Sang- und klanglos

Ein bisschen Stille zum Nachdenken

Nicht das Ergebnis, sondern die Art und Weise kam als Überraschung, die auf den zweiten Blick so überraschend nicht war.

„They didn’t really turn up“, sagt der Engländer. Er meint, da hätte noch etwas kommen müssen, doch ehe es kam, war es vorbei. So ging es uns gestern. Allerdings ist das Phänomen kein plötzliches für 90 Minuten an einem Donnerstagabend, es erklärt sich durch die Rahmenumstände.

Generalinventur

Die Hiobsbotschaft erreichte uns nicht erst gestern Abend, doch um zu handeln, war es freilich zu spät. Die Sperre von Mo Camara und Sekou Koita reißt ein merkliches Loch in unsere Kaderdecke. Für drei Monate müssen wir auf unsere Malier verzichten, was gestern zur Folge hatte, dass neben den abstinenten Ramalho und Bernardo gerade acht Spieler die Bank wärmen konnten. Zwei von ihnen waren Torhüter, einer ein angeschlagener Max Wöber, einer der unerfahrene Antonin Svoboda. Optionen gab es nur bedingt, Jesse wechselte nur drei Mal, anstatt der erlaubten fünf Substitutionen. Die Mischung musste also von Anfang an stimmen, eine Umstellung im laufenden Spiel war schwer möglich. Dass uns dieses Schicksal ausgerechnet in einem EL-K.-o.-Spiel, noch dazu im ersten, ereilte, war doppelt tragisch. Einerseits, weil die Umstellung der beiden Innenverteidiger einen noch stärkeren Support der Vordermannen verlangte, und andererseits, weil dies auch im Ballbesitz sichtbar war.

Trumpfkarte stach nicht

Es war verständlich, dass die Vermeidung eines Gegentreffers vor dem Hintergrund der Auswärtstorregel zusätzliches Gewicht bekam. Das äußerte sich auch im Ballbesitz, in dem wir weniger Risiken eingingen als gewöhnlich. Zweite und dritte Ballkontakte, wenn es sonst beim ersten geht, Quer- und Rückpässe, wenn sonst vertikal gespielt wird, der Sicherheitsgedanke nahm uns unsere schärfsten Waffen. Nur 112 unserer 393 angekommenen Pässe gingen nach vorne, gegen die WSG Tirol waren es noch 115 von 274. So konnte sich Villarreal trotz Formschwäche auf unsere Angriffe einstellen. Kamen wir doch ins hohe Pressing, verstanden es die spielerisch polierten Spanier, sich aus jeglicher Bedrängnis zu kombinieren. Ballgewinne waren nur schwer zu erzielen. 46 Interceptions (abgefangene Bälle) sind weniger als unser Durchschnitt und das, obwohl wir gestern weniger Ballbesitz verbuchten als Villarreal.

Das alles kam nicht unerwartet. Wir wussten, dass die Emery-Truppe offensiv minimalistisch agiert, gut darin ist, Bälle zu halten und uns viele Waffen aus unserem Arsenal fehlen würden. Aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen hätte man denken können, dass nach dem Rückstand ein deutlicher Intensitätszuwachs zu erwarten wäre. Er kam nicht, weil die Optionen fehlten und der Gegner eben stärker war als unsere nationalen Rivalen.

Highlights, FC Salzburg, Villarreal

Noch lebt sie, die Chance

So enttäuschend der Abend auch verlief, die nackten Zahlen geben Hoffnung. 0:2, das ist machbar. Viel muss für uns laufen, freilich, aber ein kleiner Dank muss dem Fakt, dass wir als ungesetztes Team zuerst daheim spielen durften, entgegengebracht werden. Die Möglichkeit, in Spanien Auswärtstreffer zu erzielen, bringt uns in eine gefährliche Jägerrolle. Ein frühes Tor und das La Ceramica brennt. Das wusste auch Cican Stankovic kurz nach dem Abpfiff: „Wenn es eine Mannschaft schaffen kann, dann diese!“