„SALZBURGER HALBZEIT“ mit Marin Pongracic

Marin Pongracic kann man wohl zu Recht als DEN Newcomer dieser Saison bezeichnen. Letzte Spielzeit noch teilweise nur Nummer vier in der Innenverteidigung hat er sich in dieser Saison zum Stammspieler neben Andre Ramalho entwickelt.

Unser 21-jähriger Innenverteidiger hat sich – trotz der aktuell stressigen Phase mit vielen Spielen und englischen Wochen – Zeit genommen und mit uns unter anderem ausführlich über seine Kindheit, seine Liebe zum Bolzkäfig, die Karriereplanung, das Thema Disziplin, seine fußballerische Entwicklung und seine Ziele gesprochen.

Zu Beginn dieses interessanten und kurzweiligen Interviews haben wir Marin um ein paar persönliche Einblicke in seine Kindheit gebeten und wollten wissen, wie er denn aufgewachsen ist.

Ich bin gemeinsam mit meinen zwei Schwestern – eine ist 6 Jahre und somit deutlich jünger als ich, die andere mit 23 um zwei Jahre älter – in Landshut aufgewachsen und hatte dort eine tolle Jugend. Nach der Grundschule bin ich auf das Gymnasium gegangen, wo ich allerdings nicht der allerbeste Schüler war. Nach meiner Zeit im Nachwuchs von Landshut kam ich zu den Bayern und anschließend zum FC Ingolstadt.

Angesprochen auf die Location „Bolzkäfig“, die meist mit dem Thema „Multikulti“ in Verbindung gebracht wird und die er sich explizit für das Fotoshooting gewünscht hat, erklärt er seine Entscheidung wie folgt:

Ich bin ebenfalls multikulturell aufgewachsen und fühle mich daher in Lehen, wo sich dieser Bolzkäfig befindet, sehr wohl. Wir waren früher sehr viel auf so einem Bolzplatz. Da es leider bei uns in der Stadt nicht so einen tollen Bolzkäfig wie hier in Salzburg gab, haben wir uns teilweise auf einem Hartplatz mit zwei Schuhen Tore gemacht, um kicken zu können. Auf jeden Fall war dies ein großer Teil meiner Jugend, und daher habe ich den Bolzkäfig als Location gewählt.

Bei der Frage, ob sein Berufswunsch immer schon Fußballer war oder wie sein Plan B aussah, sollte es mit der fußballerischen Karriere nichts werden, antwortete Marin folgendermaßen:

Ich wollte eigentlich immer schon Fußballer werden. Mit fünf oder sechs Jahren hat mich meine Schwester zum ersten Mal zum Training gebracht. Ich war damals schon fußballverliebt und habe bei uns im Hof immer Fußball gespielt. Manchmal auch alleine und dabei habe ich mich dann auch selbst kommentiert. Wenn ich ganz ehrlich bin, hat es bei mir keinen Plan B gegeben. Ich war immer schon fußballbegeistert und wollte unbedingt Fußballprofi werden.

Im zweiten Teil des Interviews haben wir uns über das Sportliche und seine fußballerische Entwicklung unterhalten.

In den letzten zwei Jahren ist bei Marin viel passiert: Er ist zwar erst 21 Jahre alt, man kann ihn aber bereits ein bisschen als Wandervogel bezeichnen. Mit dem FC Bayern München, FC Ingolstadt 04, 1860 München und jetzt dem FC Red Bull Salzburg hat er bereits vier unterschiedliche Vereine in seiner Vita stehen. Warum gab es bei ihm so viele Wechsel?

Wie bereits während meiner Schulzeit gab es bei mir auch im Fußball ab und an disziplinäre Probleme. Bei dem einen oder anderen Verein war ich aber auch einfach nur mit meinen Einsatzzeiten nicht wirklich zufrieden, weshalb ich dann schlussendlich gegangen bin. Mich hat es dann natürlich riesig gefreut, dass ich von 1860 München den Schritt nach Salzburg machen konnte, der für mich ein großer war. Jetzt bin ich froh und stolz, hier zu sein, und versuche, mein Bestes zu geben.

