Alles oder Nichts in der Atmosphäre von San Paolo!

Pleite nach braver Leistung: Gegen Napoli fühlten wir uns um die Zeche geprellt. Jetzt gilt es, die Schulden zu begleichen. Ein Do-or-die-Szenario, Sieg oder Abschied.

Partenopei: Die SSC trägt einen nicht unbedeutenden Beinamen. Nämlich den einer Sirene in Homers Odyssee. Sie soll auf einer Insel vor der italienischen Küste Seefahrer mit ihrem Gesang betört haben, um sie anzulocken und zu töten. Lockend und beißend, das erinnert an den Auftritt der Ancelotti-Elf in Salzburg. Doch wie schon Jesse Marsch sagte: „Wir sind am Leben!“ Und auf den Spuren von Odysseus, der unbeirrt an Partenopei vorbeisegelte, sodass diese ins Tyrrhenische Meer sprang und tot am Strand von Neapel angespült wurde. Tiefe Gewässer, in solche müssen wir Napoli zerren. Denn wer nach unseren Regeln spielen muss, hat schlechte Karten.

Das war der Kritikpunkt an der 2:3-Niederlage in Salzburg. Nicht, dass uns Mumm oder Glück gefehlt hätten. Es war der Erfahrungsvorsprung Napolis, der uns ein unliebsames Spiel aufdrückte und uns just in den spielentscheidenden Momenten die Schneid abkaufte. Da ging es nicht um mangelnde Qualität, sondern um Haaresbreiten. Genau deshalb wittern wir auch diesmal unsere Chance. Die SSC hat seit ihrem Sieg gegen unsere Roten Bullen kein Spiel gewonnen. Zwei Remis und eine Niederlage. Der Einzige, der zu überzeugen wusste, war Arkadiusz Milik, der in jedem dieser Spiele traf.

So steht Carlo Ancelotti bereits leicht angezählt auf dem Boden der Realität und sucht nach Inspiration. In den letzten drei Spielen setzte er auf 20 verschiedene Spieler. Außer Milik spielte sich niemand in die Auslage. Wenn schon die Form fehlt, könnte die Wahl, wie schon im Hinspiel, auf Erfahrung fallen. Und dieses Wort geht mit einem Namen Hand in Hand: Dries Mertens. Nach seinen Toren im Hinspiel hält er nun bei 116 Treffern für Napoli, das ist schon einer mehr, als Diego Maradona für die Azzurri erzielte. Die SSC nährt ihre Hoffnung aus ihrer traditionellen Heimstärke im San Paolo. In der letztjährigen Gruppenphase holten sie gegen PSG, Liverpool und Roter Stern Belgrad sieben der möglichen neun Punkte. Auch das diesjährige Heimspiel gegen Liverpool beendete man siegreich.

Das mag am, nun ja, ganz speziellen Charme der Spielstätte liegen. Die Betonschüssel aus den 1950er-Jahren hat den Charakter einer Gladiatorenarena. Seit der Renovierung anlässlich der Universiade im Sommer glänzen zumindest die Sitzschalen wieder blitzblau. Die Kabinen sind noch immer mehr Kampfkeller als CL-Arena. Hier müssen wir schon in der Kabine den Kampf annehmen. Aber keine Sorge: When the going gets tough, the tough get going!

TV Show Akt 2 in Neapel

Konterkariert ist unser Saisonverlauf seit dem Spiel gegen Napoli. Nach drei Siegen hat Jesse Marsch mehr formstarke Spieler als Plätze in der Startelf. Andi Ulmer ist rechtzeitig zu seinem 100. Europacup-Spiel wieder zurück. Mit Dominik Szoboszlai stellen wir den jüngsten CL-Torschützen in der laufenden Saison. Mit elf erzielten Toren sind wir nach den Bayern das offensivstärkste Team in der UEFA Champions League. Der einzige Schönheitsfehler: die bisherige Punkteausbeute. Ohne Dreier in Napoli müssen wir unsere Aufstiegshoffnungen begraben. Der Umstand, dass wir unsere drei letzten Auswärtsspiele in europäischen Wettbewerben verloren haben, spielt uns die logische Underdog-Rolle zu. Das polnische Schiedsrichtergespann rund um Szymon Marciniak pfiff bis dato drei Spiele mit österreichischer Beteiligung, von denen die heimischen Vertreter keines gewinnen konnten.

So trüb sollten die Aussichten aber nicht sein. Erst ein Mal in der Red Bull-Ära haben wir in einem europäischen Wettbewerb drei Mal in Folge verloren. Die heutige Qualität ist aber eine ganz andere als in der EL-Saison 2016.

Es ist die perfekte Gelegenheit, das in den Lehrstunden gewonnene Hirnschmalz in die Waagschale zu werfen und der Partenopei den Odysseus zu machen. Auf geht’s Burschen!

Was Jesse Marsch und Andi Ulmer zu sagen hatten, könnt ihr HIER nachlesen.

Personelles

Verletzungsbedingt nicht einsatzbereit sind Antoine Bernede (Schienbeinbruch), Cican Stankovic (Muskelverletzung) und Patrick Farkas (gesundheitliche Probleme). Smail Prevljak fehlt aufgrund von Nackenproblemen.

Die letzten Duelle mit italienischen Teams:

23.10.2019 FC Salzburg – SSC Napoli 2:3
14.03.2019 FC Salzburg – SSC Napoli 3:1

07.03.2019 SSC Napoli – FC Salzburg 3:0
12.04.2018 FC Salzburg – SS Lazio 4:1