Der selbstbewusste Kämpfer

Ein Blick zurück mit Mergim Berisha

Salzburg, für nun bald 13 Jahre. Mergim Berisha ist ein Urgestein unseres Klubs. Es ist eine Lovestory mit Ecken und Kanten, die es – so wie Mergim selbst – wahrscheinlich nur einmal gibt.

„Er war unglaublich schüchtern“, Sascha Milicevic, noch heute koordiniert er die Jugend in der Red Bull Fußball Akademie, erzählt Schwänke aus alten Zeiten. Über das erste Training von Mergim in Salzburg, er war gerade zehn Jahre alt. Ein gebückter Junge kam hereingeschlichen, der Papa stets an seiner Seite, so als wollte er sich hinter ihm verstecken. Er hatte Fußballschuhe, seine Klamotten und eine Flasche Eistee dabei. So hat es angefangen, damals, als Sascha der Trainer des jungen Mergim Berisha war. Die Uhren tickten im Nachwuchs noch anders. Die Red Bull Akademie war gerade in Planung. Das Level war natürlich professionell, wenngleich nicht technologisiert wie heute. Man spielte und trainierte auf den Plätzen an der Salzach. Mergim war nicht zufällig da. Er hatte Eindruck hinterlassen, als er für den FC Bischofswiesen vier Treffer gegen die gleichaltrigen Roten Bullen erzielte.

Die Anfrage aus Salzburg kam, und ich habe damals, jung wie ich war, nicht verstanden, welche Tragweite das hat. Mein Trainer in Bischofswiesen musste mich fast dazu drängen, dass ich wechsle. Schlussendlich habe ich mich überreden lassen.

Zu jedem Training wurde er von seinem Papa kutschiert, der, so erzählt es Mergim, sogar seinen Job verloren hat, weil er jeden Tag für seinen Jungen das Taxi zwischen Bischofswiesen und Salzburg spielen musste. Sogar während der Trainingseinheiten blieb er und schaute zu. Was er sah, war schon damals herausragend. Früh erzählte man sich, wie technisch beschlagen und abschlussstark Mergim sei. „Wahrscheinlich hätte er mit seiner Technik ebenso Freestyler werden können“, meint Milicevic aus der Retrospektive. Auch aus seiner damaligen Talentbeurteilung (U12) geht das hervor, die Sascha 2009 verfasst hat. Ihm fühlt sich Mergim zu großer Dankbarkeit verpflichtet. Er hat nicht vergessen, wo alles angefangen hat. Darum hält auch der Kontakt mit seinen Jugendtrainern bis heute.

In der Jugend beim Serienmeister, dann in die Red Bull Fußball Akademie, danach das Bundesliga-Debüt. Man könnte meinen, Mergims Weg wäre eine Blaupause für die Route zum Fußballprofi. Doch entgegen vielen Annahmen verlief der Weg nach oben nicht immer linear, er war steinig und unwegsam, speziell, weil mit viel Talent auch die Kritiker nie weit sind. Jahr für Jahr wuchs das Selbstvertrauen Mergims, der die Anwartschaft auf die Position in der Sturmspitze stellte, bis er eines Tages böse überrascht wurde. Plötzlich wurde er als Innenverteidiger aufgestellt, sehr zu seinem eigenen Missfallen. Doch er biss durch. Einige klärende Gespräche später war er wieder dort, wo er sein wollte, vorne, in der Spitze.

Im Endeffekt waren wir uns einig, dass Mergim an vorderster Front am besten spielt. Er hat sich nie verstellt, was ihm sicher eine Menge an Konflikten eingebracht hat. Doch am Ende des Tages hat ihn vielleicht gerade diese Qualität durch diese Zeiten geführt. Er ist ein Charakter, den man im heutigen Fußball nur noch sehr selten sieht. Ein Original, wenn man so will.

Bernhard Seonbuchner, der heute die Red Bull Fußball Akademie leitet, war Mergims Forderer und Förderer in der späteren Phase seiner Jugend. Zunächst als Trainer, dann als Co-Trainer der legendären UEFA Youth League-Gewinnermannschaft, war er stets darauf bedacht, die letzten Prozente aus dem Youngster herauszukitzeln, dem man damals phasenweise unterstellt hat, zu wenig nach hinten zu arbeiten. Erst als er gegen Paris Saint-Germain ein Statement setzte, war er die schlechte Nachrede los.

Es stand 4:0 für uns. Das Spiel war praktisch durch. PSG versuchte noch einmal zu kontern und Mergim, der am Beginn der Spielsituation im gegnerischen Strafraum stand, rannte im Vollsprint bis vor das eigene Tor, nur um dort in letzter Sekunde dem Gegner den Ball vom Fuß zu spitzeln. Alle staunten. Der Clip davon wurde danach lange als Lehrbeispiel für unsere Spielphilosophie verwendet.

Seonbuchner sah nach der Saison einen Großteil des Kaders zu den Profis abwandern. Sie alle folgten ihrem Trainer Marco Rose, der den Cheftrainerposten übertragen bekam. Für Mergim war es keine einfache Zeit. Er wollte spielen, Marco Rose wollte ihn testen. Ein Missverständnis, das in eine Reihe von Leihgeschäften mündete. LASK, Magdeburg, Altach, viele Beobachter haben unserem Stürmer keine große Chance auf ein Stammleiberl in Salzburg ausgerechnet. Erling Haaland und Takumi Minamino hatten uns gerade verlassen, als er wieder, nach abgebrochener Leihe, in Taxham aufschlug. Es muss ebendieses sturköpfige Selbstvertrauen gewesen sein, welches ihn schon in der Jugend durch die Täler trug und das ihn auch hier zu einem Erfolg machte. Etwas mehr als ein Jahr später sprechen wir in anderen Tönen über ihn, über Mergim, den einst schüchternen Burschen aus Bischofswiesen.