Der fleißige Flitzer

„Salzburger Halbzeit“ mit Karim Adeyemi

Er grinst, wie die Sonne scheint. Karim Adeyemi ist das Kronjuwel unter unseren Goldjungen. Ganz Europa kennt ihn, doch in Salzburg ist er daheim.

„Und? Was macht ihr heute noch so?“, mit seiner typisch vorkommend-sauberen Stimmfarbe unterbricht Karim die Stille. „Ich gehe heute noch Prellen, zu Hakan (Anm.: Zeugwart in Taxham).“ Man merkt, Karim ist einer wie du und ich, nur, dass er besser Fußball spielt. Wohlerzogen und unterhaltsam, seine Witze kommen mit einem frechen Augenzwinkern, das er gerne hinter einer Sonnenbrille versteckt. Dazu trägt er Oversize-Klamotten. Alles entspannt, das war schon immer so. Das kindliche Selbst früherer Zeiten hat er sich auch als Profifußballer bewahrt.

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zum ersten Mal Fußball gespielt habe, wahrscheinlich noch bevor ich richtig gehen konnte. Mein Vater hat es mir in die Wiege gelegt. Er war selbst ein professioneller Kicker in Nigeria und meint bis heute, dass er in Europa eine große Karriere gemacht hätte. Dafür war er mit 30 schon zu alt, daher war ich sein Projekt.

Die Geschichte über den nigerianischen Vater kennt man. Dass er eine rumänische Mutter hat, kommt etwas überraschender. Als Kind besuchte Karim häufig ihren Geburtsort Brasov im Herzen der gebirgigen Karpatenregion. Ein paar Wortbrocken Rumänisch hat er sich bis heute behalten. Die Sprache ähnelt aufgrund ihrer romanischen Herkunft dem Spanischen, einzig die meisten Endungen lauten auf den Buchstaben U. Sollte es für Deutschland nicht reichen, würde er auch für einen der beiden Verbände spielen, meint Karim.

Raus aus der Schule, runter zu seinem besten Freund, der einen Stock tiefer wohnte, und den ganzen Abend lang kicken. Karims Kindheit mutet romantisch an, hat aber auch ihre Kehrseiten. Kinder sind oft die Abbilder ihrer Eltern und sprechen ungefiltert.

Mir ist schon der eine oder andere begegnet, der mich wegen meiner Hautfarbe rassistisch beschimpft hat. Meine Eltern haben mich darauf früh vorbereitet. Ich sollte sie beim ersten Mal darauf hinweisen, dass man das nicht sagt. Wenn sie es wieder tun würden, könnte ich schon mit ihnen in den Konflikt treten. Das war zum Glück nur einmal in meinem Leben der Fall. Aber, sagen wir es so, er hat es sich spätestens dann gemerkt.

Am Fußballplatz sei ihm noch nie Rassismus widerfahren, sagt Karim. Unser fleißiger Flitzer hat so manchen Rasen im Süden Deutschlands gesehen. Schon in jungen Jahren trainierte er beim FC Bayern. Damals hielt bei den Profis Louis van Gaal das Zepter mit eiserner Hand. Unter ihm legte der FCB das Fundament für die späteren Erfolge. Karim sah gerne auch mal beim Training zu, um von seiner Kindheitsikone Arjen Robben zu lernen.

Er war einer der Besten im damaligen Kader, noch dazu ist er, wie auch ich, Linksfuß. Aber selbst in meinem Jahrgang gab es viel Fußballprominenz. Der Enkel von Franz Beckenbauer spielte bei mir in der Mannschaft, auch die Söhne von Ivica Olic und Daniel van Buyten. Nach kurzer Zeit musste ich aber gehen, das war schon eine kleine Enttäuschung. Meine Eltern wollten erst gar nicht, dass ich nach Unterhaching wechsle. Nach der schlechten Erfahrung meinten sie, dass es besser wäre, bei meinem Heimverein TSV Forstenried zu bleiben. Aber die Hachinger sind hartnäckig geblieben.

Mit 10 Jahren streifte er sich dann erstmals das rot-blaue Trikot der Hachinger über. Und das sollte auch für längere Zeit so bleiben. Der Klub aus der südlichen Vorstadt Münchens stellte ein richtig gutes Team zusammen, welches sogar den Merkur Cup, das größte U11-Turnier Deutschlands, gewinnen konnte. Erst der Anruf aus Salzburg änderte alles.

Ich war gerade erst 16, als ich vom Angebot aus Salzburg erfahren habe. Klar war ich zunächst skeptisch, so früh das traute Heim zu verlassen. Aber es hat nicht einmal eine Stunde gedauert, da hatte ich meine Meinung geändert. Innerhalb von einem Tag waren alle Formalitäten geklärt. Es war Zeit für Profifußball, und den hatte man mir hier versprochen.

Trotz seiner erst 16 Lenze war Karim gleich als Kooperationsspieler in Liefering zugegen. In der Akademie wohnte er nur für einen Monat. Gott sei Dank, meint Karim:

Ich brauche meinen Raum abseits des Fußballs. Wenn es einmal nicht läuft, wäre es für mich beschwerlich, an einem Ort zu wohnen, an dem sich alles um Leistung und Training dreht. Da brauche ich Abstand. Deshalb habe ich gleich eine Wohnung in Wals bezogen, in der auch oft meine Eltern zu Gast waren. Das hat mir die richtige Mischung aus Fußball und Privatleben gegeben.

Seine Freizeit, wie könnte es anders sein, verbringt er mit Sport, aktiv und passiv. Manchmal mit Spielen an der Konsole, viel häufiger aber bei anderen Ballsportarten. Basketball, Tennis, Karim kann eigentlich alles, was mit Bällen zu tun hat. Am Ende überrascht er uns aber doch mit Old School Vibes.

Mit meiner Mama gehe ich gerne Rollerskaten. Das ist von jeher unser Ding. Vielleicht kommt daher auch meine Schnelligkeit.

Von ungefähr kommt es nicht, dass Karim im Antritt wie auch in der Endgeschwindigkeit unter den schnellsten unserer Kicker rangiert. Es ist eine Mischung aus Naturtalent und hartem Training, die ihm bei seinen wirbelnden Sturmläufen die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer sichert. Immer häufiger liest man seinen Namen auch in internationalen Gazetten. Goal.com zeichnete ihn unlängst bei ihrem Ranking der 50 besten Youngsters der Welt aus.

Karim bleibt bodenständig. Wenn er trifft, gilt der Torjubel seinen Freunden. Die eine Hand geht zum Auge und spreizt die Augenlider, die andere deutet mit dem Zeigefinger in die Kamera.

Kennt ihr das Sprichwort „Mach kein Auge!“? Das hat sich bei uns zu einem Running Gag entwickelt. Im Endeffekt ist es immer eine kleine Geste nach Hause.

Auch in Salzburg ist Karim beliebt. Schon nach einem Jahr bei den Profis in Taxham wirkt er rundum angekommen, als wäre er nie woanders gewesen. Als er zu den großen Burschen übersiedeln durfte, nahm ihn einst Dominik Szoboszlai unter die Fittiche. 

Domi war schon in Liefering mein bester Kumpel. Bei uns hat es auf Anhieb geklickt. Aber auch jetzt verstehe ich mich mit meinen Kollegen gut. Ich hänge oft mit Andre, Rasmus und Brenden ab. Aber auch die anderen sind gute Jungs.

Jeder gönnt jedem seinen Erfolg. Karims zwei Tore am Wochenende freuten sie genauso wie ihn. Mit seiner locker-lustigen Art kann man ihn nur mögen.