Ein Blick auf die letzten zwölf Monate

Zur Jahreswende war alles im gewohnten Lot. Den LASK, dem man noch in der Hinrunde unterstellt hatte, Chancen auf den Titel zu haben, distanzierten wir bis zum Start des Frühjahrs 2019 um 14 Punkte. Unter normalen Verhältnissen wäre das eine Rückrunde zwischen Pflichtsiegen und Schaulaufen geworden. Doch das abgelaufene Jahr brachte Veränderungen. Die wohl einschneidendste davon: die Punkteteilung.

In den vier Partien zwischen Rückrundenauftakt und ebendieser schaffte es der LASK, dank vier Siegen unseren Vorsprung auf neun Zähler schrumpfen zu lassen. Nach der Punkteteilung bedeutete das nur noch vier Zähler pro Salzburg. Unkenrufe wurden laut. Das Momentum hätte sich gedreht, die Chancen stünden nun 50 zu 50. Denkste! Schon in der zweiten Runde der Meistergruppe wartete das Duell mit dem aufmüpfigen Linzer ASK. Die Erinnerung ist noch präsent. In einer ruppig geführten Partie mit sieben Gelben Karten stellte Freddie Gulbrandsen im ausverkauften Waldstadion früh die Weichen in Richtung Sieg. Der späten Druckphase wusste dann Patson Daka zu trotzen, der in der 90. Minute den 2:0-Endstand besorgte.

Nach nur vier abgegebenen Punkten in der Meistergruppe war de facto schon vier Runden vor dem Ende der Deckel drauf. Pro forma war ein Punkt gegen den gastierenden Linzer ASK in der Red Bull Arena für den sechsten Titel en suite nötig. Das rief zum ersten Mal einen neuen Bekannten auf den Plan: Erling Haaland. Bei seinem ersten Bundesliga-Start für unsere Roten Bullen knipste er zum 2:1-Endstand.

So war es also amtlich. Wir waren zum sechsten Mal in Folge Meister und ganz nebenbei zum ersten Mal direkt für die UEFA Champions League qualifiziert. Eine Wohltat, so blieb uns der schon unabwendbar geglaubte Groundhog Day zum ersten Mal erspart. Was uns aber nicht erspart blieb, waren die gewohnt zahlreichen und namhaften Sommerabgänge. Mit Munas Dabbur, Freddie Gulbrandsen, Hannes Wolf, Xaver Schlager, Diadie Samassekou und Stevie Lainer verließen uns sechs reguläre Starter der beschriebenen Saison und zudem Trainer Marco Rose. Letztgenannter wurde mit uns zwei Mal Meister und ein Mal Cup-Sieger, Chapeau Marco!

Apropos Cup, den gewannen wir in diesem Jahr auch. Nach Siegen über den SC Wiener Neustadt und den GAK standen wir im Wörthersee Stadion dem SK Rapid gegenüber. Die ganz spezielle Magie des Cups wurde an jenem Tag zusätzlich mit jener des Patrick Farkas unterstrichen. In seinem ersten Start nach seinem langwierigen Kreuzbandriss war er es, der die Geschichte des Spiels schreiben sollte. Zunächst traf er zum 1:0, ehe Munas Dabbur nur zwei Minuten später per Kopf auf 2:0 erhöhte. Farki flog zwar gleich nach der Pause mit einer Gelb-Roten Karte vom Feld, was dank unserer Routine allerdings nichts mehr am Endergebnis änderte.

Nur Wochen später schlüpfte Jesse Marsch in die Salzburger Trainerjacke. Wir kennen die Geschichte. Er hatte nur 13 Wochen, um einen schlagkräftigen Kader für die erste UEFA Champions League-Teilnahme zu formen. Wie er das bewerkstelligte, könnt ihr euch in unserer Doku Jeder.Mann noch einmal zu Gemüte führen.

13 Wochen sind doch gelacht, wenn bis zum Ligastart nur sechs blieben. Noch im Juli eröffneten wir in Hütteldorf die neue Bundesliga-Saison. Ein lautstarkes Willkommen für Jesse, der im Hexenkessel genau die richtigen Worte fand und unsere Burschen zu einem 2:0-Erfolg trieb. Fortan eilten wir von Sieg zu Sieg. Den Gegnern flogen die Trümmer nur so um die Ohren. 4:1, 5:2, 6:0, 5:0, 5:1 und 7:2, das liest sich wie der Endstand eines Tennismatchs, es waren aber unsere ersten sechs Ergebnisse.

Wieder war es der LASK, der uns auf die Pelle rücken sollte. Diesmal machten es die Linzer aber besser als in der letzten Saison. Das 2:2 in Pasching war eine Schlacht. Über 90 Minuten wurde nicht gespielt, es wurde gekämpft. Wir kamen von einem 0:2-Rückstand zurück, hatten gegen Ende sogar den Sieg auf dem Fuß. Dieser Tag manifestierte, was folgen sollte: ein Paarlauf an der Spitze.

Der dichte Spielplan zwang zu viel Rotation und zog auch einige Verletzungen nach sich. Antoine Bernede verpasste nach seinem Schienbeinbruch den Rest der Herbstsaison. Erling Haaland laborierte an verschiedenen Wehwehchen, die ihm oft nur Kurzeinsätze erlaubten. So wurden auch die Spiele knapper. In Graz entführten wir nur mit Mühe einen Punkt. Beim Heimspiel gegen Rapid rettete uns Sladdi Junuzovic mit einem grandiosen Freistoß in der Nachspielzeit den Dreier. Dennoch blieben wir in den 18 Bundesliga-Spielen der Herbstsaison ungeschlagen. Umso erstaunlicher: Der LASK hielt mit. Nur zwei Punkte trennen uns von den Oberösterreichern. Und das, obwohl wir zu Weihnachten nur zwei Zähler weniger auf dem Konto haben, als im letzten Jahr. Gerne würden wir uns die Nerven sparen, ein spannendes Meisterrennen im Jahr 2020 wird sich aber nicht vermeiden lassen.

Ebenso könnte es im Cup knapp werden. Die bisherigen Aufgaben gegen Parndorf, Rapid und Ebreichsdorf meisterten wir den Gegnern entsprechend. Jetzt steht uns Amstetten ins Haus. Kein klingender Name, dafür umso unbequemer, da es unser erstes Bewerbsspiel im neuen Jahr wird. Die Marschroute ist aber ohnehin vorgeben. Wir wollen den diesjährigen Erfolg wiederholen.