Der Musterknabe

„Salzburger Halbzeit“ mit Luka Sucic

Er grinst, zu Recht. Luka Sucic, 18, lebt gerade seinen Traum. Im jungen Kalenderjahr bestritt er alle Partien im Trikot unserer Roten Bullen. Wir trafen ihn in seiner alten Heimat, der Red Bull Fußball Akademie.

„Ich wollte immer nur spielen“, man muss mit Luka, er kommt gerade im Trainingszentrum Taxham aus der Dusche, keine drei Sätze wechseln, ehe man feststellt, es geht immer um Fußball. Luka Sucic, Sohn kroatischer Zuwanderer aus dem bosnischen Bugojno, aufgewachsen in Alkoven bei Linz, schlendert über den Parkplatz. So recht begriffen, was hier passiert, hat er noch nicht. Bei den Profis trainieren, jede Woche in der Startaufstellung stehen. Das hätte er sich vor ein paar Monaten noch nicht erträumt.

Ich war selbst überrascht, wie schnell alles ging. Schon im Herbst, als klar wurde, dass Szobo geht, hat man mir gesagt, dass ich meine Chance bekommen werde. Dass ich für viele in direkter Nachfolge von Domi stehe, ehrt mich natürlich sehr, aber ich bin ein eigener Spieler, der anders ist, schon allein, weil ich Linksfuß bin.

Ein sehr eleganter zudem. Mit technischer Finesse operiert er in engen Räumen, hat das Auge und Zeug für den entscheidenden Pass und darf auch mal bei den Standards ran. Gelernt hat er das schon in jungen Jahren. Schon als er kaum stehen konnte, spielte er mit seinem Cousin in der oberösterreichischen Provinz.

Ich bin ja eigentlich ein Dorfkind. Meine ganze Familie war immer da, vor allem mein Cousin, der auch immer nur Fußball im Kopf hatte. Er war es auch, der mich dann zum ersten Mal zu unserem Dorfverein zum Training mitgenommen hat, da war ich gerade sechs Jahre alt.

Sein Talent war früh erkennbar. Wann immer Luka in der Umgebung bei Turnieren auftauchte, reiste er mit Trophäen ab. Der nächste Schritt war nur eine Frage der Zeit.

Ab meinem ersten Tag war ich auf einem anderen Level. Ich habe ja nicht nur auf dem Sportplatz gespielt, sondern auch jeden Tag daheim. Ich konnte mit beiden Füßen schießen, da konnten andere kaum passen. Bei den Turnieren sahnte ich meistens die Auszeichnung zum besten Spieler ab, manchmal auch den Torschützenkönig. Das weckte natürlich Interesse. Beim LASK hatte sich gerade das gesamte Nachwuchssystem zerworfen. Ein in der Umgebung bekannter Trainer ging mit der halben Mannschaft zu Union Edelweiss, und ich bin dazugestoßen.

Der Name gab ihnen das alpenländische Unschuldsimage, doch wenn die Nachwuchstruppe aus Linz-Kleinmünchen bei großen internationalen Turnieren aufschlug, zuckte die Weltelite mit den Augenbrauen.

Wir waren ein herausragender Jahrgang, wir konnten uns mit jedem messen. Auch die Bedingungen waren schon richtig professionell. Ich habe fünf Mal die Woche trainiert, beim Verein und im LAZ. Nachdem wir gegen die U12 vom FC Red Bull Salzburg 2:2 gespielt hatten, durfte ich jeden Freitag hierher trainieren kommen.

Ein Kraftakt für seinen Vater. Luka, er hat bis heute keinen Führerschein, wofür ihn sein Spezl Amar Dedic neckt, musste damals jeden Freitag von Linz nach Salzburg kutschiert werden. Zum Glück war er damit nicht alleine. Jan Hölzl, in seinem ersten Jahr auch Zimmerkollege in der Red Bull Fußball Akademie, pendelte zunächst ebenfalls aus der Stahl- in die Mozartstadt. Sein Vater übernahm die Bürde an jedem zweiten Wochenende.

