Mund abwischen!

Die UCL 2020, ein Resümee, ein Ausblick

Für sechs Spiele haben wir uns mit den Großen gemessen. An Skills und Mut ist es nicht gescheitert, einzig an Finesse und Größe.

UEFA Champions League zu UEFA Europa League, das ist wie Schwergewicht zu Mittelgewicht. Auch dort gibt es Action, doch wir werden nicht von der schieren Größe des Gegners erdrückt.

Seasoning

In der UCL merkst du, woraus du wirklich gemacht bist. Sie zieht dich rein, kaut dich durch und spuckt dich aus, wenn du nicht zäh genug bist. Klar, das war schon unsere zweite Saison in der Königsklasse. Wenn man auf das gesamte Teilnehmerfeld blickt, hatten jedoch nur zwei Teams weniger UCL-Erfahrung als wir: Ferencvaros und Midtjylland. To season, das bedeutet gleichermaßen verfeinern und altern. Wenn von Bayern oder Atletico gesprochen wird, spricht der Engländer von seasoned international teams. Im Vergleich dazu sind wir nach wie vor Frischfleisch, das ist und bleibt die Wahrheit.

Das heißt nicht, dass sie um Dimensionen besser wären, manchmal bedeutet es das absolute Gegenteil. Nicht wenige würden argumentieren, dass wir gegen Atletico Madrid in beiden Spielen die bessere Mannschaft gewesen wären. Es geht einzig und allein darum, das auch im Ergebnis sichtbar zu machen. Been there, done that. Atletico verstand es sogar, die schlechtere Mannschaft zu sein und trotzdem sechs Punkte zu holen, feinstes Seasoning.

Value

Was nichts kostet, ist nichts wert. Der Aufwand, den wir in der UEFA Champions League betrieben haben, war immens hoch. Jedes Spiel 100 Prozent, da sind wir über jede Kritik erhaben. Wer so viel investiert, fragt sich zwangsläufig auch nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis. Des Öfteren fiel hier das Wort Chancenwucher während der letzten Wochen. Der quantifizierbare Wert, vier Punkte aus sechs Spielen, war für diese Leistungen zu wenig. Das hat viel mit der Chancenverwertung zu tun, da sind sich alle einig. Ebenso viel hat es mit der Chancenvernichtung auf defensiver Seite zu tun. Am einfachsten erklärt sich das durch das Verhältnis des xG (Expected Goals) zu den tatsächlich erzielten Toren und Gegentoren.

Im Durchschnitt hätten wir laut xG-Index in unseren UCL-Spielen 2,39 Treffer pro Spiel erzielen sollen, tatsächlich waren es 1,88. Das ist eine negative Diskrepanz von 0,51 Treffern. Aus den Chancen, denen wir den Gegnern gelassen haben, hätten wir dem xG nach pro Spiel 1,42 Gegentore beziehen müssen. In der Tat steckten wir durchschnittlich 2,38 Treffer ein, was fast ein ganzes Gegentor mehr ist. Keine Mannschaft, die als Gruppensieger aus der heurigen UCL-Gruppenphase hervorging, hat in beiden Indizes unterperformt. Als Vergleichswert: Liverpool machte aus 1,48 prophezeiten Toren 1,67 tatsächliche. Aus 1,56 vorhergesagten Gegentoren ließen sie nur 0,5 zu. Soll heißen: Die sind nicht besser, die machen und verhindern einfach nur ihre Dinger, darin liegt der Unterschied.

Onwards and upwards

Konsequenter, kühler, abgezockter, das sind die einzigen Prämissen, denen wir uns verschreiben müssen. Das ist nichts Neues, auch keine Krankheit. Wer mit jungen Spielern, die über massig Talent verfügen, arbeitet, weiß, dass die Qualität da ist und einzig an der Kontinuität und der Effizienz gefeilt werden muss. Diese Thematik wird uns als Klub der Talente noch lange verfolgen.

Was in der UCL für Beinahe-Sensationen reicht, langt in der Europa League definitiv für mehr. Das haben wir bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, und das hat sich auch nicht geändert. Vom Schwergewicht in die Mittelgewichtsklasse, unsere Schlaghärte sollte hier für mehr Zerstörung sorgen. Wer sie als Erstes zu spüren bekommt, wissen wir nach der Auslosung am Montag.

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