Theorie und Praxis

Ein Masterplan ist nur so gut wie seine Umsetzung

So, und nicht anders, musst du gegen die Bayern spielen. Einen besseren Matchplan hätte man kaum haben können. Einzig die Ausführung war statt sehr gut nur gut, was gegen die Bayern nicht reicht.

„Ich hatte drei Spiele gegen die Bayern, und jedes war anders“, sagte Max Wöber vor dem gestrigen Spiel. Das vierte sollte ebenfalls eine Geschichte für sich werden.

Selbst in der Hand

Im Leben gibt es viele Wahrheiten, denn alles ist eine Frage der Perspektive. Viele fahren nach München, um zu bestehen. Was das auch immer bedeuten soll, es beinhaltet, dass die Bayern den Ton angeben und man selbst den vorgegebenen Rhythmus treffen müsse. Es bedarf also schon eines gewissen Mutes, in die Allianz Arena zu kommen und seine eigene Spielidee zu praktizieren. Aber nur wer diesen Mut besitzt, hat eine realistische Chance, denn die Bayern sind in ihrem eigenen Spiel schlichtweg nicht zu schlagen.

Bleibt man also bei der Aussage von Max Wöber, war das Spiel anders, weil wir es anders haben wollten. Wir versetzten die Bayern zurück in die Guardiola-Tage, die Zeiten mit viel Ballbesitz, Positionsspiel und Anfälligkeit für Konter. Es war nicht deren Lieblingsspiel, sondern ein Muster, in das die Bayern zurückfielen, weil wir sie dazu zwangen. Rückzug bei Ballverlust, Verstellen der Passwege, bei Ballgewinn Konter durch die Mitte, der Matchplan war perfekt. Durch das erzwungene Positionsspiel versuchten die Bayern, möglichst viel Raum zu schaffen. Sie standen breit und auch tief. Bei jedem Ballverlust gab es daher riesige Räume und mindestens eine Handvoll FCB-Spieler, die aufgrund ihrer weiten Distanz zum Ball erst gar nicht in den Defensivprozess eingreifen konnten.

Genau so, aber besser

Wer das Spiel in einer Statistik erklärt haben möchte, der blicke auf die Expected Goals, den sogenannten xG. Ein Index, die Kenner wissen es, der die Qualität der Abschlüsse beziffert. Aus unseren Gelegenheiten hätten demnach 3,66 Tore entspringen müssen, aus jenen der Bayern lediglich 1,62. Die Torchancen waren also mehr als doppelt so vielversprechend. Das ist der beste Beleg dafür, dass bis zum Abschluss aber auch wirklich alles gestimmt hat. 3:1, die Bayern überboten ihren xG, wir unterboten ihn, das war der einzige Unterschied. Manuel Neuer hielt überragend, was er nicht hielt, vernebelten wir in unserer Nervosität. Man steht nicht immer einem mehrmaligen Welttorhüter gegenüber, das ist keine Ausrede, nur die Wahrheit.

Perspektive

Ein Punkt aus vier Spielen ist angesichts unserer guten Leistungen einfach zu wenig. Aber jetzt ist nicht die Zeit, um zu maulen und zu raunzen. Sieben Spiele in vier Wochen stehen auf dem Programm. Der Blick kann also nur nach vorne gehen, für etwas anderes bleibt gar keine Zeit. Das Ergebnis darf nicht täuschen. Gegen wahrscheinlich jeden unserer kommenden Gegner, ob Bundesliga oder UEFA Champions League, würde eine Leistung wie die gestrige reichen.

Re-Live: FC Bayern München vs. FC Salzburg