Marsch-Musik gegen Kloppos Heavy-Metal-Combo in der Beatles-Stadt!

Der Jubel war grenzenlos, als uns das Los in eine Gruppe mit Liverpool beförderte. Aus der Euphorie wurden wippende Beine und Dauergrinser. Nicht nur bei unseren Kickern. Mit 3.000 Fans im Rücken sind wir die größte Herde an Roten Bullen, die je in der Hafenstadt am River Mersey eingefallen ist.

Die moderne Zeit läuft schnell. Vor zwei Wochen haben wir uns noch in geißelnder Nervosität über unser bevorstehendes Debütspiel in der KönigsCLasse unterhalten. Einen 6:2-Sieg später hat Erling Haaland seine Instagram-Follower verdreifacht, ganz Fußballeuropa von uns Notiz genommen und die Hälfte davon vor uns die Hosen voll. Die Brust ist breit, und das muss sie auch sein, denn „This is Anfield!“

„Liverpool“, das ist mehr Mythos als geografische Bezeichnung, es ist der sofortige Gedanke an den Fußballklub, lange bevor man an die Hafen- und Musikstadt denkt. „Liverpool“, das ist die götzenhafte Anbetung eines Fußballvereines und You'll never walk alone. Ein Weltklub, der, nach dem Gefühl vieler, immer vorne mit dabei war. Und in der Tat spielten die Roten aus dem englischen Nordwesten nicht nur gut Fußball, sondern auch eine wichtige Rolle in der globalen Verbreitung des beautiful game. Athletic Bilbao spielt bis heute in rot-weißen Trikots, weil ihnen die einst von Liverpooler Seefahrern zur Gründung geschenkt wurden. Der Verein Liverpool Montevideo erinnert bis heute an die beinahe sektenhafte Missionierung der Scousers zur Bolzerei selbst bis nach Südamerika. Scousers? So nennen sich die Einwohner Liverpools. Der Name entstammt ihrem speziellen Dialekt, dem Scouse, der seinen Terminus von der Speise Labskaus bekommen hat. Diese war bei Liverpooler Matrosen sehr beliebt. Die Ereignisse zur See bestimmten immer auch die Schicksale zu Land. Liverpool war der Heimathafen der Titanic, in dem auch alle wirtschaftlichen Erzeugnisse des nordenglischen Kohle- und Stahlreviers verschifft wurden. Mit der Eröffnung des Manchester-Kanals wurde die Funktion der Hafenstadt obsolet. Arbeitslosigkeit und Elend waren die Folge, während die Nachbarstadt Manchester florierte. Darin begründet sich auch die tiefe Abneigung gegen das dort ansässige Man United. Als hätte die Stadt nicht genug gelitten, mussten die Scousers bei den Stadionkatastrophen von Heysel und Hillsborough Dutzende Tote beklagen. Selbst Klublegende Steven Gerrard verlor seinen Bruder. Im Gedenken an die Verstorbenen wird bis heute vor jedem Heimspiel das You'll never walk alone angestimmt, das ursprünglich aus dem Broadway-Musical Carousel stammt.

TV-Show: Auswärts in der KönigsCLasse – Akt 1

Heute ist es Erinnerung und Mythos zugleich. Selbst Pep Guardiola meinte unlängst, dass es nirgendwo schwieriger wäre als an der Anfield Road. Die Stimmung entwickle eine Eigendynamik, die den Gegner wehrlos erstarren ließe. In der Champions League lag Pep mit seinen Citizens nach nur 20 Minuten mit 0:3 zurück. Damit uns das nicht passiert, müssen wir einige Dinge wissen. Liverpool unter Klopp ist nicht nur Heavy Metal Football, es ist mittlerweile auch defensive Solidität. Seit seiner Ankunft in Anfield ist Virgil van Dijk der Fels in der Brandung. 65 Spiele lang wurde der Niederländer nicht überspielt. Das gibt den Kollegen Freiheiten. Die beiden Außenverteidiger Trent Alexander-Arnold und Andy Robertson lieferten in der vergangenen Saison jeweils weit über zehn Assists. Letzterer war sogar der beste Vorbereiter der Premier League. Wie das? Jürgen Klopp setzt auf einen Dreiersturm, wobei sich Mittelstürmer Firmino häufig ins Mittelfeld zurückfallen lässt. Das eröffnet Räume für Salah und Mane, die in Folge den Strafraum attackieren, während Robertson und Arnold auf den unbefahrenen Außenbahnen in vollem Tempo dazustoßen. Beachtlich, wenn man denkt, dass Klopp vor vier Jahren noch mit Fabio Borini, Rickie Lambert und Mario Balotelli im Tabellenmittelfeld dümpelte.

