Maradona und Orangen

Brest oder Tel Aviv? Hauptsache, Champions League!

Noch wissen wir nicht, wer, aber immerhin, was wäre, wenn. Dynamo Brest oder Maccabi Tel-Aviv, das entscheidet sich am 16. September.

Am 22. September gehen wir in der Fremde in unser erstes Play-off-Spiel, am 30. September dürfen wir in der Red Bull Arena ran. Der Gegner ist noch vakant. Mit uns lernt ihr aber schon jetzt unsere beiden potenziellen Rivalen kennen.

Dynamo Brest

Brest, das kennt man, vermeintlich. Denn es ist nicht jenes mit der salzigen Atlantikbrise in Frankreich, sondern jenes in Weißrussland. An der Grenze zu Polen gilt es als Drehscheibe für Schmuggler und Tor zum Osten. Hier beginnt die russische Breitspurbahn. Sie geht bis nach Peking. Auch der Klub Dynamo Brest, er feiert heuer seinen 60. Geburtstag, gibt sich weltoffen. Er gehört seit drei Jahren einem Scheich aus den Emiraten, der belorussische Traktoren und Obst handelt.

Klingt bescheiden, ist es aber nicht, denn die Fußballwelt staunte, als sich Diego Maradona 2018 als Vorstandsvorsitzender des Klubs präsentieren ließ. Während der WM in Russland saß er am Verhandlungstisch. Für eine zweistellige Millionensumme gab es den göttlichen Handschlag, für den Diego Armando winkend auf dem Dach eines Militärjeeps vor Publikum Runden auf der Tartanbahn des Dynamo-Stadions drehte. Nach zwei Monaten war das Engagement wieder vorbei, seitdem repräsentiert Miss Belarus den Klub nach außen.

Auch sportlich muss man sich nicht verstecken. Mit dem Meisterschaftsgewinn 2019 durchbrach man nach 13 Jahren die nationale Dominanz von BATE Borisov. Das diente auch als Basis für die derzeitigen CL-Avancen. Doch mit der Meistermannschaft des Vorjahres, die Saison wird kalendarisch gespielt, hat man momentan wenig gemein. 29 Punkte nach 20 Spielen machen Dynamo gegenwärtig zum 10. in der Vysheyshaya Liga.

Das europäische Abenteuer scheint allerdings zu beflügeln. Seit der ersten Qualirunde ist Brest zugegen. Die Einstiegshürde Astana nahm man deutlich, den zweiten Gegner FK Sarajevo mit schlottrigen Beinen. Maccabi Tel-Aviv ist bestimmt das härteste Los, bedenkt man den Begleitumstand, dass das Duell in nur einem Spiel ausgefochten wird, das zudem in Israel stattfinden wird.

Maccabi Tel-Aviv

Die Fußballkenner wissen es, Bibelleser ebenfalls: Die Israelis sind Kämpfer. Ihren Namen entleihen sie den Makkabäern, einer Gruppe jüdischer Aufständischer in vorchristlichen Zeiten. Weltstars als Funktionäre hat man nicht zu bieten, dafür den größten Trophäenschrank Israels. Als 23-maliger Meister und 23-facher Cup-Sieger darf sich Maccabi betiteln.

Für den Serienmeister ist die CL-Quali nichts Neues. Bereits zum zehnten Mal nimmt man Anlauf, bislang klappte der Aufstieg in die Königsklasse aber erst zwei Mal, zuletzt 2015. Heuer nahm man gegen Riga Fahrt auf, ehe man die litauische Österreicher-Kolonie Suduva Marijampole aus dem Bewerb kickte.

In der dritten Runde ist man gegen Dynamo Brest Favorit, auch weil man im heimischen Bloomfield Stadium antreten darf. Ein wohlbekannter Rahmen für Drama. Als einst Andi Herzog die ÖFB-Elf mit einem Last-minute-Tor gegen Israel in das Play-off zur WM 2002 schoss, flogen auf ORF-Kommentator Hans Huber Orangen und Steine.

Ohne Zuschauer, dafür mit umso mehr Power auf dem Platz möchte sich der in Deutschland geborene Trainer Georgios Donis in das Duell mit unseren Roten Bullen coachen. Pressing und Konter stehen auf der Speisekarte. Die Tore serviert der Brite Nick Blackman. In seinen fünf Einsätzen der jungen Saison netzte er fünf Mal.