Am Brunnen vor dem Tore

Bröndby weiß, aus dem Vollen zu schöpfen

Aus wenig viel zu machen, das sagt man Bröndby nach. Doch seitdem man die Außenseiterrolle aufgegeben hat, läuft es nicht.

Bröndby IF, Blau auf Gelb, ein Brunnen auf dem Wappen, eine treue Gefolgschaft an der Seite. Der dänische Meister ist charakteristisch für Fußball in Skandinavien. Auch wenn sie selbst den Vergleich wohl ablehnen würden, Bröndby erinnert an Malmö. Das ist keine Missbilligung, viel mehr Lob und zugleich Warnung, dass trotz unserer Favoritenrolle die Dänen keinen Begleitakt, sondern den Antagonisten spielen werden.

Blickt man rein auf die spielerische Note, fällt auf, dass Mut Bröndbys Tugend ist. Praktisch jede Torchance geht aus einem vertikalen Pass oder einem hohen Ballgewinn hervor. Dabei scheute man auch hohe Bälle aus der eigenen Abwehr nicht. Spieler des letzten Jahres war Andreas Maxsö, ein Verteidiger. Jener der Saison war Mikael Uhre, ein Stürmer. Ein Beweisstück dafür, dass das Mittelfeld bei Bröndby dazu da ist, um überbrückt zu werden. Schnell nach vorne, lautet die Devise. Taktisch wählt Trainer Niels Frederiksen dafür ein 3-5-2, womit er im Trend liegt. Auch die höchst erfolgreiche dänische Nationalmannschaft nutzte die gleiche Formation.

Auch wenn Martin Retov dazwischen ein Kurzintermezzo hatte, ist Frederiksen praktisch der Erbe von Alexander Zorniger, der über zweieinhalb Jahre eine sehr erfolgreiche Zeit beim Hauptstadtklub verbrachte. Sein Assistent, ihr wisst es bereits, war der damals junge Matthias Jaissle. Unser Coach kennt die Burschen vom Vestegnen wie seine Westentasche und zeichnet auch für ihren Spielstil teilverantwortlich. Overfaldsfodbold nennen ihn die Dänen, was deren bildliche Übersetzung für Gegenpressing ist.

Eigenes Süppchen im Hexenkessel

Vestegnen ist ein Konglomerat aus den westlichen Vorstädten Kopenhagens, die als Problembezirke gelten. Daher kommt es nicht überraschend, dass Bröndby nicht nur den zahlreichsten, sondern auch den gefürchtetsten Fansupport in Dänemark stellt. Das Bröndby Stadium ist, so es die Maßnahmen erlauben, stets bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Ultras folgen ihrem Team unaufhörlich. Obwohl im Play-off noch keine Auswärtsfans zugelassen sind, werden sich einige Gelbjacken die Reise nach Salzburg nicht nehmen lassen.

Nach dem überraschenden Meistertitel in der Vorsaison konnten die Fans aber noch keinen Sieg bejubeln. Zum Auftakt gab es drei Remis und eine Niederlage gegen den Stadtrivalen FC Kopenhagen hinterher. Das Bewusstsein des Jägers schien ihnen besser zu liegen als jenes des Gejagten. Just darauf wird man aber gegen uns wieder setzen wollen, denn man begreift sich auch selbst als Außenseiter im nächstwöchigen Duell. Zu diesem Umstand fügte auch das Schicksal eine Prise Salz hinzu. Justament jetzt brach im Klub ein mehrköpfiger Coronacluster aus, der auch vor den beiden Stammkräften Sigurd Rosted und Josip Radosevic nicht haltmachte. Zweiterer ist Ex-Salzburger und nicht der einzige hierzulande Bekannte. Auch der Ex-Rapidler Andrija Pavlovic stürmt für Bröndby, der nach der Edelreservistenrolle im Vorjahr nun zur Stammkraft promovierte.

So geht es vielen. Gefühlt zog es die halbe Meistertruppe ins Ausland. Die meisten gingen ablösefrei. Einzig Jesper Lindström (nun Eintracht Frankfurt) spülte Geld in die Kassen. So geht es für Bröndby nicht nur ums Prestige, sondern vor allem um den UCL-Paycheck, der das Klubbörserl füllen soll. Im Falle eines Aufstiegs wäre es die erste und einzige UCL-Gruppenphase seit 1998/99.