Wer das Team von Jesse Marsch nicht an der Anfield Road anfeuern kann, hat die Möglichkeit, das Duell gegen Liverpool live und exklusiv mit Sky X zu streamen! Hol dir jetzt Sky X!

Wie schon gegen Genk sorgt ein Blick auf das Schiedsrichtergespann für Hoffnung. Die Offiziellen unter der Ägide des Schweden Andreas Ekberg haben bereits unsere Auswärtspartie gegen RB Leipzig geleitet. Vier der fünf Spiele mit österreichischer Beteiligung, die der Schwede pfiff, gingen an Rot-Weiß-Rot, eines endete remis. Die Statistik gibt weniger Grund zur Vorfreude. Unsere letzten drei internationalen Begegnungen mit Premier League-Klubs endeten in Niederlagen ohne Torerfolg. In dieser Saison haben unsere Roten Bullen aber in jedem Spiel zumindest zwei Mal getroffen. Und auch unser Co-Trainer Rene Aufhauser sollte den Reds einen Schrecken einjagen. Er war Teil der legendären GAK-Elf, die 2004 durch einen Tokic-Treffer 1:0 an der Anfield Road gewann.

Der Respekt vor uns ist groß, das war den Liverpooler Gazetten zu entnehmen. Geheimnisse gibt es kaum, zumal mit Sadio Mane und Naby Keita zwei unserer ehemaligen Burschen im Kader der Reds stehen. Dass die beiden über Salzburg den Weg nach Liverpool gefunden haben, ist natürlich kein Zufall. Die Spielanlagen sind ähnlich. Das könnte Fluch und Segen zugleich sein.

Gegen Rapid machten wir die Erfahrung, dass wir uns gegen destruktiven Fußball schwertun. Wer versucht, mit uns mitzuspielen, bekommt hingegen häufig eine fette Rechnung präsentiert. Doch was, wenn jemand in unserem Spiel besser ist als wir selbst? Gegen den LASK wurden wir 20 Minuten lang mit unseren eigenen Mitteln geschlagen. Gegen Liverpool ist von 90-minütiger Dominanz auszugehen. Unser Trainer Jesse Marsch ist gefragt. Die bereits zwei Mal erprobte Dreierkette könnte der benötigte Bremsklotz gegen Liverpools Offensivpower sein. Spitzenspiele werden im Mittelfeld gewonnen. Mit Henderson, Fabinho und Wijnaldum setzt Klopp auf unermüdlich ackernde Kaltblüter. Da müssen wir physisch dagegenhalten. Die verletzungsbedingte Abwesenheit von Antoine Bernede schmerzt da natürlich doppelt, wenngleich sich Enock Mwepu mit starken Leistungen bereits aufgedrängt hat. Im Sturm könnte unsere Auswahl diesmal limitiert ausfallen. Der Einsatz von Erling Haaland ist nach seinem Infekt noch mit einem Fragezeichen behaftet.

Die PK-Stimmen zum Spiel findest du HIER!

Personelles

Alexander Walke muss weiterhin nach einer Operation an der Fußwurzel passen. Antoine Bernede ist mit einem Schienbeinbruch außer Gefecht.

Die letzten Duelle mit englischen Teams:

28.09.2006 Blackburn Rovers – FC Salzburg 2:0 (1:0)
14.09.2006 FC Salzburg – Blackburn Rovers 2:2 (1:2)
16.09.2010 FC Salzburg – Manchester City 0:2 (0:1)
01.12.2010 Manchester City – FC Salzburg 3:0 (1:0)

25.07.2007 FC Salzburg – Arsenal FC 1:0 (0:0)
31.07.2019 FC Salzburg – Chelsea FC 3:5 (0:3)