„Methusalem“ schockt Rasselbande

Die Pleite gegen Sturm Graz in der Analyse

Es gibt solche Tage, jeder kennt sie. Während wir uns am Ilzer’schen Bollwerk die Zähne ausbeißen, nutzen die Steirer eine schwache Viertelstunde unserer Burschen zum 3:1-Auswärtssieg. Doch es war nicht alles schlecht.

Jugend forscht

Coach Jesse Marsch schickte gestern die jüngste Startelf dieser Bundesliga-Spielzeit ins Rennen. Im Schnitt hatte ein Akteur in rot-weißer Kutte lediglich 22,27 Lenze auf dem Buckel. Nur Nordsjaelland nahm’s heuer europaweit mit der Jugendförderung genauer. Und auch wenn das Duell mit Sturm Graz über weite Strecken auf Augenhöhe stattfand – 17:12 Abschlüsse bzw. 4:5 Torschüsse unterstreichen die Tatsache –, sahen unsere Youngsters vornehmlich in der verhängnisvollen Anfangsphase des zweiten Abschnitts alt aus. Entscheidenden Anteil hatte dabei mit Jakob Jantscher ausgerechnet der Grazer „Methusalem“. Der mit 31 Jahren älteste Startelf-Kicker auf der Wiese entledigte sich gleich zwei Mal seinen Bewachern und netzte mit stoischer Gelassenheit zum zwischenzeitlichen 3:0 nach 59 Minuten. Die Anfangsviertelstunde von Halbzeit zwei brachte uns um den Lohn, wenngleich auch weitere Minuspunkte aufscheinen. Die gestrige Zweikampfquote von 40,2 Prozent ist ganz einfach unzureichend.

Salzburger Jung’

Und doch wollen wir einen viel beachteten Auftritt nicht unkommentiert lassen. Nicolas Seiwald erblickte gegen die Steirer das Licht der Bundesliga-Welt, nachdem er bereits zu U9-Zeiten für unsere Farben aktiv gewesen war. Seitdem durchlief Nici alle Nachwuchsteams, auch Nationalmannschafts-Trikots sämtlicher Jugendauswahlen hängen im Kleiderschrank. Der Kuchler war gestern einer der grellsten Lichtblicke, spulte er doch hinter Solet die zweitbeste Passquote ab, seine Zuspiele in der gegnerischen Hälfte waren gar einsame Spitze unter allen Spielern am Rasen (81,8 Prozent). Der 1,79-Meter-Mann war in der Luft mit fünf gewonnenen Duellen etwas überraschend teamintern top. Dass seine vier abgefangenen Bälle auch unerreicht sind, unterstreicht den grundsoliden Auftritt. (Hier geht's zum Interview mit Nici)

Dichter Terminkalender

Im Wissen, dass es insgesamt einfach zu wenig war, bleibt festzuhalten: Die länderspielbedingte „Pause“ war der Frische von Szoboszlai & Co. nicht zuträglich. Während unsererseits zwölf Mann auf dem Globus verteilt im Dauereinsatz waren, hatte Sturm Graz mit Balaj einen einzigen Teamspieler abgestellt, der sich in der Red Bull Arena zudem noch mit der Jokerrolle anfreunden musste. Der Rest bereitete sich gleich drei Wochen aufs Aufeinandertreffen mit dem Meister vor, nachdem deren Partie gegen den WAC kurz vor der Unterbrechung Corona-bedingt ausgefallen war.

Besinnlich wird’s für unsere Truppe erst zu Weihnachten. Bis dahin warten noch acht kräftezehrende Aufgaben, beginnend mit niemand Geringerem als dem UEFA Champions League-Sieger. Auch die Bayern bekleckerten sich am Vorabend nicht mit Ruhm, das magere 1:1 auf eigener Anlage gegen Bremen gibt Hoffnung für unser Duell am Mittwoch. Nicht zuletzt, weil Jesse betont: „Das wird ganz anders!