Das erste große Pflichtspiel-Jubiläum für unseren treffsicheren Verteidiger

40 Punkte nach 17 Runden – das ist ein neuer Klubrekord! das 2:0 gegen den SV Mattersburg war Aber ein hartes Stück Arbeit.

Zwar dominierten wir das Spiel von Beginn an und fanden immer wieder gute Lösungen gegen den defensiv sehr gut eingestellten Gegner, doch erst in der Schlussphase konnten wir durch Tore von Munas Dabbur und Takumi Minamino das Spiel für uns entscheiden.

Man of the Match

Der auffälligste Spieler auf dem Platz war am gestrigen Abend eindeutig Rechtsverteidiger Stefan Lainer, der in seinem 100. Pflichtspiel eine mehr als beeindruckende Leistung zeigte.

In nur zweieinhalb Jahren beim FC Red Bull Salzburg ist der gebürtige Salzburger in der Defensive nicht mehr wegzudenken und hat sich nicht umsonst als einer der wenigen heimischen Bundesligaspieler einen Platz im Nationalteam-Kader erkämpft. Man möchte meinen, dass sich 100 Pflichtspiele in den Beinen nach dem einen oder anderen Wehwehchen anfühlen, nicht für Stefan Lainer:

Im Moment fühlen sich die Beine natürlich schon sehr schwer an, weil wir ja ein ganz schönes Programm haben, aber genau das wollen wir ja auch. Es gibt nichts Schöneres für einen Spieler. Jeder hier im Team will spielen, und da beißt man dann auch gerne die Zähne zusammen. Deshalb haben wir ja nicht nur eine hohe Anzahl an Spielen, sondern auch eine dementsprechende Trainingsleistung, die wir zwei, drei Mal am Tag abrufen müssen, um die Spannung hochzuhalten. Wir kommen aber mit diesen Herausforderungen noch immer sehr gut zurecht und freuen uns, dass wir uns für die Winterpause eine gute Ausgangslage erarbeitet haben und sowohl national als auch international noch vorne mit dabei sind.

Abgesehen von den drei englischen Wochen auf dem Spielplan unserer Mannschaft wurde Stefan Lainer von Neo-Teamchef Franco Foda zuletzt auch ins Nationalteam einberufen. Der Trainings-Lehrgang war alles andere als ein Kindergeburtstag:

Ich habe zwar nicht alles gespielt, aber wir haben in den Lehrgängen sehr hart und sehr gut trainiert. Entspannt war das sicher nicht, denn jeder möchte ja beim neuen Teamchef seine Visitenkarte abgeben und sich für einen Länderspieleinsatz empfehlen.

Die Konkurrenz ist nicht nur bei den Roten Bullen sehr groß, sondern auch beim österreichischen Nationalteam, trotzdem schätzt er seine Chancen, unter Neo-Teamchef Franco Foda zu Einsätzen zu kommen, sehr gut ein.

Auf der Rechtsverteidigerposition rechne ich mir zumindest realistische Chancen aus. Ich werde alles geben, um mich beim Teamchef zu empfehlen. Ich war zwar nicht von Beginn an beim Lehrgang dabei, da ich ja nachberufen wurde, aber ich denke doch, dass ich einen positiven Eindruck hinterlassen konnte.

Ähnlich wie sein Konterpart Andreas Ulmer ist Stefan Lainer ein sehr zuverlässiger Spieler, überzeugt seine Trainer mit unglaublicher Willensstärke und ist zudem auch noch extrem belastbar – sowohl mental als auch physisch. Darüber hinaus zählte er in der vergangenen Saison auch zu den treffsichersten Defensivspielern der Liga. Mittlerweile hat sich bei seinen jeweiligen Gegenspielern herumgesprochen, dass man einen Lainer (Achtung: lustiges Wortspiel :-)) nicht von der Leine lassen darf:

In der heurigen Saison sind mir ja noch keine Treffer gelungen, aber klar spüre ich, dass unsere Gegner sich sehr gut auf unser Spiel eingestellt haben und es uns auf diese Weise schwerer machen. Umso erstaunlicher ist es, finde ich, dass wir trotzdem immer wieder im Spiel Lösungen finden und zu Toren kommen. Als Verteidiger ist es nicht meine primäre Aufgabe, Tore zu schießen, sondern Gegentreffer zu verhindern. In der Europa League stellen wir derzeit die vermutlich beste Verteidigung und darauf können wir wirklich stolz sein.

Der Erfolgslauf der Mannschaft war gestern im Heimspiel gegen den SV Mattersburg ebenfalls deutlich sichtbar. Zwar haben sich die Burgenländer in der Red Bull Arena teuer verkauft und großartig dagegengehalten, aber unsere Mannschaft hat Geduld und bis zum Ende Moral bewiesen.

Das Entscheidende für unseren Erfolg ist unser starkes Kollektiv. Wir sind nicht nur so gut, weil wir vorne die Tore machen und hinten so gut wie keine zulassen, sondern weil wir im Team, unabhängig von der Aufstellung und den taktischen Vorgaben, einfach perfekt miteinander harmonieren. Unsere Verteidigung beginnt schon in der Offensive, und wenn man sich anschaut, wie gut unsere Stürmer schon verteidigen, wird einfach klar, warum wir im Moment so schwer zu schlagen sind.

