Wenn die CL-Hymne verstummt und sich die Ränge leeren, ist es Zeit für den Nachklang!

Tapfer und fleißig, doch glücklos. Es war wieder nur ein Quäntchen, das uns fehlte. Die Schlachten gewonnen, den Krieg verloren. Eine Geschichte der ungleichen Waffen: Guerillakämpfer gegen Feldherrn.

Wir waren zurück in der trauten Heimat, und doch war die Gefühlswelt diffus. Mutig sein, aber nicht die Fehler aus Liverpool wiederholen. Angreifen, aber endlich in der KönigsCLasse die Null halten. Man merkte, wie Nervosität und Euphorie in den Synapsen rangen und massig Energie in die Beine unserer Burschen schießen ließen. Voller Tatendrang büffelten wir über 90 Minuten, während Napoli oft nur das Nötigste tat, jedoch den Beweis für eine Weisheit abgab: Smart Work trumps Hard Work!

Zu dreckig

Das gewisse Etwas, der Faktor X ... es gibt viele Möglichkeiten, um genau diesen einen Umstand zu beschreiben, der sich einfach nicht quantifizieren lässt. Kommentatoren-Legende Sigi Bergmann nannte es den Wimpernschlag einer Libelle, Millisekunden, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es sind Momente, die nicht vom Himmel fallen, sondern erarbeitet werden wollen. Wie kommt es, dass wir just nach unserem Ausgleich zum 2:2 binnen Sekunden den nächsten Treffer kassieren? Wie kommt es, dass der Schiedsrichter mitten in unserer Drangphase wegen steigender Härte die Partie zerpfeift? Zufall? Nein! Der Engländer nennt es Shithousery. Konkret meint der damit ein Verhalten wie jenes von Dries Mertens. Frech und hinterlistig die Grenzen des Erlaubten ausreizen, die Konzentration des Gegners durch Provokationen stören und im richtigen Moment daraus Profit schlagen. Man könnte sagen: Wir waren zu naiv. Wie schon in Liverpool, verlassen wir ein üppiges Dinner mit leerem Magen.

Zu clever

Mister Carlo Ancelotti ist ein Trainerfuchs. Das wussten wir davor. Unsere Fußballphilosophie ist weltbekannt, auch das war uns schon zuvor in stolzem Gewissen. Dass der mürrische Feldherr mit ausgefuchstem Schlachtplan anrücken würde, kam also nicht überraschend. Schwächen ausnützen, Stärken ausspielen – das A und O jedes Matchplans zog bei Ancelotti auch dieses Mal. Keine Bälle hinter die Linien zulassen, Laufduelle vermeiden, gegen die oftmals zu geringe Restverteidigung kontern. Wenn dieses Konzept aufgeht, fehlt uns oft ein Plan B. Vollgas und hoffen, dass man selbst ein Tor mehr schießt als der Gegner: Das hat gegen Genk funktioniert, gegen Liverpool und Napoli eben nicht. Warum? Die Teams sind zu clever und zu sauber. Die signifikantesten Zahlen: 13 zu 8 Schüsse, aber 2 zu 3 Tore.

FC Salzburg vs. SSC Neapel

Zu unerfahren

Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass wir hier, trotz stratosphärenhohen Ansprüchen, noch immer von einer blutjungen Truppe sprechen. Unsere Startaufstellung war 1,9 Jahre jünger als jene von Napoli. Bis auf Andre Ramalho und Max Wöber hat keiner unserer Burschen zuvor in der CL gespielt. Das zeigt sich. Den Sack zumachen, selbst etwas Shithousery zeigen, dazu wirken wir noch etwas zu schüchtern. In unseren drei CL-Spielen steckten wir gerade einmal sechs Gelbe Karten ein, wovon zwei auf das Konto von Jesse Marsch gingen. Das ist zu brav, um das Konzert der ganz Großen zu rocken. Und dennoch: Es darf uns nicht verwundern, dass die erste Champions League-Saison eine lehrreiche ist. Denn wir verlieren nicht, wir lernen.

Das Spiel in voller Länge:

Erste Halbzeit:

plus
FC Salzburg vs. SSC Neapel Halbzeit 1

Zweite Halbzeit:

plus
FC Salzburg vs. SSC Neapel Halbzeit 2