Nicht erst seit diesem Interview ist klar, dass er kein aalglatter Fußballer ist, sondern auch manchmal dazwischenhaut und seine Meinung freiheraus sagt. Er ist in unseren Augen sozusagen ein Typ mit Ecken und Kanten, wie er oftmals im Fußball gefordert wird. Ob auch er das so sieht?

Ja, das würde ich schon so unterschreiben. Trotzdem muss ich noch ein paar grundlegende Sachen lernen, denn auch trotz Ecken und Kanten muss man immer eine Grenze haben und sollte es nicht übertreiben.

Angesprochen auf sein fußballerisches Vorbild in seiner Kindheit und Jugend hat er uns schließlich aber etwas überrascht, nennen doch meist viele Fußballer Spieler, die auf der gleichen oder einer ähnlichen Position spielen bzw. gespielt haben.

Ronaldinho war auf jeden Fall ein sehr großes Vorbild von mir. Aber auch Zlatan Ibrahimovic, der jedoch eher als Person, Ronaldinho eher vom Fußballerischen her.

Wie eingangs bereits erwähnt, hat sich Marin in dieser Saison zum Stammspieler neben Andre Ramalho entwickelt. Was ist in dieser Saison für ihn anders, dass er so rasch von der sogenannten Nummer vier zum Startelf-Kicker aufsteigen konnte?

Im Vergleich zur letzten Saison habe ich mich als Fußballer, aber vor allem was disziplinäre Sachen angeht, sehr weiterentwickelt und habe einen großen Schritt gemacht. In dieser Saison habe ich dann das Vertrauen des Trainers bekommen und meine Sache, denke ich, ganz gut gemacht. Daran gilt es jetzt anzuknüpfen und jeden Tag weiter hart zu arbeiten.

Im letzten Teil haben wir unseren jungen Kroaten gefragt, ob unser Klub für junge Talente wie ihn quasi ein Türöffner sein kann, was er in seiner Freizeit so macht und wie seine weiteren Ziele aussehen.

Ich denke, dass unser Klub sehr viel auf die Jugend setzt. Die jungen Spieler bekommen auch regelmäßig die Chance in der ersten Mannschaft, das ist enorm wichtig. Generell ist die Jugendarbeit sehr, sehr gut. Ich kann mich noch erinnern, als ich früher noch mit den Bayern gegen Salzburg gespielt habe, da war Salzburg immer einer der stärksten Gegner.

Trotz der Tatsache, dass Marin Fußballprofi ist und akribisch an seiner Weiterentwicklung arbeitet, ist er auch immer noch ein 21-Jähriger, der ganz alltägliche Sachen in seiner Freizeit macht, wie er uns weiter erzählte:

Puh, in meiner Freizeit mache ich eigentlich alles Mögliche und das meistens spontan. Mit Freunden spiele ich ab und an Playstation, wir sind aber auch viel draußen und machen ganz alltägliche Sachen wie Tischtennis oder Basketball spielen. Ab und an, wenn es der Fußball zulässt, gehen wir auch mal auf Partys, aber das ist in unserem Alter ja ganz normal (lacht).

Als wir zum Schluss des Interviews noch auf das Thema Zukunft zu sprechen kamen, erzählte er uns von klaren Zielen, die er kurz- bzw. langfristig erreichen möchte:

Kurzfristig sind meine Ziele natürlich, mit der Mannschaft diese Saison sehr erfolgreich zu sein und, wenn möglich, alle drei Titel zu holen. In der Nationalmannschaft möchte ich an meine Leistungen anknüpfen und so meine Chancen bekommen. Irgendwann würde ich dann gerne mal bei meinem Lieblingsverein FC Barcelona spielen. Ich weiß, dass es zwar sehr unrealistisch ist, aber man weiß ja nie.