Torschützen: Lozano (44.) bzw. Haaland (11.)

Ein Ausatmen, aus Erleichterung oder Ernüchterung? Wahrscheinlich beides. Ein Remis in Napoli hört sich gut an, war nicht einmal Liverpool vergönnt, ist aber dem Gefühl nach etwas zu wenig für unsere heutige Leistung.

Spielbericht

Gesänge hallten durch das Oval, die künstliche Sonne brannte vom baufälligen Stadiondach. Es war Crunchtime im San Paolo, und anlässlich dieser machte Jesse Marsch drei aus vier bei den Abwehrspielern. Erstmals in der UEFA Champions League schickte der Coach unsere Burschen im 3-5-2 auf den Rasen. In ebensolchem rissen wir mit dem Ankick das Heft des Handelns an uns. Das Ballbesitzspiel wirkte sicher. Doch nach nur vier Minuten ging es schnell: Ballverlust, hoher Ball auf Lozano. Jerome Onguene hatte Temponachteile, sodass er den Mexikaner kurz vor dem Strafraum nur noch zu Boden reißen konnte. Der nachsichtige Schiedsrichter Marciniak zeigte nur Gelb.

Onguene blieb das Zentrum des Geschehens. Nur eine Minute nach seinem Foul lenkte er einen Insigne-Schuss auf den Kasten von Keeper Coronel, der mit einer Glanztat rettete. Auf der anderen Seite des Feldes war es abermals Onguene, der nach einer Ecke, sträflich vernachlässigt, die Chance hatte, um frei einzuköpfen, doch er setzte das Ding neben den Kasten von Meret. Mit breitem Brüstl vernaschte Hwang mit Hüftschwung kurz drauf Kalidou Koulibaly, der ihn von der Seite fällte wie eine hundertjährige Eiche. Den folgerichtigen Elfmeter machte Earl diesmal persönlich, rechts, flach, trocken, danke! (11.)

Napoli hatte eine Antwort, doch die war um ein Haar nicht schlagfertig genug. Die schön angetragene Flanke von Insigne wusste Callejon mustergültig am zweiten Pfosten zu übernehmen. Coronel war geschlagen, der Pfosten aber sein bester Kumpel. Alles innerhalb von nur zwölf Minuten. Was für eine Startphase?!

Für den Blutdruck der Zuschauer änderte sich aber wenig zum Positiven. Vor allem auf unsere stabilen, aber tempoarmen Verteidiger Kristensen und Onguene hatten es Insigne und Mertens abgesehen. Sie kamen immer wieder in den Strafraum, bedienten sich gegenseitig, zogen jedoch nicht zum richtigen Zeitpunkt den Abzug, weshalb wir die Druckphase der Partenopei unbescholten überstanden.

Doch wir forderten unser Glück heraus. Die Mannschaft zeigte ein ungewohntes Gesicht: kein Pressing, sechs bis sieben Spieler in der Restverteidigung. Und so bekamen wir die schon vermieden geglaubte Rechnung vor der Pause. Lozano zog zum gefühlt 30. Mal mit dem Eisenbahnerhaken in die Mitte, wo er diesmal aus 20 Metern draufhielt und das Leder flach in die linke Ecke einschlagen ließ (44.).

Halbzeit Nummer zwei – Formation Nummer zwei. Zur Pause brachte Jesse Marsch Enock Mwepu für den vorverwarnten Marin Pongracic. Aus 3-5-2 mach 4-4-2. Mit dem klappte es dann besser. Die Präsenz im Mittelfeld war wieder da, damit das Pressing und so auch Torchancen. Im Abseits wartend empfing Hee Chan Hwang den Ball vom Gegner. In seiner Überraschung konnte er die Pille aber nicht im Tor unterbringen.

Napoli machte jetzt bei Weitem weniger für das Spiel, wir aber zu wenig daraus. Nach dem Muster der zweiten Halbzeit im Hinspiel plätscherte die Begegnung dahin. Was eher uns schmerzte als die Neapolitaner, die immer wieder zu semigefährlichen Gelegenheiten kamen. Nach einer abgerissenen Flanke von Insigne sah sich Coronel auf falschem Posten. Der Ball prallte von der Stange auf den Hinterkopf unseres Goalies und von dort ins Toraus, tief durchatmen!

Das sollte die Partie aber nicht zum Aufflammen bringen. Fast so, als hätte man sich auf eine Punkteteilung geeinigt, wollten sich keine Torraumszenen mehr einstellen. Nur noch einmal stieg der eingewechselte Llorente höher als alle anderen, brachte den Kopfball aber nicht auf das Tor.

Ein Spiel mit konträren Halbzeiten, das in einer schmeichelhaften Punkteteilung endete. Ein Punkt, der in Hinblick auf den Aufstieg wohl zu wenig zum Leben, aber zu viel zum Sterben ist.

SSC Neapel vs. FC Salzburg

Statement

Jesse Marsch

In der ersten Halbzeit haben wir uns schwergetan. Napoli hat mit sehr viel Tempo gespielt. Durch das System konnte Napoli das Mittelfeld dominieren, das haben wir dann versucht, durch die Einwechslung von Enock in der Halbzeit zu ändern. Das hat auch funktioniert. Leider konnten wir keinen weiteren Schritt gehen. Aber ein Remis in Neapel hört sich nicht so schlecht an.

Wechsel

Mwepu für Pongracic (46.), Ashimeru für Minamino (61.), Daka für Haaland (75.)

Gelbe Karten

Onguene (4./Foul), Pongracic (37./Foul)

Nicht einsatzbereit

Bernede (Schienbein), Farkas (erkrankt), Prevljak (Nacken)