Wir rotieren oft, wechseln da und dort das System, spielen mal mit Raute, dann mit Doppel-6, neuerdings auch mit Fünferkette. Wir verkraften diese Umstellungen und Veränderungen sehr gut, können uns blitzschnell auf den jeweiligen Gegner einstellen, finden immer öfter und immer schneller gute Lösungen. Das geht aber nur, weil alle mitziehen. Wir beißen uns durch und jeder kämpft für jeden. Das macht richtig viel Spaß, mit den Jungs am Platz zu stehen.

Die Floskel vom „modernen Fußball“ mag Stefan Lainer gar nicht. Aus seiner Sicht hängt der Erfolg einer Mannschaft ebenso wenig davon ab, wie lange ein Team schon zusammenspielt, noch wie flexibel man mit einem Systemwechsel umgeht:

Natürlich ist es gut, wenn eine Mannschaft über Jahre zusammenspielt und aufeinander abgestimmt ist. Insgesamt aber muss die Harmonie einfach stimmen, denn wenn sich Spieler untereinander nicht verstehen, wird sich das immer wieder auch auf dem Platz zeigen. So etwas wie ein modernes Fußball-Konzept gibt es meiner Meinung nach nicht. Es gibt aber die Grundwerte des Teamsports und es gibt mehr oder weniger effiziente Spielsysteme. Es ist also nicht nur wichtig, dass wir in der Mannschaft ein gutes Klima haben. Es braucht auch Typen, die bis zum Ende alles geben, fighten bis zum Umfallen und unsere Spielanlage so umsetzen können, wie es in dem Moment gebraucht wird. Und was das angeht, haben wir eine sehr gute Mischung zurzeit. Wir sind immer optimal auf den jeweiligen Gegner vorbereitet, können den Matchplan am Punkt umsetzen, und das macht uns meiner Meinung nach so stark.

Die Grundprinzipien im Mannschaftsgefüge beschreibt er mit seinen eigenen Worten folgendermaßen:

Das System ist für uns nicht so entscheidend, viel wichtiger ist, dass wir mutig in die Zweikämpfe gehen, dass wir uns alle den Sieg zutrauen, egal welcher Gegner daherkommt, dass wir gemeinsam verteidigen, gemeinsam angreifen. Es ist keine Frage dessen, ob wir mit der Vierer- oder der Fünferkette besser oder schlechter sind. Es ist nur wichtig, dass wir in dem Moment, wo das Spiel losgeht, am Punkt da sind und jeder bereit ist, alles für das Team zu geben.

Es fällt auf, dass Stevie in einem Gespräch, in dem es eigentlich um ihn gehen sollte, immer wieder das starke Kollektiv anspricht und nicht viel von sich preisgeben möchte, trotzdem wollen wir natürlich von ihm wissen, welche persönlichen Ziele er beim FC Red Bull Salzburg verfolgt.

Ich möchte hier einfach etwas hinterlassen, möglichst viele Siege feiern und Titel holen. Ich möchte aber auch ein Vorbild sein und jungen Menschen zeigen, dass man, auch wenn man nicht mit großem Talent gesegnet ist, mit harter Arbeit und dem Glauben an sich selbst viel erreichen kann. Dieser Ehrgeiz ist mir sicher schon in die Wiege gelegt worden. Aber wir alle wollen unsere Spuren beim FC Red Bull Salzburg ziehen, und unser nächstes Ziel ist es, in der Europa League noch für die eine oder andere Überraschung zu sorgen. 

Stefan Lainer wirkt immer sehr besonnen, ruhig und im positiven Sinne fast ein wenig unauffällig. Fragt man aber seine Teamkameraden, hört man auch immer wieder das Gerücht, dass da ein ziemlich brodelnder Vulkan in ihm schlummert. Wir wollten wissen, wie seine Kollegen eigentlich auf so eine Behauptung kommen? Mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen antwortet er:

Okay, es mag sein, dass ich abseits des Platzes nach außen hin eher ein ruhigerer Typ bin. Damit ist es aber spätestens vorbei, wenn die Fußballschuhe fest am Fuß sitzen. Dann erkenne ich mich manchmal selbst nicht wieder. Aber das ist schon ganz okay so. Du hast mit Sicherheit keinen Vorteil, wenn du immer ruhig und nett bist und dein Gegenspieler seinen Spaß mit dir hat. Trotzdem aber sollte man sich in einem Match immer diszipliniert und fair verhalten, und das versuche ich so gut es geht.

Er selbst würde sich nicht als Spielertyp beschreiben, der mit viel Talent gesegnet ist, doch sein Ehrgeiz und sein Kampfgeist haben ihn schon sehr, sehr weit gebracht. Wohin soll die gemeinsame Reise noch führen?

Mein Ehrgeiz darf mich ruhig noch weiter führen, aber ich habe mir kein spezielles Ziel für meinen weiteren Karriereweg gesetzt. Ich will einfach nur mein Bestmöglichstes geben und schauen, wohin die Reise noch geht.

Wir gratulieren unserem Frischgebackenen 100er von ganzem Herzen und wünschen Uns, dass ER noch viele weitere Spiele im Dress der Roten Bullen für uns bestreiten wird!