Taki über seine Tüfteleien im Spitzensport

Takumi Minamino ist ein grundfreundlicher, wortkarger Perfektionist. Wie bringt unser Japaner seine Leistungen auf das nächste Level? Ein Interview, das sich zwischen 99 und 100 Prozent bewegt.

Fußball ist ein Sport, bei dem Hundertstel- und Millisekunden entscheiden. Ob man ebendiese im Moment X abrufen kann, determiniert die akribische Vorbereitung. Mit wem könnte man sich also besser über dieses Thema unterhalten als mit unserem unermüdlichen Arbeiter Takumi Minamino?

Wie perfektionierst du deine Spielvorbereitung?

Wir haben harte Spiele zu bestreiten. Noch dazu habe ich eine Rolle, in der ich mich viel bewegen muss. Genau diese Dinge gilt es zu trainieren. Ich brauche viel Kraft und viel Geschwindigkeit. Daher trainiere ich mit viel Gewicht und vielen Sprints. Die Rumpfmuskulatur steht im Vordergrund.

Wie achtest du auf deinen Körper?

Man muss selbst sehr auf seinen Körper achten, die Schlafzeiten einhalten, sich gut ernähren. Dehnen und Ausruhen sind unabdinglich. Darüber hinaus lasse ich mich häufig massieren, das gibt mir den Extra-Boost bei der Regeneration des Körpers. Das muss man schon machen, bevor der Körper müde wird.

Wie fokussierst du dich, um im richtigen Moment volle Leistung bringen zu können?

Während ich auf dem Platz stehe, geht es nur ums Gewinnen. Ich denke nicht groß darüber nach, wo ich gerade bin oder was ich gerade tue. Ich bin bewusst in dieser Verfassung. Nur so kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren. Ich spüre die Atmosphäre des Stadions und den Jubel der Fans nicht. Ich bin in meiner eigenen Welt.

Wie setzt du dir deine Ziele?

Das ist etwas Persönliches. Ich kann schwer sagen: Heute gewinnen wir oder wir holen eine gewisse Anzahl an Punkten. Das kann ich nur beschränkt beeinflussen. Es gibt viele Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Was man sich immer fragen kann, ist aber: Habe ich heute mein Bestes gegeben? Kann ich mehr leisten? So kann ich immer sichergehen, dass ich mein Maximum abrufe.

Gibt es manchmal auch Momente, in denen zu verzagst und deprimiert bist?

Depression? Kenne ich nicht (lacht). Ich denke, dass Fußball eine Reihe von Fehlern ist, und wenn man sich das Spiel ansieht, gibt es einige Teile, die schlecht oder gut waren. Natürlich bin ich frustriert, wenn ich mich in einer Situation falsch entschieden habe. Aber es macht keinen Sinn, sich in Fehler zu verstricken. Ich muss es wieder und wieder versuchen und nach vorne schauen.

Welche Dinge sind deine ständigen Wegbegleiter?

Ich würde gerne überraschendere Dinge offenbaren, aber iPad und Kopfhörer sind unverzichtbar.

Woher beziehst du Inspiration?

Es sind vor allem Spieler, die eine körperliche Ähnlichkeit zu mir haben, wie Aguero, Griezmann, Hazard, Inzaghi und Raul. Ich finde es erstaunlich, wie sie als Stürmer ohne massive körperliche Präsenz pro Saison 20 Tore oder mehr machen. Ich liebe Spieler, die im Strafraum entscheidende Arbeit leisten können.

Wo tankst du Kraft?

Das ganze Jahr über haben wir drei Wochen Pause. Mehr als die Hälfte von ihnen ruhe ich mich in Japan aus. Wir haben sehr gutes Essen und Ruhe. Es ist sehr wichtig, auch einmal die Seele baumeln zu lassen.

Von welcher Musik lässt du dich inspirieren?

Wenn ich mich mit meinem Kumpel Sei Muroya (FC Tokio) treffe, tauschen wir immer unsere Playlists aus. Er hat ein gutes Gefühl dafür, was gerade cool ist (lacht). Ich höre gerne japanische Musik, die hilft mir beim Runterkommen.

Wie ernährst du dich?

Ich lebe alleine, daher ist es nicht so einfach, immer für mich selbst zu kochen. Das Team isst im Wesentlichen morgens und mittags. Das Ernährungsmanagement muss aber über die beiden Mahlzeiten hinausgehen. Ich habe ein Lieblingsrestaurant, in dem ich oft Garnelennudeln esse. Im Wesentlichen esse ich Powerfood. Wenn ich japanisches Essen vermisse, fahre ich manchmal zum Einkaufen nach München.

Danke für das Interview!