Tipico Bundesliga – Runde 7 | FC Red Bull Salzburg vs. SK Rapid Wien 2:2 (0:0); Tore: Schwab (75./ET), Dabbur (92.) bzw. Ljubicic (60.), Schobesberger (79.)

In der 7. Runde der Tipico Bundesliga mussten wir uns gegen eine starke Rapid-Mannschaft (ab der 16. Minute in Unterzahl) zweimal nach einem Rückstand wieder zurückkämpfen und uns letzlich mit einem  2:2 (0:0)-Unentschieden im Heimspiel-Schlager zufriedengeben. 

AUFSTELLUNGEN

FC Red Bull Salzburg: Walke – Lainer, Caleta-Car, Igor, Farkas (61. Schlager) – Haidara, Samassekou (75. Leitgeb), Berisha – Wolf – Gulbrandsen (66. Hwang), Dabbur

SK Rapid Wien: Strebinger – Pavelic, M. Hofmann, Galvao, Bolingoli – Ljubicic, Schwab – Schaub (67. Schobesberger), Berisha (78. Sonnleitner), Murg – Joelinton (46. Auer)

Gelbe Karten

Hofmann (13./Foul), Schwab (16./Kritik), Murg (74./Foul) bzw. Haidara (27./Foul), Hwang (87./Foul), Schlager (89./Kritik)

Rote Karte

Pavelic (16./Foul)

Andreas KolleggerAUSGANGSLAGE

AUSGANGSLAGE

Im ersten Pflichtspiel nach der Länderspiel-Pause hatten wir heute mit dem SK Rapid Wien gleich unseren erklärten Lieblingsgegner zu Gast in der Red Bull Arena. Rückblickend auf die letzten Begegnungen mit den Hütteldorfern konnten wir bisher einen sehr positiven Erfolgstrend zu unseren Gunsten aufweisen, denn die letzten sieben Pflichtspiele, inklusive Cupfinale 2017, hatten wir bis dato gegen Rapid nicht verloren (fünf Siege, zwei Remis) und zudem in den letzten zwei Duellen kein Gegentor kassiert. Speziell an die letzten beiden Duelle mit den Wienern erinnern wir uns allzu gern zurück: In der 33. Runde der Tipico Bundesliga konnten wir in der vergangenen Saison gegen den SK Rapid Wien vorzeitig den Meistertitel fixieren und uns im darauffolgenden Pokalfinale in Klagenfurt – ebenfalls gegen Rapid – auch noch den Cup-Sieg holen.

Der FC Red Bull Salzburg erzielte in Summe 14 Tore in der laufenden Bundesliga-Saison – kein einziges Team mehr. Zudem erhielt das Team von Trainer Marco Rose erst vier Gegentore. Auch wenn es für Rapid in der bisherigen Saison noch nicht ganz nach Wunsch lief, hat man sich gegen Ende der Übertrittszeit noch Verstärkung geholt. Speziell in der Offensive soll Veton Berisha (Bruder von Valon Berisha) für mehr Torgefahr sorgen. Aber auch sonst durfte man die Grün-Weißen nicht leichtfertig unterschätzen, denn aktuell ließ die Mannschaft von Goran Djuricin bisher nur 56 gegnerische Schüsse zu (die wenigsten aller Bundesligisten) und wird es uns heute sehr schwer machen, zu Torchancen zu kommen. Allerdings haben die Wiener in den letzten 21 Bundesliga-Auswärtsspielen immer mindestens ein Gegentor erhalten – erstmals in der Klubgeschichte.

PERSONALSITUATION

Nicht einsatzbereit waren Samuel Tetteh (Knie), Stefan Stangl (Oberschenkel), Takumi Minamino (Knie) und Reinhold Yabo (Jochbein).

Marc Rzatkowski hat sich im Training einen Zehenbruch zugezogen und fällt ebenso rund vier Wochen aus wie Marin Pongracic, der mit einer Adduktorenverletzung vom kroatischen U21-Team retour gekommen ist. Der Einsatz von Paulo Miranda (Knie) bzw. Andreas Ulmer (Gehirnerschütterung) ist fraglich.

