Sicher ist sicher – speziell in der Red Bull Arena!

Wir Fußballliebhaber wissen es: So ein Stadionbesuch am Wochenende rangiert weit oben auf der Liste der Genüsse. Das wird uns vor allem dieser Tage bewusst, wenn uns ohne Fußball einfach ein elementarer Faktor im Leben fehlt. Verständlich, denn wenig ist genüsslicher, als bei Bier und Brezen einen Sieg unserer Roten Bullen zu verfolgen. Geschwitzt und gerackert wird nicht nur von den 22 auf dem Rasen, bei Jesse und Co. arbeiten gerade noch die kleinen grauen Zellen und am Gastrostand sind schnelle Hände gefragt. Aber sonst? Sonst haben alle ihre Ruhe, sollte man meinen. Aus den Augen, aus dem Sinn sind aber jene, die das Fußballfest erst möglich machen, jene, die sich schon Wochen zuvor minutiös auf jedes Spiel vorbereiten: die Stadionsicherheit.

Bürokratie schreibt keine Drehbücher und deshalb auch keine Texte für Vereinshomepages. Ganz ohne Exkurs zum Amt kommen wir aber nicht aus, denn aller Anfang ist die Genehmigung, für alles, immer. Ohne einer solchen geht gar nichts. Meetings mit der Behörde hat Martin Hohenwarter, Leiter Infrastruktur und Sicherheit, gefühlt öfter als warme Mahlzeiten. 60 bis 70 Mal im Jahr trifft er sich mit den Verantwortlichen von der Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung. Da geht es für gewöhnlich um Genehmigungen für Veranstaltungen, Gastronomie, seltener Gebäude etc. – Pflichtaufgaben, aber ohne Genehmigung kein Spiel, so einfach ist das.

Spannend wird es, wenn es auf den Spieltag zugeht. „Kein Spieltag ist wie der nächste. Wir müssen uns immer den Gegebenheiten anpassen“, meint Hohenwarter. Faktoren dafür sind Wetter, Verkehr, Rahmenprogramm und nicht zuletzt die Zuschauer. Ob Mattersburg mit 20 Mitreisenden oder Frankfurt mit 5.000 – das macht, Überraschung, einen riesigen Unterschied. Davon ist auch die Anzahl der Sicherheitskräfte abhängig. Schon Tage vor dem Spiel trudeln die Informationen vom Spielveranstalter (Bundesliga oder UEFA) und der gastierenden Mannschaft in Salzburg ein. Wie viele Fans werden erwartet? Wie viele von ihnen sind sogenannte B- und C-Fans, also Schlachtenbummler, die gewaltbereit (B) oder gewaltsuchend (C) sind? Und basierend darauf: Welche Sicherheitsstufe herrscht bei der jeweiligen Begegnung? Das alles für sie: Ordner, Polizisten, Feuerwehr, Rettung, sie alle stellen einen bis zu vierstelligen Zirkus, den Hohenwarter, das Knopferl im Ohr, die Sinne geschärft, am Spieltag dirigiert.

Und jetzt? Geht’s zur Sache! Am Spieltag selbst muss all die minutiöse Planung der Vergangenheit in die Tat umgesetzt werden. Schon Stunden vor dem Anpfiff hirschen gelb gekleidete Ordner vor dem Stadion umher. Sie sichern die Eingänge, beaufsichtigen die Barrikaden, vor allem jene zwischen Heim- und Gästesektor. Noch bevor die Fans zum Stadion kommen, beziehen auch die Polizei, die Feuerwehr und die Rettung ihre Positionen. Es ist Zeit für das sogenannte Kurvenmeeting. Vertreter aller Sicherheitsorgane gleichen drei Stunden vor Ankick unter Leitung von Martin Hohenwarter noch einmal ihre Agenden ab. Sind Choreografien geplant? Wie reisen die Fans der Gäste an? Wann kommen sie an?

Ist alles geklärt, macht sich das Team auf die Runde, einmal 360 Grad im Stadion, Sicherheitsrundgang, sehen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Dann wird die Sicherheitszentrale besetzt.

Hoch über dem Spielfeld entgeht den Experten kein Detail. Mit Dutzenden Sicherheitskameras schauen sie überall dorthin, wo während des Spiels keiner hinsieht. Manchmal geht es auch oldschool zu. Mit dem Fernglas versuchen Hohenwarter und Co., eventuelle Ungereimtheiten im Stadion zu erkennen. Wachsame Augenpaare sind aber überall im Stadion verteilt und per Funk verbunden. Passiert etwas, weiß die Sicherheitszentrale in Windeseile Bescheid. In genormten, zackigen, kommandoartigen Nachrichten verteilt sich die Message in der Zentrale auf alle Sicherheitsorgane, eingespielt wie sonst nur das Team auf dem Rasen. 

An jenem Tag, mit dem 2:0-Sieg gegen Sturm Graz, endet der Arbeitstag für alle mit dem Lieblingsresümee gut ist’s gegangen, nichts ist geschehen! Normalität als Job Description, die Sicherheit der Zuschauer als oberste Prämisse, der Alltag der Stadionsicherheit.