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Beinhartes Aufeinandertreffen in Madrid

Hart im Nehmen und doch angezählt, Atletico taumelt nach der 0:4-Pleite gegen Bayern München in die zweite Runde. Auch wir hadern mit dem ersten Spiel. Wer jubelt danach?

Unser Verhältnis zur UEFA Champions League ist wie jenes zu einem Onkel, der gerne Geschichten erzählt. Einmal im Jahr sind wir zu Gast und jedes Mal, wenn wir wiederkommen, erzählt er uns dasselbe. So oft sind wir knapp dran, aber die Effizienz steht zwischen uns und möglichen Erfolgen. Nach einer Woche Reflexion haben wir im Estadio Wanda Metropolitano die Gelegenheit, es besser zu machen, wenngleich die Herausforderung diesmal größer ist.

Die Rasselbande

Auf unsere Roten Bullen wartet das wohl interessanteste Langzeitexperiment der europäischen Fußballelite. Als Diego Simeone Atletico Madrid 2011 übernahm, waren weder er als Trainer noch Atletico als Klub eine Hausnummer. El Cholo hatte es zuvor in Argentinien probiert, ist dort auch mit Estudiantes Meister geworden. Sein erster Job in Europa, bei Catania, endete aber nach nur vier Monaten. In Kombination mit Atletico entwickelte er sich zum Trainerstar. 2014 erlöste er die große Fangemeinde der Rojiblancos, die damals schon 18 Jahre auf einen Meistertitel wartete. In der UEFA Champions League gelang 2016 der Einzug ins Finale, das Atletico erst nach schwindenden Kräften in der Verlängerung verlor.

In Summe erschuf man viel aus wenig und das ausschließlich pragmatisch. Für Ästhetik und philosophisches Geschwätz ist bei Atletico wenig Zeit. Alle elf spielen so, wie Simeone als Professioneller gekickt hat, mit Härte und ohne Schnickschnack. Dass dies so war, wunderte bei El Cholos Amtsübernahme wenige, dass man so in Spanien Meister werden konnte, verblüffte aber umso mehr. Auch heute, sechs Jahre später, spielt man als Favorit Außenseiterfußball. Nicht immer zum eigenen Vorteil. Die Eigentümer waren nicht geizig und stellten Simeone immer wieder talentgesegnete Kicker in den Kader. Einige, wie Thomas Lemar, fühlten sich im defensiven 4-4-2 missverstanden. Rekordverpflichtung Joao Felix rief noch nicht sein volles Potenzial ab. Es sind stets die Filigranen, die ihre liebe Mühe haben. Beißer, wie Diego Costa, Koke oder Gimenez, sind seit Jahren gesetzt.

Eindrücke aus Madrid – Auswärts in der Königsklasse

Ermüdungserscheinungen

Stets als Team bekannt, das schwierig zu schlagen ist, galt Atletico als unliebsamer Gegner. Doch die ewig gleiche Masche zieht nicht mehr so gut wie vor Jahren. Simeone ist Pragmatiker. Er nimmt dem Gegner seine Waffen, fordert hohe Intensität, lässt seine individuell brillanten Stürmer die Ergebnisse holen. Dagegen hatten Gegner lange kein Rezept. Mittlerweile gibt es eines. Mit Ballbesitz wissen die Hauptstädter wenig anzufangen. Das 4-4-2 ist starr, aus dem Mittelfeld fehlen gegen tief stehende Abwehrketten die zündenden Ideen. Man sollte sie also kommen lassen, um sie auszukontern. Doch das birgt ein Restrisiko: Hohes Ballbesitzspiel resultiert bei Ballverlusten in hohen Gegenpressingsituationen – und die liebt Atletico.

Lerneffekt

Zwei Spiele gegen defensiv-destruktive Gegner, die ihr Handwerk verstanden, könnten die perfekte Vorbereitung auf das Match gegen die Spanier gewesen sein. Lok Moskau spielte im selben System wie Atletico, die Wiener Austria in einem ähnlichen. Chancen nützen, geduldig bleiben und in Ballbesitz immer ein Auge auf die Restverteidigung haben, das werden Tugenden sein, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Das flache 4-4-2 mit einem ebenfalls flachen 4-4-2 zu matchen, kann vor allem defensiv einen guten Zugriff auf das Spiel der Madrilenen gewähren. In Umschaltmomenten hätte man wohl weite Wege. Eine Lösung könnte das 4-2-3-1 bieten, das Jesse Marsch schon im Sommer hat proben lassen.

Champions Lounge

Sie ist neu, und du bist mit ihr LIVE dabei. Unsere Champions Lounge bringt euch unser Spiel gegen Atletico Madrid ins Wohnzimmer. Ab 20:45 Uhr schildern wir das Spielgeschehen im Livestream auf Youtube, App und Webseite. Unsere Bullenfunk-Moderatoren Andreas Grassl und Manuel Buckel kommentieren und analysieren den CL-Kracher zusammen mit Andres Torres, enthusiastische Wortspenden garantiert. Anschauen und nichts verpassen!

Unsere Champions Lounge ist fünfzehn Minuten vor Ankick on air!

Personelles

Antoine Bernede fällt nach einem Schienbeinbruch aus.

Statements

Jesse Marsch:

Atletico steht gleich nach der ersten Runde etwas unter Druck und wird uns das spüren lassen wollen. Aber wir müssen auch da wieder mutig spielen, unseren Fußball durchziehen und selbstbewusst auftreten. Dann haben wir selbst gegen so eine starke Mannschaft die Chance auf ein gutes Spiel.

Cican Stankovic:

Das Auswärtsspiel bei Atletico wäre unter normalen Umständen schon eine große Herausforderung für uns gewesen. Jetzt haben sie bei Bayern München 0:4 verloren, was unsere Aufgabe sicherlich nicht einfacher macht. Ich bin schon sehr gespannt, was uns da erwartet und wie wir mit dieser Situation umgehen.

Die letzten Duelle mit Teams aus Spanien:

22.02.2018  FC Salzburg – Real Sociedad 2:1
15.02.2018  Real Sociedad – FC Salzburg 2:2
26.02.2015  FC Salzburg – Villarreal 1:3
19.02.2015  Villarreal – FC Salzburg 1:2