TAKTIK

Aufgrund vieler schmerzlicher verletzungsbedingter Ausfälle (siehe Personalsituation) war Marco Rose gezwungen, seine Startelf von Grund auf umzustellen. Unser Trainer machte aber gar keinen Hehl daraus, dass er diese Herausforderung – noch dazu gegen einen so attraktiven Gegner wie Rapid – nicht ungern annimmt. Auch wenn es zunächst eigentlich danach aussah, war heute zwar nicht die jüngste Startelf der Saison auf dem Platz, denn mit einem Altersdurchschnitt von 23,2 Jahren konnten wir die bisher jüngste Rose-Elf gegen den LASK in Runde 2 nicht unterbieten, aber dennoch waren mit Igor, Duje Caleta-Car, Diadie Samassekou, Amadou Haidara und Rauch-„Rookie of the Match“ Hannes Wolf fast die Hälfte U21-Spieler. In der Verteidigung flankierten Stefan Lainer und Patrick Farkas die beiden Innenverteidiger Duje Caleta-Car und Igor. Im defensiven Mittelfeld ist Diadie Samassekou eigentlich alternativlos gesetzt, und auch im zentralen und offensiven Mittelfeld gab es keine großen Überraschungen. Das Sturm-Duo bildeten erwartungsgemäß Fredrik Gulbrandsen und Munas Dabbur. Besonders erfreulich war diesmal aber auch der Blick auf die Ersatzbank, denn nach langer Verletzungspause war Xaver Schlager erstmals in dieser Saison wieder im Kader. Auch Neuzugang Jerome Onguene und Youngster Gideon Mensah durften auf ihren ersten Bundesliga-Einsatz hoffen.  

MATCH-ANALYSE

Wie es sich für ein richtiges Sonntags-Schlagerspiel gehört, starteten beide Mannschaften mit richtig viel Power in die Partie. Die Gäste sorgten mit energischer Entschlossenheit gleich zu Beginn für den ersten nennenswerten Angriff, bei dem Neuzugang Veton Berisha einen Murg-Querpass nur knapp verfehlte. Bei einem Abschluss des Neo-Rapidlers wäre Alexander Walke mit großer Wahrscheinlichkeit chancenlos gewesen. Unsere Jungs konterten aber mit konzentrierter Ballkontrolle und konnten so gegen die teils überhasteten Offensivbemühungen der Rapidler immer wieder die Oberhand gewinnen.

Schlagabtausch

In der 10. Minute war der Ball das erste Mal im Tor von Rapid. Der Torjubel blieb jedoch aus, denn der Treffer zählte leider nicht. Nach einem schönen Lupfer von Valon Berisha über die Abwehr auf Stefan Lainer köpfelte dieser den Ball zur Mitte. Fredrik Gulbrandsen beförderte den Ball ins Tor, doch der Schiedsrichter pfiff die Aktion zu Recht wegen Abseits ab, da Lainer beim Abspiel einen Schritt zu weit vorne stand. Zuvor hatten auch die Gäste wieder eine gute Möglichkeit auf den Führungstreffer. Nach einem Lochpass von  Murg auf Bolingoli-Mbombo, der einen Querpass zur Mitte versuchte, konnte Duje Caleta-Car die Kugel gerade noch abfangen.

Unruhe nach Ausschluss

Besser hätte die Anfangsphase gar nicht verlaufen können, denn beide Teams sorgten mit hohem Tempo und kämpferischem Einsatz für einen unterhaltsamen Fußball-Nachmittag. Allerdings sollte der vorzeitige Ausschluss von Mario Pavelic (16.) nach einem rüden Foul an Patrick Farkas die Stimmung etwas trüben. In Unterzahl war Rapid zwar naturgemäß verwundbarer, aber dennoch gelang es unserer Mannschaft zunächst nicht, aus der Überzahlsituation Kapital zu schlagen. Chancen gab es allerdings mehr als genug, um diesen Zustand zu ändern. Wie etwa nach einem sehenswerten Doppelpass zwischen Amadou Haidara und Valon Berisha, der elegant mit der Ferse zurücklegte und der Youngster daraufhin an der Strafraumgrenze sofort abzog. Der Ball ging haarscharf am linken Pfosten vorbei (22.). Kurz darauf setzte Valon Berisha mit der perfekten Flanke in die Spitze Munas Dabbur in Szene, doch bevor dieser abschließen konnte, rutschte Maximilian Hofmann dazwischen und verhinderte so die bisher beste Chance unserer Jungs im Spiel.

Rapid versteckt sich nicht

Trotz Unterzahl blieben die Grün-Weißen gefährlich und kamen im letzten Drittel der ersten Halbzeit wieder besser ins Spiel. Nach einem Ljubicic-Pass auf Veton Berisha konnte Igor den Rapidler am linken Flügel abdrängen und den Ball ins Toraus kullern lassen. Wenig später war es Kapitän Alexander Walke, der sich mit einer tollen Parade nach einem Abschlussversuch von Thomas Murg außerhalb des 16ers auszeichnen konnte. Nachdem unsere Jungs den Angriff von Grün-Weiß abgefangen hatten, leitete Fredrik Gulbrandsen mit einem 50-Meter-Sprint am rechten Flügel die nächste Chance ein. Sein Abschluss war aber zu zentral und somit kein Problem für Goalie Strebinger. Der erste Treffer für unsere Jungs lag förmlich in der Luft, musste aber aller Voraussicht nach auf die zweite Spielhälfte verschoben werden, denn bis zum Pausenpfiff kamen Munas Dabbur (40.) und Amadou Haidara (44.) noch zu Chancen, scheiterten aber jeweils knapp.

