Was für eine Saison!

Ein Blick auf die Höhen und Tiefen der letzten Spielzeit

Ein Fußballjahr ist kurz und lang. Kurz im Sinne der Abhängigkeit, was am ersten Spieltag passiert, spielt auch am letzten noch eine Rolle. Weil sich jede Woche die Vorzeichen ändern, vergisst man aber gerne, was alles passiert ist.

Jedes Mal am Saisonende, wenn wir wieder das Wort Serienmeister in den Mund nehmen, blicken wir zurück und merken, wie dehnbar Argumente sind. Es würde schwer werden, ob des jungen Kaders, hatten einige gemeint. Am Ende war es ohnehin klar, dass uns niemand das Wasser hatte reichen können, meinten andere, manchmal aber sogar dieselben. Fakt ist, wir bestritten die Saison mit einer selten gesehenen Dominanz. An 30 von insgesamt 32 Spieltagen standen wir an der Tabellenspitze der Tipico Bundesliga. Dabei am wichtigsten: Seit der 11. Runde gaben wir die Spitzenposition nicht mehr ab. Das soll aber keinesfalls bedeuten, dass der Weg zum Meistertitel zwischenfallsfrei oder gar einfach gewesen wäre.

#SERIENMEI8TER - 14 Bilder

Der schlaue Mann baut vor

Jesse Marsch hat aus seinem eigenen Werk Inspiration geschöpft. Als er in der Vorsaison mit dem besten Start eines Debüttrainers loslegte, war das der Grundstock für seinen ersten Meistertitel, und auch diesmal ging seine Mannschaft aufgezuckert an den Start. Sechs Siege gab es zum Auftakt zu bewundern. Als hätte es damit zu tun gehabt, war es justament das erste Spiel ohne Zuschauer, das wir remisierten. Das 1:1 in Hütteldorf zeigte erstmals, dass die Doppelbelastung auch an uns nicht spurlos vorüberging.

Bis zu diesem Zeitpunkt, dem 8. November, hatten wir schon vier internationale Spieltage und zwei Länderspielpausen hinter uns, und das, obwohl die Saison erst am 13. September begonnen hatte. In ebendiesen stieg unser Frustrationslevel stetig. Im UCL-Auftakt gegen Lok Moskau versemmelten wir eine verdiente Führung gegen kantige Russen bei zwei Flankenbällen. Auf der Suche nach Wiedergutmachung pumpte das Herz nach 2:1-Vorsprung in Madrid schon schneller, doch Joao Felix vernichtete mit seinen beiden Treffern alle Träume. Wir wollen nichts schönreden, es nagte an uns. Auch die beiden Niederlagen gegen die Bayern, die eine mit 2:6 nach 2:1, zeigten Klasse, aber eben auch jugendlichen Leichtsinn. Dafür ging man mit uns in unserer erst zweiten UCL-Saison hart ins Gericht.

Erst der Befreiungsschlag im Schneegestöber von Moskau gab Auftrieb und Hoffnung. Ein Sieg gegen Atletico Madrid im Final Decider und das erste K.-o.-Ticket unserer UCL-Geschichte wäre gebucht gewesen. Hermoso und Carrasco schlugen zu und es wurde, wieder einmal, die UEFA Europa League.

Kurzes Vergnügen

Die UEFA Europa League-Kampagne endete indes recht abrupt. Die Begegnungen gegen Villarreal waren ein surreales Erlebnis. Die gesamten 180 Minuten warteten wir darauf, dass es einmal so richtig losging. Doch es tat sich nichts, weil Villarreal, in ihrer abgezockten Natur, immer die Kontrolle behielt. Der Abschied war enttäuschend. Aber die Zeit heilt alle Wunden, auch weil Villarreal übermorgen im Finale der UEL gegen Manchester United antritt.

Back to Basics

Die Aufmerksamkeit galt also bald wieder den nationalen Missionen, die wir mit leicht verändertem Personal aufnahmen. Dominik Szoboszlai hatte uns im Winter gen Leipzig verlassen. Sekou Koita und Mo Camara hatten für die Einnahme eines unerlaubten Medikaments eine Dopingsperre ausgefasst. Es war die Zeit der Youngsters, Luka Sucic, Nici Seiwald, David Affengruber, Maurits Kjaergaard und Benjamin Sesko, sie alle kamen zu Einsatzzeiten. Auf ihrem Sprint zu Meistertitel und Cup-Sieg waren sie und die arrivierteren Burschen nicht aufzuhalten. Fünf Bundesligisten schlugen wir im ÖFB-Cup, den LASK mit 3:0 im Finale, verdienter hätte die Trophäe nicht sein können. In der Bundesliga verbuchten wir seit Jahresbeginn 17 Siege in 20 Partien, eine unglaubliche Quote, die uns den Titel, trotz Punktehalbierung, mit einem Achtungsvorsprung von 15(!) Zählern einbrachte. Serienmeister, verdientermaßen.