Das Expertengespräch mit Athletiktrainer Patrick Eibenberger

Die österreichische Nationalmannschaft trifft im Rahmen der WM-Qualifikation heute in Cardiff auf Wales. Aus dem Lager der Roten Bullen ist Stefan Lainer beim A-Nationalteam mit dabei. Insgesamt sind sechs Spieler des FC Red Bull Salzburg bei ihren Nationalteams im Einsatz.

Im Trainingszentrum in Taxham herrschte aber trotz der Abwesenheit von Stefan Lainer, Valon Berisha, Munas Dabbur, Hee Chan Hwang, Duje Caleta-Car und Marin Pongracic bis Donnerstag reges Treiben auf dem Trainingsgelände. Über das Wochenende hat Trainer Marco Rose dem Rest seiner Mannschaft aber freigegeben, denn vor dem Start in die UEFA Europa League-Gruppenphase, und den damit verbundenen vielen englischen Wochen bis zur Winterpause, tun ein paar freie Tage unseren Spielern sicher gut. Die kleine Auszeit haben sich unsere Jungs ja ohnehin mehr als verdient, denn seit dem Start in die neue Fußball-Saison mit dem ersten UEFA Champions League-Qualifikationsspiel gegen Hibernians FC haben wir bereits 13 Pflichtspiele (neun Siege, drei Unentschieden, eine Niederlage) in den Beinen und damit mehr als dreimal so viele Matches absolviert wie unsere Gruppengegner Vitoria (4) und Konyaspor (4). 

Nachdem unsere Jungs sowohl in den nationalen Bewerben (Liga und Cup) als auch auf internationaler Ebene sehr erfolgreich in die neue Saison gestartet sind, wurde der Erfolgslauf unseres Teams zuletzt nur vom aktuellen Tabellenführer Sturm Graz gestoppt. Mit der knappen 0:1-Niederlage konnte Trainer Marco Rose aber gut leben. Schon jetzt richtet sich der Fokus ganz klar in Richtung Heimspiel gegen den SK Rapid Wien, doch bevor die Mannschaft nicht wieder vollständig zur Verfügung steht, sind vor allem individuelle Trainingseinheiten angesagt.

Wie man die Länderspielpause optimal zur Vorbereitung nützt

Athletiktrainer Patrick Eibenberger muss die Länderspielpause und die damit verbundene spielfreie Zeit bereits Wochen im Voraus planen. Das ist leichter gesagt als getan, denn natürlich nützt einem die beste Planung nichts, wenn sie nicht auch Spielraum für Flexibilität lässt:

Es natürlich so, dass wir uns in einer Länderspielpause jenen Spielern, die hiergeblieben sind, etwas intensiver und individueller im Training widmen können. Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir in der Woche vor dem ersten Pflichtspiel zwei Gruppen von Spielern dort abholen müssen, wo sie von ihrem Fitnesslevel her gerade sind. Wir müssen versuchen, den Nationalteamspielern, gemessen an ihrer Spielzeit im Team, genügend Zeit zur Regeneration zu geben. Das Ziel sollte aber sein, dass möglichst viele Spieler am Tag „X“, also am Match-Tag, wieder fit und einsatzfähig sind.

Die Trainingsplanung ist hochkomplex und für einen Außenstehenden nur schwer nachzuvollziehen. Es gibt viele unterschiedliche Einflussfaktoren und Daten, die bei einer optimalen Trainingsvorbereitung eine Rolle spielen.

Auch an trainingsfreien Tagen müssen unsere Jungs Trainingseinheiten absolvieren und bekommen dafür von uns individuell und speziell abgestimmte Programme, die sie im Urlaub oder von zu Hause aus machen können.

Spieler, die bei den Nationalteams im Einsatz sind, werden in dieser Zeit ausschließlich vom Betreuerstab des jeweiligen Teamchefs betreut, allerdings gibt es in Ausnahmefällen Abstimmungen zwischen den Trainern und Betreuern ihrer Klubs.

Wir nehmen keinen Einfluss auf das Training wenn Spieler bei ihren Nationalmannschaften sind. Es kann vorkommen, dass wir vom jeweiligen Betreuerstab kontaktiert werden, wenn ein Spieler vor seiner Einberufung leicht angeschlagen war. Dann berät man sich unter den Kollegen über mögliche Trainingsalternativen, aber das passiert in der Regel eher selten und ist auch nicht notwendig.

Kommt ein Spieler aber verletzt von seinem Einsatz in der Nationalmannschaft zurück, ist das nicht selten problematisch für den Verein. Patrick Eibenberger sieht das aber ganz pragmatisch:

Das Verletzungsrisiko in einem Länderspiel ist nicht größer als bei jedem anderen Spiel oder Training auch. Das kann man nicht verhindern. Natürlich wünschen wir uns, dass die Jungs heil wieder nach Hause kommen, aber wie gesagt: Darauf haben wir, bei aller Vorsicht und Präventionsmaßnahmen, keinen Einfluss. Letzten Endes ist es so, dass jeder Klub stolz ist auf seine Nationalteamspieler und es für jeden unserer Jungs eine besondere Ehre ist, wenn sie für ihr Land spielen dürfen. Ich glaube, dass keiner von ihnen es als Doppelbelastung ansieht, denn die Motivation ist in diesem Fall stärker als ein bisschen Muskelkater mehr oder weniger.

In diesem Sinne wünschen wir unseren Jungs viel Erfolg bei der WM-Qualifikation und hoffen, dass sie alle gesund und munter wieder heimkommen!