Die Tore, die man nicht schießt …

Unsere Jungs kamen nach der Pause mit viel Elan zurück auf das Feld und drückten auch gleich zu Beginn der zweiten Hälfte ordentlich in Richtung Rapid-Tor. Wir ließen den Gegner kaum verschnaufen und taten viel für das Spiel, aber auch trotz toller Moral und Einsatz ließ der längst überfällige erste Treffer für unsere Mannschaft lange auf sich warten. Zu lange … denn die alte Binsen-Weisheit „Die Tore, die man nicht schießt …“ sollte sich einmal mehr bewahrheiten, und so kam Rapid, leider verdient, zum 1:0-Führungstreffer. Nach einem Konter, eingeleitet von Veton Berisha, sprintete Bolingoli-Mbombo am linken Flügel in Richtung Eckfahne und brachte den Ball auf den zweiten Pfosten zu Schaub. Der Top-Torjäger der Grün-Weißen legte nochmals quer für Dejan Ljubicic, der die Kugel zum 1:0 im Tor versenkte (60.).

Willkommen zurück „X“

Trainer Marco Rose reagierte sofort auf den Rückstand und brachte kurz nacheinander zwei neue Kräfte ins Spiel. Anstelle von Patrick Farkas kam erst Xaver Schlager nach langer Verletzungspause zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz nach sechs Monaten – allerdings an einer für ihn ungewohnten Position, nämlich als Linksaußen. Hee Chan Hwang kam kurz danach für Fredrik Gulbrandsen, und Routinier Christoph Leitgeb kam etwas später noch als dritter frischer Spieler in die Partie, um für mehr Kontrolle im Spiel zu sorgen.

Wechselbad der Gefühle

Nach einem Foul von Thomas Murg an Schlager bekamen wir einen Freistoß zugesprochen. Valon Berisha lenkte diesen wuchtig Richtung ersten Pfosten, aber anstatt eines Salzburgers kam Stefan Schwab an den Ball und beförderte ihn ins eigene Tor. Allerdings sollte die Freude über den Ausgleich nicht lange anhalten, denn die Rapidler gingen wenige Minuten später erneut in Führung. Ausgerechnet Routinier Christoph Leitgeb legte mit einem Fehlpass im Mittelfeld den Konter für Rapid auf. Dabei schickte Bolingoli-Mbombo den zuvor eingewechselten Philipp Schobesberger in den Lauf, der wiederum ließ Goalie Alexander Walke aussteigen und erhöhte auf 2:1. Was schon fast nach einem rabenschwarzen Tag für unsere ersatzgeschwächte Mannschaft ausgesehen hatte, sollte sich letztlich doch noch etwas relativieren. In der Nachspielzeit mobilisierte die Mannschaft von Marco Rose nochmals alle Kräfte und versuchte, mit Dauerpressing das Ergebnis noch herumzureißen, und wurde für ihre Kampfmoral belohnt. In der 92. Minute setzte Munas Dabbur mit einem Fallrückzieher wie aus dem Lehrbuch den Schlusspunkt, und zwar einen mit Ausrufezeichen. Mit dem 2:2-Endstand blieben wir nun zum achten Mal in Folge in einem Pflichtspiel gegen Rapid ungeschlagen.

STATEMENTS

Marco Rose:

Das ist heute ein Ergebnis, mit dem wir leben müssen. Rapid hat in Unterzahl gespielt, hat aber fleißig und sehr diszipliniert verteidigt. Wir haben versucht, Lösungen zu finden, aber manchmal schreibt das Spiel seine eigene Geschichte, denn sonst wäre ja alles immer vorhersehbar. Das Positive war, dass wir zweimal aus einem Rückstand zurückgekommen sind. Wir hätten uns heute daher genauso wie der der Gegner einen Sieg verdient.

Munas Dabbur:

Es war heute sehr schwer für uns, aber hauptsächlich, weil wir es uns in erster Linie selbst schwer gemacht haben. Nach der Roten Karte stand Rapid in der Defensive sehr, sehr gut und hat es uns richtig schwer gemacht, zu guten Torchancen zu kommen. Aber dass es heute nicht für den Sieg gereicht hat, lag zum Großteil an uns selbst. Unsere Ansprüche sind natürlich hoch, und wenn man ab der 16. Minute gegen Rapid in Überzahl agiert, hätten wir das Spiel schon deutlicher für uns entscheiden müssen. 

Alle Stimmen gibt es zum Nachhören in unserem AUDIOPLAYER!