war ab und zu mal in Salzburg fischen. Ich hab mir natürlich hochoffiziell eine Fischerkarte besorgt und bin motivierten Herzens losgezogen. Allerdings sind die Fische hier offenbar etwas ausgebuffter als in Brasilien, denn gefangen hab ich bisher noch nichts ;-).“

Paulo und ich verstehen uns BLIND! - Duje Caleta-Car

Als typisch brasilianischen Spieler würde sich Paulo selbst nicht bezeichnet, eher als Exot, denn er zählt sich selbst nicht zu den schnellsten Spielern und ist auch per se kein Ballkünstler, dafür bringt er aber ein ganz andere besondere Fähigkeit ins Team mit ein. Paulo ist quasi zum Führungsspieler geboren und hat schon sehr früh in seiner Fußballkarriere Verantwortung im Spiel übernommen. Auch beim FC Red Bull Salzburg ist er als Abwehrchef aus der Stammelf nicht mehr wegzudenken, auch deshalb, weil er mit seiner Erfahrung dazu beiträgt, dass sich junge Spieler, wie Duje, Igor, Marin und Jerome, an seiner Seite perfekt entfalten können. Selbst in kritischen Situationen strahlt er Ruhe und Selbstsicherheit aus, und das überträgt sich auch auf seine unmittelbaren Mitspieler. Eine unglaublich wichtige Qualität, die nicht nur Trainer Marco Rose, sondern auch Oscar Garcia sehr an ihm schätzt.

Mit Duje Caleta-Car verbindet ihn eine fast brüderliche Freundschaft. Unlängst verriet uns Duje in einem Gespräch, dass er von Paulo sehr viel gelernt hat und ihm seine Präsenz auf dem Platz sehr viel Selbstsicherheit gegeben hat. Auf die Frage, wie sich die beiden überhaupt im Spiel verständigen, meinte dieser nur: „Paulo und ich verstehen uns BLIND!“

Diese Aussagen seines Teamkollegen sorgten bei dem sonst so abgebrühten Paulo für einen kurzzeitigen „Hochwasserstand“ in den Augenwinkeln. Sichtlich gerührt erwiderte er: 

„Das empfinde ich genauso! Wir spielen auf einer ganz eigenen Wellenlänge zusammen! Man darf dabei bitte eines nie vergessen! Duje ist mit 21 Jahren einer der erfahrensten Innenverteidiger bei uns. Das ist wirklich außergewöhnlich. Er hat noch eine große Zukunft vor sich, da bin ich mir sicher. Es ehrt mich sehr und erfüllt mich mit Stolz, dass er mir einen Anteil an seiner Entwicklung zuschreibt.“

Auch seine Anfänge in Salzburg waren nicht immer leicht, aber an der Seite von Martin Hinteregger hat er nach einem halben Jahr gut in die Spur gefunden. Jetzt ist Paulo „Denker und Lenker“ in der Hintermannschaft.

„Als ich nach Salzburg kam, hieß es immer, dass die Schwachstelle des Teams die Innenverteidigung ist. Jetzt haben wir schon sehr lange eine sehr stabile Defensive, die beste der Liga, meine ich, und mit Marin, Igor und Jerome auch sehr gute Spieler, die uns in Zukunft diesen Status sichern werden.“ 

Nachdem Nelson erneut mit einem seiner berühmten Fleischspieße auftauchte und die Aufmerksamkeit der lustigen Runde sich ausschließlich auf die Schneidkünste des meisterhaften Churrasqueiro konzentrierte, wurde es Zeit, sich von den Jungs zu verabschieden. Wir verließen Paulo und seine Companheiros, die bei dem tollen Anblick, wie sich das zarte, perfekt gegrillte Fleisch beim Herabfallen auf dem Teller drapierte, ganz glänzende Augen bekamen.