Es war schon eine wilde Zeit. Heute weiß ich, dass es all den Aufwand wert war. Ich bin hier gezwungen worden, sehr früh sehr selbstständig zu handeln, mich selbst zu organisieren. Ich wohne jetzt nicht mehr hier, aber meine Wäsche könnte ich wahrscheinlich nicht selbst machen, wenn ich es hier nicht gelernt hätte (lacht).

Es rüstete ihn für den steilen Aufstieg, der folgen sollte. Noch im Herbst war er sechs Mal für den FC Liefering im Einsatz. Seine Einsätze beim FC Red Bull Salzburg waren wie ein Sprung vom Dreier zum Saisonbeginn, ins kalte Wasser, aber behutsam. Man hatte nie den Eindruck, es wäre zu früh für ihn.

Das vergangene Jahr war in meiner persönlichen Entwicklung wahrscheinlich das wichtigste. Auch zwischen U18 und Erwachsenenfußball beim FC Liefering liegen eigentlich Welten, aber die Umstellung ist mir nicht schwergefallen. Mit meinen 1,85 m war ich gut gerüstet. Jetzt trainiere ich mehr Kraft, weil das Spiel in der Bundesliga natürlich intensiver ist. Nichtsdestotrotz ist mir die Adaption gut gelungen.

Auch im Trainingszentrum Taxham ist er schon vollends integriert. Eine Portion unseres Mannschaftskochs ist nach Dinnertime immer für Luka reserviert, die nimmt er sich mit nach Hause. Er meint zwar, dass er gerade so ein Ei aufschlagen könnte, aber auf Experimente lässt er sich nicht ein. Zu hoch ist der gewohnte Standard, auch weil Mama Sucic immer groß aufkocht, wenn der Junge heimkommt.

Bei Mama schmeckt es immer noch am besten. Es gibt Cevape, Sarma (Krautrouladen) und mein Lieblingsgericht Burek, wobei ich es mit Schweinefleisch am liebsten habe. Darauf zu warten, lohnt sich immer. Aber ich habe mir vorgenommen, auch kochen zu lernen, das steht definitiv auf meiner Liste.

Darauf stehen auch Tore, Assists und einmal für das beste Team Europas zu spielen. Dabei fällt Luka nur ein Name ein, obwohl sein fußballerisches Idol für deren Rivalen spielt.

Ich möchte einmal für den FC Barcelona spielen. Ich weiß, das sind hohe Ambitionen, aber dafür mache ich es. La Liga ist, neben der deutschen Bundesliga, der Bewerb, den ich am intensivsten verfolgen. Ich denke auch, dass ich, meinem Spielstil nach, irgendwann sehr gut hinpassen würde, so wie mein Vorbild Luka Modric.

Dass sich Luka nicht für den österreichischen, sondern für den kroatischen Verband entschieden hat, stand genauso wenig zur Diskussion, wie es eine Option war: „Der ÖFB hat nie bei mir angefragt.“ Doch Luka fühlte sich ohnehin immer schon als Kroate, der die Vatreni unter U19-Teamchef Josip Simunic schon drei Mal vertreten durfte, wobei der raubeinige Ex-Verteidiger im Trainerstuhl seinen Eindruck hinterlassen hat.

Josip ist ein harter Typ. Wir waren schon für die EM qualifiziert, hatten aber noch ein Spiel gegen Georgien, bei dem wir zur Pause zurücklagen. Er hat einen cholerischen Anfall bekommen und gemeint, dass er die Nummer 10, deren besten Spieler, bei erster Gelegenheit so richtig aus den Schuhen treten würde.

Die harten Worte Josip Simunics und die motivierenden von Jesse Marsch, ein Duett, das Luka zu Höchstleistungen treibt.