Wenn die CL-Hymne verstummt und sich die Ränge leeren, ist es Zeit für den Nachklang!

Geträumt und unsanft geweckt. Trotz unseres Ausscheidens fällt es nicht schwer, mit der UEFA Champions League den Weihnachtsfrieden zu schließen.

Zuletzt sprachen wir in Versen über das gelobte Spiel. Gestern ist Ernüchterung eingekehrt. Mehr ein Trotzdem stolz als ein Ach, hätten wir nur. Die Welt war nicht gegen uns, und wir hatten kein Pech. Im Gegenteil: Ganz Österreich stand hinter uns, und zwei Teams waren einfach besser. Sechs Spiele, sieben Punkte, davon nur einer in vier Spielen gegen Liverpool und Napoli. Das ist ein Fakt und eine Gewissheit: Mit unserer Jugend und unserem nationalen Niveau ist einfach nicht mehr möglich, die Erfahrung ist dennoch Goldes wert.

Zenit

„Besser als in der ersten Halbzeit können wir nicht spielen!“, war sich Jesse Marsch sicher. Das war Pressing von höchstem Veredelungsgrad, Ballgewinn und ab ging die Post. Wer so spielt, muss sich vor keinem großen Namen in Europa verstecken. Wer trotzdem verliert, muss sich fragen, warum in aller Welt das passiert ist. Das Zauberwort heißt „Klasse“. Die lässt sich schwer beziffern, aber gut veranschaulichen. Klasse ist Virgil van Dijk, wie er zwei Mal in der ersten Minute mit allen erlaubten Mitteln Hee Chan Hwang abkochte. Da kann unser Koreaner noch so talentiert und motiviert sein, aus Zweikämpfen bei Kantersiegen in der Bundesliga wird er wenig dafür nützliche Erfahrung sammeln. Der Niveauunterschied ist einfach zu krass.

Abgezockt

So gut, wie wir uns gestern und sonstwann in der UEFA Champions League präsentierten, der Preis für Cleverness ging zu oft an den Gegner. Dass Liverpool kein Missgeschick unterläuft, während uns zwei passieren, liegt nicht etwa an Vereins- und Spielernamen. Es liegt an Alter und Reife. Ein Beispiel: Sadio Mane spielte vor zwei Jahren mit Liverpool um die UEFA Champions League, sein Gegenüber Dominik Szoboszlai um die UEFA Youth League. Been there, done that, eine Erfahrung, die den Reds keiner nimmt. Für uns eine Erfahrung, die wir gerade machen. Doch die Sache hat einen Haken: Wir sind stolz auf Ausbildung und Export, doch genau deshalb wird es schwer, eine Mannschaft wachsen zu lassen, die sich sowohl durch Talent als auch durch Erfahrung mit den Liverpools dieser Welt messen kann, so ehrlich muss man sein.

FC Salzburg vs. FC Liverpool

Heimkehr

Nun ist also das eingetreten, was erhofft, vielleicht auch von vielen Seiten erwartet wurde: Wir überwintern in der UEFA Europa League, unserem Bewerb. „Wir können dieses Turnier gewinnen“, Jesse Marschs Behauptung ist Programm. Wer Mannschaften unter den 16 besten Europas unbelohnt fordern kann, kann es gegen 17 bis 48 wahrscheinlich mit Erfolg. Auf einem Niveau, wo nicht jeder Fehler, sondern vielleicht nur jeder zweite bestraft wird, rechnet man mit uns, ja, man fürchtet uns sogar. Umgekehrt muss uns keiner der verbliebenen Namen Angst machen. 2018 schon knapp am Finaleinzug vorbeigeschrammt, ist es jetzt an unseren Burschen, zu beweisen, dass die oft schmerzhafte Erfahrung der UEFA Champions League für mindestens ebenso viele erfreuliche Momente sorgen kann.

Das Spiel in voller Länge:

Erste Halbzeit:

plus
FC Salzburg vs. Liverpool FC Halbzeit 1

Zweite Halbzeit:

plus
FC Salzburg vs. Liverpool FC HZ 2